„Wir wehren uns“

Denklingen: Bauern und Jäger lehnen Flugbetrieb ab

Bauern und Jagdgenossen aus Denklingen demonstrieren gegen Flugbetrieb
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Beziehen Position: Bauern und Jagdgenossen aus Denklingen. Von links Ludwig Preisinger (BBV-Ortsobmann und Jagdvorstand), stellvertretender Obmann Jakob Steer, Ortsbäuerin Ingrid Steer, Max Heiß (Jagdgenossenschaft), Christian Negele (Jäger und Landwirt), Christoph Rathmann (Jagdpächter), Manuela und Robert Maier (Landwirt und Pferdehofbetreiber).

Denklingen – Bauern und Jagdgenossen wehren sich: Sie sind gegen das Vorhaben, dass südlich von Denklingen im Bereich Lengenfeld westlich der Bahnlinie ein Flugplatz errichtet wird. Wie berichtet, möchten Grundstückseigentümer Anton Eirenschmalz aus Schwabsoien und sein Freund Michael Riedle, der aus Epfach stammt und in Weilheim wohnt, dort eine Start- und Landeerlaubnis für Ultraleichtflugzeuge. 

  • Bauern und Jäger wehren sich gegen den geplanten Flugbetrieb
  • Grundstückseigentümer wollen eine Start- und Landeerlaubnis für Ultraleichtflugzeuge.
  • Der Gemeinderat hat im September dem Flugbetrieb zugestimmt.

Auch Bestrebungen an anderen Standorten in der Denklinger Flur lehnen die örtliche Jagdgenossenschaft und der Bayerische Bauernverband (kurz BBV) kategorisch ab. „Es kann und darf nicht sein, dass unsere Natur und Landschaft hinter das Luxusdenken einzelner Personen oder Gruppierungen angestellt wird“, spricht Ludwig Preisinger Klartext.

Der Landwirt ist Jagdvorstand und zugleich Ortsobmann des BBV. Die Vorstandschaft beider Verbände sehen es als ihre Pflicht an, ein strenges Augenmerk auf Natur und Flächen zu haben bzw. diese zu schützen, fügt Preisinger hinzu.

BBV und Jagdgenossenschaft würden es sich nicht anmaßen, die Antragsteller zu verurteilen. Doch sie verdeutlichen ihr Ziel: nämlich Tiere, Landschaft und Natur im Einklang mit dem Menschen zu erhalten. In einer Presseerklärung haben Landwirte und Jagdgenossen fünf Punkte aufgelistet, die gegen einen Flugplatz mit Start- und Landeerlaubnis für Ultraleichtflugzeuge sprechen.

Erstens sei es aus Sicht der Landwirte „ein nicht hinnehmbarer Flächenverbrauch“, der mit einem kleinen Flugplatz aus der landwirtschaftlichen Produktion herausgenommen werde. Wie solle in Zukunft das wichtigste, nämlich die Ernährung der Bevölkerung, gesichert werden, wenn solche Flächen unnötig der Landwirtschaft entzogen würden. „Gerade in der Zeit von Corona sieht man, wie wichtig es ist, unabhängig vom Ausland zu sein“, sagen die Landwirte und Jagdgenossen.

Zweitens wird darauf verwiesen, dass durch einen Flugbetrieb auf diesem Gelände das Wild gestört werde, was zu einem Panikverhalten führe. Es sei mit erhöhten Wildunfällen an den anliegenden Straßen bis hin nach Osten zur Bundesstraße 17 zu rechnen.

Wild verfängt sich in den Zäunen

Das dritte Argument, das die Bauern und Jagdgenossen anführen: Wild könne sich in Zäunen verfangen; auch sei mit erhöhten Verbissschäden im Wald zu rechnen. Nicht auszuschließen sei der Abzug des Wildes in andere Gebiete. Das bedeute eine Schädigung des Jagdbogens und führe zu einer erhöhten Schadensforderung an die Jagdgenossenschaft. Ertragsausfälle könnten soweit führen, dass man jagdrechtlich letztlich ein nutzloses Gebiet habe.

Als viertes Argument gegen den Flugbetrieb verweisen die Landwirte auf das Weidegebiet, das im Westen an das 300 Meter lange und 30 Meter breite Feld angrenzt, wo Anton Eirenschmalz und Michael Riedle starten beziehungsweise landen möchten. Die Fläche am Hang und darunter sei besonders schützenswert. Flugbetrieb könne bei Rindern hingegen ein Panikverhalten auslösen. Wenn eine Herde in Panik flüchte, führe dies zu Verletzungsgefahr, zum Verwerfen oder bis zum Tod der Rinder. Auch die Betreiber der südlich gelegenen Reitanlage bei Epfach-Neuhof haben Bedenken; sie sehen im Fall von Flugbetrieb eine große Gefahr für Ross und Reiter, wie Manuela und Robert Maier vom Pferdehof betonen.

Schließlich verweisen die Gegner eines solchen Flugbetriebes auf den Lärm. Den solle man doch in einem Gebiet vermeiden, wo Menschen Erholung suchen und finden. Jagdgenossen und Bauern beenden ihre Erklärung mit dem Appell, dass sich alle beteiligten Gremien für das Wohl der Natur einsetzen sollen und auch so die Entscheidung treffen sollen.

Einen anderen Aspekt greift Christoph Rathmann auf, der im Lengenfeld südöstlich von Denklingen den Jagdbogen gepachtet hat. „Das Schlimme ist, dass da keine offene Kommunikation stattfindet.“

Der Gemeinderat hatte im September mit zwölf zu zwei Stimmen die beantragte Start- und Landeerlaubnis auf dem Grundstück befürwortet. Das Thema wurde zuvor schon mal in nicht öffentlicher Sitzung vorberaten. Herr des Genehmigungsverfahrens ist das Luftamt Südbayern, das bei der Regierung von Oberbayern angegliedert ist.

Eingebunden in das Verfahren ist die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Landsberg. Die Naturschutzbehörde verlangt eine artenschutzrechtliche Untersuchung. Ihr Beweggrund: In diesem Gebiet kommt der Uhu vor; dieser sei streng geschützt.

Johannes Jais

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