Denklingen: Klage gegen das Baugebiet am Hang

Höhenweg zur Wiese am Hinterberg mit Windrädern
+
Hier soll gebaut werden: Blick vom Höhenweg zur Wiese am Hinterberg.

Denklingen – Weil ein Anwohner eine Normenkontrollklage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht hat, vertagt die Gemeinde Denklingen die Vergabe der Arbeiten für das Baugebiet Hinterberg, das sich auf der Anhöhe im Westen der Ortschaft befindet. Anlass für die Klage: Der Nachbar verweist auf die Gefahr des Hang­rutsches, aber auch auf kritische Situationen bei Zu- und Abfahrt sowie im geplanten Wohngebiet.

Die Situation stellt sich Mitte September nun so dar, dass eine Stellungnahme des gemeindlichen Rechtsanwalts eingeholt wird. Solange wird die Auftragsvergabe vertagt. Herbert Kößl (CSU/Freie Bürger) wollte im Gemeinderat wissen, wie lange sich das hinziehe. Bürgermeister Andreas Braunegger erklärte dazu, er rechne mit einem oder zwei Monaten Verzögerung. Die aktuelle Situation sei vor allem eine schlechte Nachricht für Familien, die dort bauen wollen.

Eigentlich hätten in der jüngsten Sitzung die Arbeiten für die Erschließung des Baugebiets mit 14 Häusern vergeben werden sollen. Es geht um den Straßenbau, die Wasserleitungen, den Kanal und weitere Arbeiten. Eine Firma aus Augsburg hatte dafür unter vier Tiefbauern mit 705.000 Euro das Angebot mit dem besten Preis abgegeben. Mit ihr hat die Gemeinde vereinbart, dass die Frist, an welche die Firma mit diesem Preis gebunden ist, bis Mitte Dezember dieses Jahres verlängert wird.

Nach Rücksprache mit dem Bayerischen Gemeindetag hat man zudem im Rathaus Kontakt mit dem Rechtsanwalt aufgenommen, der Denklingen vertritt. Der soll eine Stellungnahme dazu abgeben, ob im Bebauungsplan ein Fehler zu erkennen ist – und wenn ja, ob der Fehler „unheilbar“ wäre, sprich den Plänen zu diesem Baugebiet den Todesstoß versetzen würde.

Angestrengt hatten die Klage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Johann Lehner und seine Frau Alice. Sie sind Anwohner an der Menhofer Straße. Die Zufahrt zum Hinterberg führt an ihrem Haus vorbei. Neben der Kritik an neuralgischen Verkehrssituationen an der Zufahrt, im geplanten Areal und an der Abfahrt aus dem neuen Wohngebiet (Stichwörter sind Fahrbahnbreite und Einbahnstraße) hakt Lehner vor allem wegen der Sorge um einen Hangrutsch ein. Der 67-jährige Denklinger hatte bei der Kommunal­wahl im März auf der Liste der Freien Wählergemeinschaft Denklingen für den 14-köpfigen Gemeinderat kandidiert. Er verfehlte jedoch den Einzug deutlich.

Johann Lehner ist ebenso wie Anwohner Renè Roth ein massiver Gegner des Baugebiets. Beide waren aufmerksame Zuhörer in der letzten Gemeinderatssitzung und führen zahlreiche Argumente zum Risiko des Hang­rutsches an. Das Gebiet hinter der alten Kiesgrube sei 10.000 Quadratmeter groß. Die frühere Kiesgrube sei zehn Meter hoch. Das geotechnische Gutachten, das ja nur zur Untersuchung des Baugrunds für die Straße vergeben worden sei, bringe zum Ausdruck, dass die bisher landwirtschaftlich genutzte Wiese wenig fest sei. Das Gebiet habe eine sehr unterschiedliche Schichtung.

Ein weiterer Punkt, bei dem Lehner und Roth einhaken: Die Niederschläge auf Straße und Häuser soll über Rigolen genau in drei bis fünf Metern Tiefe versickert werden; doch dort seien Ton und Schluff und das Material schon weich sei. Das Gebiet habe Richtung Osten ein Gefälle. Der Hang am Rand sei steil.

Lehner verweist außerdem auf eine Datenbank im Landes­amt für Umweltschutz, wo Rutschungen in der Region aufgelistet seien – unter anderem in Leeder. Dabei seien dort die Hänge nicht einmal so steil gewesen wie beim geplanten Baugebiet Hinterberg oberhalb von Denklingen.

Johannes Jais

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landsberger Malik Harris im Auge des Erfolgs
Landsberger Malik Harris im Auge des Erfolgs
Mit „Grünen Netzen“ in der Stadt zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis
Mit „Grünen Netzen“ in der Stadt zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis
Corona-Teststrecke im Fliegerhorst bei Penzing wieder offen
Corona-Teststrecke im Fliegerhorst bei Penzing wieder offen

Kommentare