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Denklingen vor dem Bürgerentscheid

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Von: Johannes Jais

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Manfred und Gabi Gayer Bürgerentscheid Denklingen 2022
Die Gemeinderäte sollen eine Veränderungssperre für das Quartier erlassen, fordern Manfred und Gabi Gayer von den Initiatoren des Bürgerbegehrens. © Jais

Denklingen – Knapp 2.300 Wahlberechtigte aus Denklingen, Epfach und Dienhausen sind am Sonntag, 22. Mai, aufgerufen, beim Bürgerentscheid ihre Stimme abzugeben. Es geht darum, wie dicht im Quartier zwischen Bahnhofstraße, Bischof-Müller-Straße, Buchweg und Industriestraße gebaut werden darf. 

Es ist der erste Bürgerentscheid in Denklingen seit Mai 2014. Damals waren es sogar zwei an einem Tag. Der erste Entscheid richtete sich gegen die Planungen für den Windpark im Rotwald. Der zweite Bürgerentscheid ging gegen den geplanten Neubau des Rathauses auf dem früheren Neuwirt-Grundstück. Bei beiden Bürgerentscheiden sprach sich die Mehrheit für das Anliegen der Initiatoren aus.

Nach acht Jahren gibt es jetzt wieder einen Bürgerentscheid in der Gemeinde. Mehr als 200 Erwachsene hätten sich – Stand Anfang letzter Woche – bereits für die Briefwahl entschieden, informiert Geschäfts- und Wahlleiter Johann Hartmann. Es gibt wieder drei Wahllokale: das Feuerwehrhaus in Dienhausen, die Turnhalle in Epfach und die Mehrzweckhalle in Denklingen. Mit einer Bekanntgabe des Ergebnisses rechnet man am Sonntag vor 19 Uhr.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens um Anita Gropp, Manfred und Gabi Gayer, Andreas Frieß und Werner Dacher, wenden sich gegen eine massive Bebauung im Ortskern. Aktueller Anlass ist, dass Investor Stefan Friebe zusätzlich zu den 60 Wohneinheiten im Quartier Bahnhofstraße nun auf einem benachbarten Grundstück nochmals zwei Mehrfamilienhäuser mit 24 Wohnungen errichten möchte.

Das Amt sagt Ja

Doch die Sachlage ist kompliziert. Das Landratsamt Landsberg hat die Baugenehmigung für das Projekt zwar noch nicht erteilt. Aber das sei nur noch eine Frage von Tagen, sagt Anna Diem vom Landratsamt. Das Vorhaben an sich sei „genehmigungsfähig“. Pressesprecher Wolfgang Müller ergänzte am Montagnachmittag, die Baugenehmigung gehe „noch diese Woche“ raus.

Wegen der Nähe zur Bahnhofstraße, wo vor vier Jahren im Zuge des Ausbaues Gräber gefunden wurden, sind auch auf dem Grundstück südlich der Straße Belange des Denkmalschutzes betroffen. Beim Abbruch eines alten Hauses hat das Landesamt für Denkmalpflege eine Voruntersuchung auf dem Grundstück an der Bahnhofstraße 10 veranlasst. Aktuell sind Mitarbeiter einer Fachfirma – vom Bauherrn beauftragt – damit befasst, der Sache auf den Grund zu gehen.

Die Auflage an den Bauherrn lautet: Die vorhandenen Bodendenkmäler sind sachgemäß und archäologisch qualifiziert auszugraben und zu bergen, soweit dies für die Durchführung des Vorhabens erforderlich ist. Bei der Ausgrabung und Bergung von Gräbern und umfangreichen Siedlungsinventarien sind wissenschaftlich qualifizierte Anthro­pologen und qualifizierte Restauratoren hinzuzuziehen.

Ist der Bürgerentscheid überhaupt noch von Bedeutung, nachdem die Gemeinderäte das Bauvorhaben zwar zweimal abgelehnt haben, aber das Landratsamt die Genehmigung erteilt? „Unbedingt! Wir müssen uns wehren,“ gibt sich Gropp kämpferisch. Es gehe um die Zukunft aller drei Ortsteile. Nur mit dem Ja beim Bürgerentscheid könne man verhindern, dass sich immer mehr Investoren in den Ortschaften „einkaufen“ in der Hoffnung, dass das Landratsamt am Schluss alles möglich mache. Auch wehre man sich gegen weiter steigende Grundstückspreise und die Tatsache, dass so Bauplätze für junge Einheimische unbezahlbar werden. Außerdem wolle man vermeiden, dass der ländliche Charakter des Dorfes endgültig zerstört werde.

Sperre nicht machbar

Zusammen mit Eigentümer Fritz Schelkle aus der Nachbarschaft und mit Gemeinderat Anton Stahl beantragt Gropp den Erlass einer Veränderungssperre – am heutigen Mittwoch Thema im Gemeinderat. Zugleich soll ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan im Bereich Bahnhofstraße gefasst werden. Doch Geschäftsleiter Hartmann gibt zu bedenken, dass innerhalb des Sanierungsgebietes Dorfkern keine Veränderungssperre möglich sei. Wenn der Antrag offensichtlich auf das beantragte Bauvorhaben an der Bahnhofstraße 10 (zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 24 Wohnungen) abziele, bleibe ein Aufstellungsbeschluss ohne Auswirkung, heißt es dazu seitens der Verwaltung. Ein baldiger Bebauungsplan könne das Projekt an der Bahnhofstraße 10 nicht verhindern.

Eher kritisch bewertete ein Denklinger auf der Bürgerversammlung Ende März die Forderungen des Bürgerbegehrens, das auf minimal 225 Quadratmeter Grundstücksfläche für jede Wohneinheit abzielt und das pro Gebäude maximal bis zu sechs Wohnungen zulassen möchte. Er selber habe in seinem Haus an der Menhofer Straße acht Wohnungen, sagte Helmut Mayer. Zwei Argumente gebe er zu bedenken: Wohnungen würden dringend gebraucht. Außerdem müsse man dem Flächenfraß begegnen.

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