Entlang der Bahnlinie erlaubt

Strom vom Feld: Denklingen kippt das Verbot

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Grüne Farbe bedeutet „besonders geeignet“ (entlang der Bahnlinie); grün schraffiert (bei Hirschvogel) steht für „geeignet“: das Standortkonzept für die PV-Anlagen in freier Fläche.

Denklingen – Das seit 2012 bestehende Verbot von Freiflä­chenfotovoltaik auf Denklinger Flur hat der Gemeinderat jetzt gekippt. In einer Klausurtagung einigte sich das Gremium jüngst darauf, dass für PV-Anlagen in der freien Fläche jährlich fünf Hektar bereit­gestellt werden. Das entspricht ungefähr dem Strombedarf der privaten Haushalte in Denklingen.

Auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche votierten die Gemeinderatsmitglieder für diese Reglung. Einverstanden zeigten sie sich mit dem Standortkonzept, wie es vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München ausgearbeitet worden war. Freiflächen-Fotovoltaik wird demnach nur an den auf einer vorgelegten Planskizze (siehe Abbildung) grün beziehungsweise grün-schraffierten Flächen zugelassen. Diese befinden sich entlang der Bahnlinie Landsberg – Schongau, die für den Güterverkehr genutzt wird. Grün dargestellt sind dabei die Flächen von der Ortschaft bis zur südlichen Gemeindegrenze mit Kinsau (auf zwei Kilometer Länge), ein kurzer Abschnitt am Gleis im Norden Denklingens (an der Gemarkungsgrenze zu Fuchstal) sowie Felder beziehungsweise Kiesgruben, die sich bei Hirschvogel Umformtechnik befinden.

Die Gemeinde Denklingen hatte, wie im KREISBOTEN berichtet, im vergangenen Jahr von zwei Landwirten und von Hirschvogel Anfragen erhalten, Module für Freiflächen-Fotovoltaik zu installieren. Diese Antragsteller können ihr Vorhaben jetzt verwirklichen. Allerdings sind Bauleitplanverfahren erforderlich. Dabei werden unter anderem Belange des Artenschutzes abgeklärt. Es kann auch sein, dass an bestimmten Abschnitten eine mögliche Blendwirkung auf Verkehr und Wohngebäude untersucht werden muss.

Oliver Prells vom Planungsverband empfiehlt der Gemeinde, vorhabenbezogene Bebauungspläne aufzustellen. Im Vertrag mit den Antragstellern können Fristen für die Errichtung der Anlagen und die Bedingungen für den Rückbau festgelegt werden. Ein weiterer Vorschlag ist, die Höhe der PV-Module auf 2,5 Meter zu begrenzen. So könne sichergestellt werden, dass eine „feldartige Wirkung“ verbleibt und die Module nicht über Mais­äcker hinausragen.

Die fünf Hektar, die in Denklingen jährlich zugelassen sind, beziehen sich auf die Flächen für die Module und für die technischen Einrichtungen wie Trafo­stationen. Maßnahmen zur Eingrünung werden darauf aber nicht angerechnet. Wenn das Kontingent eines Jahres nicht ausgeschöpft wird, verfällt es zum 31. Dezember; es kann nicht auf das nächste Jahr übertragen werden.

Allgemein heißt es, dass die Gemeinde über „ein großes Potenzial für die Erzeugung erneuerbarer Energie“ verfügt. Es gäbe ausreichend Flächen für PV-Anlagen, die „besonders geeignet“ oder „geeignet“ seien. Im Standortkonzept ist von 101 Hektar die Rede. „Es wäre im Hinblick auf nachfolgende Generationen unverantwortlich, dieses Potenzial ungenutzt zu lassen“, ist aus der Bewertung des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München herauszulesen.

Zum Bestand

Im Standortkonzept gibt es auch eine Bestandsaufnahme, wie regenerative Energien bisher in der Gemeinde genutzt werden. Es bestehen zwei Biomasse-­Anlagen; eine bei Denklingen, eine in Dienhausen. Südwestlich von Menhofen sind zwei Windräder. Zudem wurden in Denklingen, Dienhausen und Epfach 279 PV-Anlagen auf Dächern errichtet.

Des Weiteren nutzt die Gemeinde Strom aus den Wasserkraftwerken entlang des Lechs, die jedoch nicht auf Denklinger Gebiet liegen. Im Jahr 2018 wurden in der Gemeinde 8,5 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen. Bayernweit sind es gut 40 Prozent. Zu bedenken ist bei einem Vergleich freilich der außergewöhnlich hohe Strombedarf eines Industriebetriebes vor Ort.Johannes Jais

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