Die fetten Jahre sind vorbei!

Denklingen, deine Darlehen

Denklingen - Bürger- und Vereinezentrum - 7. März 2021
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Die fetten Jahre in Denklingen sind zwar vorbei, doch der Bau des Bürger- und Vereinezentrums (Foto) schreitet planmäßig voran. Die Finanzierung eines neuen Kindergartens ist aktuell noch nicht geklärt.
  • vonJohannes Jais
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Denklingen – Die Gemeinde Denklingen und ihre Darlehen: Heuer und nächstes Jahr werden zusätzlich zu den vier alten Verpflichtungen weitere Kredite aufgenommen. 2021 sind es 9,8 Millionen Euro und nächstes Jahr werden es 7,3 Millionen sein. Damit steigt der Schuldenstand bis Dezember 2022 auf zirka 27,7 Millionen Euro. Das sind gut 9.000 Euro pro Kopf in der 2.900 Einwohner zählenden Lechraingemeinde. 

Nicht nur im Landkreis Landsberg, sondern in ganz Bayern wird Denklingen damit in knapp zwei Jahren zu den höchstverschuldeten Kommunen gehören. Kämmerer Johann Hartmann bekannte am Tag nach der Haushalts-Verabschiedung auf Nachfrage des KREISBOTEN, dass er noch ruhig schlagen könne. Der Grund dafür sei, dass alle Darlehen eine Laufzeit von 30 Jahren hätten und die Zinsen auf dem Kapitalmarkt für die zwei neuen großen Kredite unter einem Prozent lägen.

Der Etat für dieses Jahr war in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch in drei Minuten durch. Die einzigen Zahlen, die per Beamer an die Leinwand projiziert wurden, waren diejenigen aus der Haushaltssatzung. Mehr bekamen die Besucher der öffentlichen Sitzung nicht zu Gesicht. Lesen konnten sie, dass der Verwaltungshaushalt, in dem die laufenden Einnahmen und Ausgaben aufgelistet sind, mit knapp neun Millionen Euro schließt.

So hoch wie nie ist hingegen der Vermögenshaushalt, wo alle Investitionen enthalten sind. Er umfasst 21 Millionen Euro. Der „Vorbemerkung zum Haushalt“ ist auch zu entnehmen, dass der Gesamtbetrag der Kreditaufnahme heuer auf 9,8 Millionen Euro festgesetzt wird.

Nur eine einzige Frage kam aus der Mitte des Gemeinderates: Ob es denn möglich sei, die neue Kindertagesstätte, für die in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2024 jetzt immerhin 8,3 Millionen Euro eingestellt sind, ohne einen staatlichen Zuschuss zu finanzieren, wollte Herbert Kößl wissen. Bisher wurden für die Investition zur neuen Kita immer knapp 6,5 Millionen Euro genannt. Das bedeutet, dass bislang bei den Kosten ein staatlicher Zuschuss schon vorausgesetzt wurde, ohne dass die erhoffte Förderung je irgendwo eigens ausgewiesen worden ist.

Bürgermeister Andreas Braun­egger antwortete zurückhaltend auf Kößls Frage. Beim Thema der neuen Kindertagesstätte wolle man die Stellungnahme des Landratsamtes Landsberg an die Regierung von Oberbayern abwarten, gab der Rathaus­chef zu verstehen. Wie im KREISBOTEN berichtet, hatte die Gemeinde Widerspruch zum Bescheid eingelegt, dass es für den Bau der Tagesstätte keinen staatlichen Zuschuss gibt.

Im Etat beziehungsweise in der Finanzplanung sind für die Kita mit Plätzen für bis zu 160 Kinder gut acht Millionen Euro vorgesehen. Die Tagesstätte ist eines der drei großen Projekte, die sich deutlich auf den Etat auswirken. Zu nennen sind freilich auch das Bürger- und Vereine­zentrum (zirka zwölf Millionen) und die Wasserversorgung (zirka neun Millionen) mit kilometerlangem Leitungsbau sowie Brunnen und Hochbehälter im Sachsenrieder Forst.

Die vier „Altdarlehen“ – das letzte davon wurde erst im ver­gangenen Jahr aufgenommen – machen in der Summe zum Jahresende 2021 ungefähr zehn Millionen Euro aus. Beinahe dieselbe Summe wird heuer an Schulden draufgesattelt. Und nächstes Jahr sind weitere 7,3 Millionen Euro an Kreditaufnahme vorgesehen.

Bei der Gewerbesteuer, die natürlich von den Betrieben kommt, allen voran Hirschvogel und Schuster, stehen heuer nur zwei Millionen Euro im Haushaltsplan. Die fetten Jahre – 2018 gab es da eine Rekordeinnahme von mehr als sechs Millionen Euro – sind vorbei. Beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer, die vorwiegend von Beschäftigten zu bezahlen ist, kalkuliert Kämmerer Hartmann mit 1,8 Millionen Euro.

Der Haushalt 2021, der im Gemeinderat auf einer Klausur im Bürgersaal des Rathauses ausführlich und nichtöffentlich vorberaten wurde, ist als PDF-Dokument auf der Homepage der Gemeinde hinterlegt. Wer sich darin vertiefen möchte, braucht Zeit: Das Zahlenwerk umfasst 170 Seiten.

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