Windkraft eingegrenzt

Denklinger ist mit Ausweisung der Konzentrationsfläche fast durch

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Energie aus Windkraft ist nach wie vor vieldiskutiert – aktuell vor allem in Denklingen. Die Aufnahme zeigt eine der beiden Anlagen bei Menhofen.

Denklingen – Mittlerweile in den letzten Zügen steckt die Gemeinde Denklingen beim Vorhaben, eine Konzentrationsfläche für Windkraft auszuweisen, damit Windräder – wenn überhaupt – nur in diesem Gebiet errichtet werden dürfen. Ende Juli wurden im Gemeinderat weitere Stellungnahmen zum Teilflächennutzungsplan (TFNPL) behandelt. Im September soll dann mit dem Feststellungsbeschluss ein Schlussstrich unter das Verfahren gezogen werden, das schon seit 2015 läuft.

In dem Teilflächennutzungsplan wird – südlich der Fuchstaler Windräder – auf Denklinger Flur ein Gebiet mit zirka 500 Hektar ausgewiesen – westlich und südlich des Denklinger Ortsteils Dienhausen. Es reicht nahe an den Dienhausener Weiher heran.

Einmal mehr hatte sich der Rat mit einer Stellungnahme von Gemeinderat Martin Steger aus Dienhausen zu befassen. Der 50-Jährige stimmte ebenso wie sein Fraktionskollege Alexander Seelos von der Dienhauser Liste mit Nein. Das Votum lautete bei jedem einzelnen Statement 9:2. Alle anderen Räte waren dafür; vier fehlten in der Sitzung entschuldigt. Jeder der Gemeinderäte wollte doch, „dass kein Windrad gebaut werden kann“, erinnerte Steger. Aber mit der Ausweisung einer Konzentrationsfläche werde im Staatsforst die Möglichkeit dafür geschaffen. Auch sei er davon überzeugt, dass in der Gemeinde Denklingen kaum ein Bürger im Bilde darüber sei, was die Konsequenzen einer solchen Konzentrationsfläche seien.

Er sei nicht generell gegen Windkraft, fügte Steger hinzu. Abe er sei gegen Windkraft im Wald – und im Denklinger Fall erst recht, weil nebendran die künftige Quellfassung im Stubental ist und sich daran das Wasserschutzgebiet anschließt. Seit 2012 kämpft Martin Steger gegen Wind­räder im Sachsenrieder Forst. Seine Bedenken seien zuletzt herabgewürdigt worden.

Anita Gropp wollte noch einen „Hoffnungsschimmer“ im Statement des Landesamtes für Denkmalpflege erkennen. Die Behörde legt Wert darauf, alle obertägig sichtbaren Bodendenkmäler als „harte Tabu­zonen“ und somit als Ausschlussflächen zu betrachten. Auch andere Flächen mit Bodendenkmälern seien in der Regel ebenfalls ungeeignet für die Errichtung von Windkraftanlagen, schrieb Dr. Jochen Haberstroh vom Landesamt.

Gemeinderat Martin Ahmon traf eine Abwägung: „Ausweisen müssen wir gar nix.“ Doch dann sei die große Denklinger Gemeindeflur trotz der 10H-Regelung offen, falls Investoren Interesse am Bau von Windkraftanlagen hätten. Das Bestimmen einer Konzentrationsfläche sei das steuernde Eingreifen der Kommune. Die Gemeinde könne aber keine Verhinderungsplanung verfolgen.

Bei der Sitzung des Gremiums wurden auch weitere Stellungnahmen behandelt. Wie etwa von Mobilfunk-Unternehmen, vom Luftamt Südbayern oder vom Planungsverband für die Region Oberland. Diese Anmerkungen werden in den sogenannten Teilflächennutzungsplan zur Steuerung der Windkraft aufgenommen. Auch da lautete bei der Abwägung das Abstimmungsergebnis des Gemeinderates immer 9:2.

»Wie ein Geier«

Auf Anfrage der Redaktion erklärt Erwin Sing vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Landsberg, dass er nicht bestrebt sei, zusätzlich zu den vier bestehenden Windrädern auf Fuchstaler Flur weiter südlich in der künftigen Konzentrationsfläche für Denklingen Windkraftanlagen zu bauen. Die Bayerischen Staatsforsten als Grundeigentümer würden eh nur verpachten, wenn die Gemeinde dem Bau vorher zustimme. Martin Steger hatte heuer im Gemeinderat schon mal gesagt, Sing würde „wie ein Geier“ über dem Staatsforst kreisen, um dort weitere Wind­räder errichten zu können.

Bei der politischen Wetterlage sei das mittelfristig nicht passend, fügte Sing hinzu. Er führt ein Planungsbüro für erneuerbare Energien in Landsberg und ist zudem Geschäftsführer der „Bürgerwind Fuchstal“, jener Gesellschaft, der die vier Windräder im Kingholz bei Fuchstal gehören. – mit der Gemeinde Fuchstal als größter Anteilseigner. Er sei ein Verfechter von „Bürgerenergie“, betont Sing. Wenn die Mehrheit der Bürger und die Kommune nicht dahinter stünden, mache eine Investition keinen Sinn. 

Johannes Jais

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