Viel Wind ums Rathaus

+
Klarer Fall: Grünröcke im Windschatten…

Denklingen – Der Riss, der durch den Denklinger Gemeinderat geht, wird immer deutlicher. Und auch der anwesende Landrat Walter Eichner war stinksauer, weil er sich wegen Unterstellungen beschimpfen lassen musste. „Das ist eine Frechheit. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich immer ein offenes Ohr habe“.

Dabei konnte Bürgermeisterin Viktoria Horber ihren Mitbürgern eine durchaus positive Bilanz vorlegen. In ihrer Rede ging sie ausführlich auf die Finanzsituation im laufenden Haushaltsjahr ein. Den Rechenschaftsbericht 2012 ließ die Rathauschefin in Kopieform verteilen. 2013 erwartet die Gemeinde Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von fünf Millionen Euro. Der Kassen- und Rücklagenbestand beläuft sich gegenwärtig auf rund 12,3 Millionen Euro. Viktoria Horber rechnet damit, dass Ende des Jahres 2,5 Millionen Euro dem Vermögenshaushalt der Gemeinde zugeführt werden können. Die Verschuldung, die aus den 90er Jahren durch den umfangreichen Kanal- und Wasserbau hervorgerufen wurde, soll Ende 2013 rund 1,24 Millionen Euro betragen. „Kredite wurden 2013 nicht aufgenommen“, sagte die Rathauschefin.

Horber bemühte auch die Statistik der Gemeinde. 2556 Einwohner habe Denklingen Ende 2012 gehabt. Dank der Firma Hirschvogel und der Handwerksbetriebe habe die Gemeinde mehr als 2200 Arbeitsplätze aufzuweisen. „Denklingen ist nach wie vor eine Einpendlergemeinde“, stellte Horber fest. Zur Erfolgsbilanz rechnet die Bürgermeisterin auch den Ausbau des Breitbandnetzes. Desweiteren seien 46 Bauanträge bewilligt worden. Viktoria Horber berichtete auch über durchgeführte Straßenbaumaßnahmen und die technische bedingten Verzögerungen beim Friedhof Epfach, wo auch die Forderungen der Denkmalsbehörde den Baubeginn verzögert hätten.

Eine der „Baustellen“ der Rathauschefin ist weiterhin der Neubau eines Rathauses. Man strebe eine optimale Lösung an, sagte Horber. Der Gemeinderat werde sowohl mit dem ersten als auch dem zweiten Sieger des Wettbewerbs nun Gespräche führen. Knackpunkt sei nicht die Funktionalität des Gebäudes sondern dessen Außengestaltung. Bei der geplanten Erweiterung der Mehrzweckhalle warte man noch auf die Entscheidung des Schützenvereins, der seine Schießstätten ausbauen will.

Vernünftiger Energiemix

Kernthema der Bürgerversammlung war jedoch der geplante Windpark. Die Gemein­de will ihn zusammen mit der Gemeinde Fuchstal in Eigenregie betreiben. Nur weniger als ein Prozent des 57,5 qkm großen Waldgebietes müsse dauerhaft gerodet werden. Horber bezog sich dabei auf Aussagen des Staatlichen Forstamtes. „Denklingen ist eine der finanzkräftigsten Gemeinden im Landkreis“, lobte Walter Eichner. Der Landrat ging in seiner Rede auf die Erfolgsbilanz des Landkreises bei Infrastruktur, Bildung und Kleinkindbetreuung ein. Zum Energiethema sagte er, dass im Landkreis pro Jahr rund 500 Millionen Euro für alle Energieformen aufgewendet werden müssten. „Die Wertschöpfung muss bei uns bleiben“, forderte Eichner. Der Landrat sprach sich für einen „vernünftigen Energiemix“ aus und sagte: „Gehen sie davon aus, dass Windenergie bei uns eine Rolle spielen wird“.

Für die Windkraftgegner hielt Regina Wölfl dem Landrat und der Bürgermeisterin entgegen, dass die „Pflichtaufgabe Energiewende im Landkreis“ nur bei uns umgesetzt werde. „Es kann nicht sein, dass die anderen Gemeinden aus dem Thema raus sind.“ Die falsche Reihenfolge hielt Windkraftgegner und Gemeinderatsmitglied Martin Steger der Verwaltung vor. Man hätte zuerst den Wind messen und die Bürger befragen sollen.

Horber gab zu bedenken, dass man erst ganz am Anfang des Verfahrens stehe. „Wir sind im Prüfverfahren, viele Fragen auch zur Wirtschaftlichkeit lassen sich erst beantworten, wenn die Gutachten vorliegen und die Zahl der Windräder feststeht.“ Ein Denklinger forderte die Gemeinde auf, sie möge die Vorteile des Windparks der Bevölkerung deutlich machen. „Schwierig“, meinte die Rathauschefin, „in der jetzigen Situation mit Zahlen zu kommen“.

"Potthässlich"

Hochemotional wurde auch über die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs zum neuen Rathaus diskutiert. Glaubt man einem Bürger, soll das neue Rathaus sogar keine Heizung haben, weil die spanischen Archi­- tekten das für überflüssig gehalten hätten. Als „potthässlich und überhaupt nicht ins Dorf passend“ kritisierten die Bürger den Entwurf kritisiert. Man solle ihn in die Tonne hauen und neu planen forderte ein Anwohner. Kritisiert wurde auch, dass spanische Architekten mit dem Denklinger Rathaus beschäftigt gewesen seien. Die Bürgermeisterin wies auf die gesetzliche Verpflichtung hin, europaweit auszuschreiben. Die Entscheidung, wie das neue Rathaus einmal aussehen soll, wird endgültig vom Gemeinderat und nicht von Architekten entschieden, beruhigte Horber die Gemüter und verwies auf die kommenden Gespräche.

C. Spörer

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Ein Weißbier mit Obama
Ein Weißbier mit Obama

Kommentare