Versuchte Nötigung: Denklinger verurteilt

Wenn der Handwerksmeister den Bahnbetrieb stört

Sommerrodelbahn
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Nach seinen Pöbeleien und der versuchten Nötigung hatte sich für einen Denklinger Handwerksmeister die Fahrt mit dem Alpine Coaster in Oberammergau erledigt.

Denklingen/Garmisch-Partenkirchen – Diese Vorstellung kommt einem Handwerksmeister aus Denklingen teuer zu stehen: Im Betriebsbereich der Oberammergauer Kolbensattelbahn kam es am 4. Oktober vergangenen Jahres zu einem Vorfall. Dabei benahm sich der 41-Jährige wiederholt daneben, pöbelte Gäste an und störte den Betrieb massiv – und das, ohne einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Wegen versuchter Nötigung wurde er nun vor dem Amtsgericht Garmisch-Parten­kirchen zu einer Geldstrafe von 3.200 Euro verurteilt. „Ein unmöglicher Auftritt“, meinte der Richter zum Verhalten des Denklingers.

Der Angeklagte dagegen fühlte sich gänzlich unschuldig. Bitter für den Handwerksmeister: Durch die von ihm verfasste Google-Rezension kam man ihm überhaupt erst auf die Spur. Er hatte eine Beurteilung zur Kolbensattelbahn abgegeben und dabei moniert, dass er einen Faustschlag erhalten habe und seine Kinder beleidigt worden seien. Der Bahnbetreiber hatte dadurch seine Kontaktdaten und erstattete Anzeige gegen den Mann. Dabei hätte es gar nicht so ausarten müssen. „Er hätte nur eine Maske tragen müssen“, sagte ein Bediensteter (51) der Doppelsesselbahn.

Begonnen hatte die Geschichte ganz harmlos. Die Kinder des Angeklagten wollten sich am Alpine-Coaster anstellen. Einem Bediensteten der Bahn fiel jedoch auf, dass die beiden Buben, sechs und zehn Jahre alt, in der Warteschlange keine Masken trugen, obwohl auf einem Schild ausdrücklich darauf hingewiesen wurde.

Der 56-jährige Oberammer­gauer machte die Buben auf die Maskenpflicht aufmerksam – vergeblich. Die Kinder reagierten nicht, auch nicht, als sie von anderen Gästen dazu aufgefordert wurden, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Wenige Minuten später erschien der Angeklagte im Be- triebsbereich der Kolbensattelbahn. Seine Kinder waren weinend zu ihm gekommen, sie seien von einem Mitarbei­ter und anderen Fahrgästen beleidigt worden. Der 56-jährige Mitarbeiter befand sich mittlerweile in der Mittagspause.

Sein 51-jähriger Kollege machte zunächst den Angeklagten auf die Maskenpflicht aufmerksam, die dieser ignorierte. Dann eskalierte die Situation. Der. Handwerksmeister pöbelte andere Besucher an, er war in Rage, hielt den Betrieb auf. Dem Bediensteten riss er die Maske runter, schubste ihn. Der 51-Jährige, ebenfalls aus Oberammergau, verpasste dem aufgebrachten Handwerker eine schallende Ohrfeige. Es ging weiter lautstark hin und her, der Angeklagte entfernte sich, kam insgesamt dreimal in den Betriebsbereich zurück und hielt sich dort schimpfend ohne Maske auf.

Für Deeskalation sorgte schließlich ein anderer Familienvater, ein Polizeibeamter aus Würzburg. „Er versetzte sich in den Dienst“, erklärte Richter Lenhart: ein Recht, das ein Polizist in seiner Freizeit zur Gefahrenabwehr hat. Der 39-Jährige beruhigte zunächst den emotional aufgebrachten Denklinger und riet ihm, Abstand zu halten. „Wollen Sie ihrer Familie den Tag endgültig ruinieren oder jetzt besser gehen?“, fragte ihn der Würzburger, woraufhin der Beschuldigte tatsächlich mit seiner Frau und den Söhnen von dannen zog.

Rechtsbeistand Nikolaus von Lucke aus Landsberg plädierte für einen Freispruch, weil die Nötigungshandlung seines Mandanten nicht nachweisbar sei. Richter Lenhart sah jedoch nach der ausführli­chen Beweis­aufnahme mit sieben Zeugen zumindest die versuchte Nötigung erfüllt. Schließlich habe sich der Angeklagte wiederholt Zutritt zum Betriebsgelände verschafft, hielt sich dort ohne Maske auf, störte den Ablauf in der Warteschlange und wollte mit allen Mitteln den Kollegen zur Rede stellen, der angeblich seine Kinder beleidigt hatte.“ Und dann wurde sein Auftritt auch noch durch eine Watschn quittiert“, hatte Lenhart beinahe Mitleid mit dem Handwerksmeister.

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