Ein Tor aus blauem Glas

Denklinger Künstlerin gestaltet Nazi-Gedenkstätte um

Kriegerdenkmal in Gundelfingen neu
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Wo in der Gedenkstätte der Nationalsozialisten in Gundelfingen vormals ein Tor den Weg verschloss, öffnet sich jetzt der von Cornelia Rapp gestaltete Kubus aus blauem Glas.

Denklingen/Gundelfingen – Kreativ und mutig: Die Bildhauerin Cornelia Rapp aus Denklingen hat ein ehemaliges Denkmal der Nationalsozialisten in Gundelfingen umgestaltet. Und daraus eine Gedenkstätte des Friedens gemacht.

Die ursprünglich faschistische Anlage liegt auf der Bleiche-Insel inmitten der Brenz und stammt aus dem Jahr 1938. Sie wurde von den Nationalsozialisten für die gestorbenen Soldaten des 1. Weltkriegs als sogenanntes Heldendenkmal errichtet und sollte unter anderem zur Verherrlichung des Krieges dienen.

„Orte mit zweifelhafter Vergangenheit in gewisser Hinsicht zu befrieden, ist zunehmend mein Anliegen“, sagt die 63-jährige Cornelia Rapp. Auch bei ihrer jüngsten Arbeit in Gundelfingen ist das die Intention der Bildhauerin. Glas in blauer Farbe – als Symbol für Ruhe, Frieden und Himmel – findet sich in dem Projekt, für das die Künstlerin zusammen mit einem Münchener Landschaftsarchitekten beim Wettbewerb zur Gestaltung der Gedenkstätte 2016 den Zuschlag erhielt.

Offenheit und Zuversicht

Entstanden ist ein abstraktes Bauwerk. Die historische Schwere, die durch Fotografien von toten Soldaten im Innern des Gebäudes noch verstärkt wurde, weiche „der Offenheit und Zuversicht einer friedlichen Zukunft“, sagt die Künstlerin. Mittelpunkt ihrer Intervention ist ein gläsernes Objekt: Ein trapez­förmiger, blauer Kubus – im Siebdruckverfahren gefertigt – durchschneidet torhaft das ehemals geschlossene Tempelgebäude und ist Symbol für die Neuausrichtung als Ort des Friedens, der Ruhe und Stille.

„Die Materialität des Glases und die Farbe Blau werden als Symbol der Zerbrechlichkeit und der Assoziation zum Himmel eingesetzt“, erläutert Rapp. Das blaue, gläserne Tor sieht sie „als Möglichkeit des ‚Durchschreitens‘, symbolhaft als Transformation von Zuständen in unserem Sein“.

Die Denklinger Künstlerin Cornelia Rapp.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Rapp mit Gedenkorten künstlerisch auseinandersetzt. Sakrale und profane Raumgestaltung gehört schon seit Jahren zu ihren Arbeitsschwerpunkten: „Ich will mit meiner Arbeit neue Impulse setzen, über das Erinnern noch einmal nachzudenken.“ 2005 realisierte Rapp zum 60. Jahrestag der Befreiungen der Außenstellen des KZ Dachau ihre Arbeit „Transmitting light“ in der Halle der ehemaligen Munitionsfabrik im Frauenwald. Durch eine gekrümmte Halle zog sich auf 26 Metern ein Teppich aus 30.000 echten Rosen. Sie erinnerten an die 30.000 in den Kauferinger Lagern inhaftierten Menschen. 2009 gestaltete sie eine Glasgedenktafel für die Zahnärztekammer in München. Sie erinnert an jüdische Zahnärzte, denen in der Nazi-Zeit die Approbation entzogen wurde. 2015 entwickelte sie einen „Raum der Stille“ für das Johanniterhaus in Herrsching. Und bei den Kreiskulturtagen 2019 gestaltete sie eine Ausstellung als Ton- und Lichtinstallation im früheren Kuhstall neben dem neuen Rathaus zum Thema ‚Mut‘.

Die Bildhauerin reagiert bei ihren Arbeiten auf Orte, auf die historische Umgebung und nimmt Bezug zur Geschichte. Die Konzepte entstünden oft nachts. Dabei gehöre sie zu den Frühaufstehern. Meist arbeitet sie fünf bis sechs Stunden im Atelier. Erst gegen zwei Uhr nachmittags gehe sie ins Haus zum Kochen, bevor sie sich abends nochmals an die Arbeit setze. „Mit der Gabe Künstlerin zu sein, bekam ich ein Werkzeug in die Hand, Gedanken, Gefühle und Geschehnisse auszudrücken“, sagt Rapp. Sie wolle das Menschsein, im positiven wie im negativen Sinn, beschreiben.

Geboren wurde Rapp in Berlin. 1961 zog sie mit den Eltern nach Langenried bei Peiting. Nach dem Fachabitur machte sie eine Lehre als Holzbildhauerin. Daran schloss sich das Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie München an. Seit 1989 ist Cornelia Rapp freischaffend tätig.

Im vergangenen Jahr wurde Rapp vom Landkreis Landsberg mit dem Kunstpreis ausgezeichnet. Die öffentliche Verleihung fiel leider der Corona-Pandemie zum Opfer.
Martell/Jais

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