Für Anna und Benno Arnold

»Denkort« in Holzhausen: Erinnerungskultur auf dem BVS-Gelände

Zur Erinnerung an die früheren Besitzer des Grundstücks, auf der heute die Bayerische Verwaltungsschule steht, wurde in Holzhausen eine Gedenkstele enthüllt. Bei der Einweihung dabei waren die Großnichten der Familie Arnold, Ernestine und Elisabeth Kahn (von links), sowie Uttings Bürgermeister Florian Hoffmann.
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Zur Erinnerung an die früheren Besitzer des Grundstücks, auf der heute die Bayerische Verwaltungsschule steht, wurde in Holzhausen eine Gedenkstele enthüllt. Bei der Einweihung dabei waren die Großnichten der Familie Arnold, Ernestine und Elisabeth Kahn (von links), sowie Uttings Bürgermeister Florian Hoffmann.
  • Dieter Roettig
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Utting/Holzhausen – Ehrfürchtig, aber auch mit Stolz und Genugtuung erlebten die Schwestern Elisabeth und Ernestine Kahn die Feierlichkeiten für das jüdische Ehepaar Anna und Benno Arnold auf dem Gelände des BVS-Bildungszentrums im Uttinger Ortsteil Holzhausen. Die beiden Großnichten des Augsburger Textilunternehmers und Wahl-Holzhauseners Arnold (1876 – 1944) waren Ehrengäste der Feierlichkeiten zum Gedenken an die Familie Arnold, die durch die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus um Besitz und Leben gebracht wurden.

Bereits am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, wurde auf Antrag der Stiftung „Jüdisches Museum Augsburg Schwaben“ die BVS-Anschrift „Seeholzstraße 1-3“ in „Anna und Benno Arnold-Platz“ unbenannt. Der wegen Corona ausgefallene Festakt wurde jetzt von der Gemeinde nachgeholt, verbunden mit der Enthüllung einer Informationsstele für die Öffentlichkeit neben der Einfahrt in das BVS-Zentrum.

Uttings Bürgermeister Florian Hoffmann konnte mit der Geschichte der Arnolds vertraute Ehrengäste begrüßen, darunter Dr. Karl Borromäus Murr (Leiter des Textilmuseums Augsburg), Dr. Georg Haindl (Stiftungsratsvorsitzender des Jüdischen Museums Augsburg-Schwaben), Gerhard Fürmetz (Archivdirektor des Bayerischen Hauptstaatsarchivs) sowie Dr. Franz Dirnberger (Verwaltungsratsvorsitzender der Bayerischen Verwaltungsschule).

Firmen »arisiert«

Sie alle erinnerten an das unsagbare Leid und Schicksal der jüdischen Familie Arnold während des Nazi-Regimes. Benno Arnold war einer der erfolgreichsten Textilunternehmer Augsburgs und hoch angesehenes Mitglied im Stadtrat. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 hatte man ihn und seine Familie wegen ihrer jüdischen Herkunft immer mehr diffamiert und gesellschaftlich ausgegrenzt. 1938 wurden die Firmen Arnolds schließlich „arisiert“. Das gleiche passierte mit dem Grundstück „Sieben Eichen“ samt Wohnhaus in Holzhausen direkt am Ammersee, das Arnold 1925 als Feriendomizil für seine Familie erworben und gebaut hatte. Man zwang ihn zum „Verkauf“ an die Gemeinde Rieden und zahlte den Erlös auf ein Sonderkonto ein, auf das er aber als Jude im Sinne der Nürnberger Rassegesetze keinen Zugriff hatte. Neuer Eigentümer des Grundstücks wurde ein Münchner Bauunternehmer, dessen Ehefrau als enge Vertraute von Eva Braun und Adolf Hitler galt.

Aufgrund des eingezogenen Privatvermögens und der weltweiten Visa-Beschränkungen konnten die Arnolds nicht mehr emigrieren. 1942 wurden sie ins Ghetto beziehungsweise Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Anna Arnold verstarb am 9. September 1942 mit 59 offiziell an „Darmkatarrh“, Benno Arnold starb am 2. März 1944 mit 67 den Hungertod.

Nach Ende des NS-Regimes wurde das Holzhauser Anwesen der Arnolds an deren überlebende Erben rückerstattet, die aber Deutschland inzwischen verlassen hatten. Sie veräußerten 1954 das Grundstück an die Bayerische Verwaltungsschule, die hier den öffentlichen Dienst in Bayern aus-, fort- und weiterbildet. „Wir wollen das Gedenken an Anna und Benno Arnold wachhalten und auch auf dem Gelände der BVS an sie erinnern“, wie BVS-Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Franz Dirnberger betonte. Der öffentliche Dienst schütze schließlich unsere Demokratie und das Grundgesetz, auf dem sie fußt.

Um an das hier vor Ort geschehene Unrecht zu erinnern, hatte der Uttinger Gemeinderat einstimmig die Umbenennung der Seeholzstraße 1-3 in „Anna und Benno Arnold-Platz“ beschlossen, ebenso die Errichtung eines „Denkorts“ mit der Gedenkstele. Sie wurde von Bürgermeister Florian Hoffmann und den beiden Großnichten der Arnolds feierlich enthüllt. Neben dem fast vollständigen Uttinger Gemeinderat samt Ex-Bürgermeister Josef Lutzenberger waren auch Landtagsabgeordneter Alex Dorow und Margit Horner-Spindler dabei, die stellvertretende Landrätin.

Rabbiner Dr. Henry Brandt (93) konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Einweihung anreisen, ließ aber seine Grußworte von Bürgermeister Hoffmann verlesen: Straße, Plätze oder Stelen seien nicht nur zum Erinnern und Gedenken da. Sie müssten vielmehr „Lichtstrahlen in die Zukunft werfen“ und kommende Generationen zu einem „Nie wieder“ ermahnen. Dieser Aussage konnte Uttings Geistlichkeit mit Pater Xaviour Joseph Namplampara und Pfarrer Jochen Eberhardt nur zustimmen.

Für feierliche Stimmung sorgte das Trio „Fagotti parlandi“ (Sprechende Fagotte) aus dem Leopold-Mozart-Zentrum Augsburg.

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