Click & Collect ab Montag

Der Click fürs Lokale - was die Geschäfte im Landkreis Landsberg planen

Eher ein trauriges Bild: der ausgestorbene Landsberger Vorderanger im derzeitigen Lockdown.
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Eher ein trauriges Bild: der ausgestorbene Landsberger Vorderanger im derzeitigen Lockdown.

Landkreis – Seit Montag ist es auch in Bayern möglich: ein kontaktloser Abholservice von Online-Käufen oder telefonischen Vorabbestellungen direkt vor den Geschäften. Oder kurz: Click & Collect. Wie kommt das beim Einzelhandel im Landkreis Landsberg an? 

Es sei vielleicht der letzte Strohhalm für die Händler, die seit Mitte Dezember geschlossen haben müssen, so Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Weshalb er sich für diesen Verkaufskanal jetzt eingesetzt habe, heißt es weiter in der Pressemeldung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Wichtig dabei: Schutz- und Hygienekonzepte, die Vereinbarung gestaffelter Zeitfenster zur Abholung und das Tragen von FFP2-Schutzmasken.

„Wir sind dabei“, sagt Dominik Piotrowski, Inhaber vom Pios Sport-Shop in Landsberg. Allerdings hätte die Politik seiner Ansicht nach diesen Schritt auch für Bayern früher gehen müssen. Man brauche sich jetzt, wo „das schlechte Gewissen drückt“, nicht rühmen, dass man dem Einzelhandel gewaltig entgegenkomme. Dennoch: Trotz auch bisher gut laufendem Online-Handel, sei diese Möglichkeit eine Entlastung. „Wir hatten großen Aufwand, den Lieferverkehr und den Versand zu betreiben“, meint Piotrowski. „Eine kontaktlose Übergabe der Ware kann bei uns sichergestellt werden – ohne Risiko für unsere Mitarbeiter und für die Kunden.“ In der Praxis erfolge das über den Lieferanteneingang auf Kellerhöhe. Hier könne man die Ware deponieren und gleichzeitig vom Fenster über der Ladentüre aus mit dem Kunden kommunizieren und gegebenenfalls Fragen klären. Die Zahlung erfolge per Überweisung. Eine Rechnung liege der Ware bei, denn bar darf nicht kassiert werden. Das wäre nicht kontaktlos. Piotrowski freut sich, dass „der Schnee nun da ist“. Das habe seine Umsätze nochmal angekurbelt. Man merke es an den Bestellungen: etwa warme Unterwäsche oder Skihosen. Allerdings habe er damit auch einen Mehraufwand, den er nun vielleicht besser handhaben kann.

Auch das Buch & Bürobedarfs­haus Hansa beteiligt sich bei Click & Collect. „Wir sind froh, dass zumindest das nun geht“, sagt Buchhändlerin Claudia Werder. Zuvor habe es auch schon online- oder telefonische Bestellungen gegeben. Ein Fahrer habe die Ware im Stadtgebiet verteilt. Der habe jedoch auch nicht immer zur Verfügung gestanden.

„Nun können wir individuell mit den Kunden abklären, wie sie es gerne hätten“, sagt Claudia Werder. Viele seien eh beim Einkaufen in der Stadt, dann könnten sie ihre Bücher gleich mitnehmen. „Wir legen sie, in eine Tüte oder in Papier gewickelt, in eine Kiste. Und die stellen wir auf einen Tisch unter der Überbauung des Geschäftes“, so Werder. Generell könne man bei Buch Hansa nicht klagen, meint sie. Man merke deutlich, dass die Leute mehr Zeit zum Lesen haben. „Darüber freuen wir uns natürlich. Und die Kunden sind froh, dass wir weiterhin für sie da sind.“

Auch Suzan Gebert macht mit ihren beiden Modeläden Suzan‘s und Blickfang mit. Seit dem ersten Lockdown bewirbt sie die Kollektionen vor allem über Instagram – die Zahl ihrer Abonnenten sei seitdem von 100 auf 700 gestiegen. „Die Leute bestellen, ich fahre die Ware selber aus“, sagt sie. Click & Collect sei eine Erleichterung, um sie ein wenig von der Fahrerei zu entlasten. Aber den „dicken Deal“ werde man damit nicht machen, meint sie. Es sei nicht so einfach, denn die Lust, in die Stadt zu kommen, sei momentan „nicht gerade so wahnsinnig groß“. Trotzdem: Ein bisschen was sei besser als nichts. Wie sie den neuen Abholservice genau in die Tat umsetzt, müsse sie noch final klären. Vermutlich werde die Ware nach vorheriger Terminabsprache übergeben, da sie selbst nicht direkt in Landsberg lebe. „Ich kann ja nicht den ganzen Tag im Laden bleiben, denn es ist ja trotzdem nichts los“, sagt sie. Außerdem müsse sie ja zwischen ihren beiden Läden hin- und herswitchen und die Kunden sollten sie ja auch antreffen. Die Ware stelle sie in einer Tüte auf eine Bank, die sie vor ihren Läden positioniert, so Gebert.

„So wie es momentan ausschaut, machen wir mit“, sagt Robert Geier, Inhaber des gleichnamigen Gartenfachmarktes in Weil. „Wir warten noch den Bescheid vom Gärtnereiverband ab, dann sehen wir, wie es weitergeht.“

»Noch nie gemacht«

Da es einen Online-Handel zuvor auch schon gegeben habe, werde man nun auch den Abholservice nutzen. Es komme allerdings auch etwas darauf an, wie die Kunden das nutzen und das sei schwer vorherzusagen. Und wie man das alles organisatorisch handhaben kann, müsse man auch erst einmal sehen. „So etwas haben wir schließlich noch nie gemacht“.

Wie das Abholprozedere im Detail vonstatten geht, ist auch für Discy-Inhaber Edmund Epple noch nicht ganz klar. „Im Moment fehlt noch der entsprechende Gesetzestext der Staatsregierung“, meint er. Aber es gehe ja um Abholungen, ohne den Laden betreten und ohne an der Kasse zahlen zu müssen. „Und das werden wir sicher hinbekommen, egal, ob man einen Bezahldienstleister nutzen möchte oder schlicht überweist.“ Die Landsberger Musik- und Buchhandlung bietet schon seit Jahren einen Zustellservice an. „Damit fahren wir gut und ich gehe davon aus, dass uns die Versandtätigkeit im schlimmsten Fall auch noch Monate über Wasser halten kann“, sagt Epple, der dankbar ist für die Loyalität und Solidarität, die ihm von seinen Kunden entgegengebracht wird.

Es würde sich nicht rentieren

Sabrina Wagner

Nicht mitmachen beim Click & Collect-Service wird dagegen das Bau-Heimwerker- und Gartencenter do-it! „Es würde sich für uns nicht rentieren“, sagt Sabrina Wagner, Mitarbeiterin an der Hauptinformation. „Wir hatten auch zuvor keinen Online-Shop.“ Diesen erst einmal aufzubauen, funktioniere in der Zeit gar nicht. Allerdings darf das Center, wie andere Baumärkte auch, für Handwerker mit Gewerbeschein, die Material für die tägliche Arbeit benötigen, seine Türen öffnen.

Auch das Radsportcenter Preiss wird sich nicht am Click & Collect-Abholservice beteiligen. „Der Teileverkauf geht über unsere Werkstatt“, sagt Geschäftsführer Thomas Kreppold. „Wir sind ein systemrelevantes Unternehmen, der Kunde muss sein Rad instand setzen können.“ Fahrräder selbst werden wie bisher online oder telefonisch bestellt und dann geliefert. „Click & Collect würde uns gar nichts bringen“, so Kreppold. „Es hätte derzeit keinen Mehrwert.“ Vielleicht auch, weil gerade Winter sei und die Nachfrage nach Fahrrädern momentan eher gering. „Ab Frühjahr wären wir sicher stärker betroffen.“

Ob reiner Online-Handel mit Auslieferungen oder der Abholservice Click & Collect – all das kann nicht den persönlichen Kontakt ersetzen. Auf den freuen sich die Einzelhändler in Landsberg und Umgebung. Bis dahin brauchen sie aber Unterstützung. Nun kommt es darauf an, wie die Kunden den Service nutzen. Edmund Epple bleibt optimistisch: „Niemand hat uns bisher hängengelassen. Auch das gehört zu den schönen Erfahrungen in zugegeben nicht ganz einfachen Zeiten.“

Andrea Schmelzle

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