Nistkästen statt Feier

Der Dießener Förderkreis Schacky-Park und sein 15-Jähriges

Star im Nistkasten
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Damit die Stare im Frühling im Schacky-Park wieder ein Zuhause finden: Der Förderverein hat statt einer Jubiläumsfeier Nistkästen im Park angebracht.

Dießen – Eigentlich hatte der Förderkreis Schacky-Park zum Ende 2020 eine Feier zu seinem 15-jährigen Jubiläum geplant, die wie alles wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste. Stattdessen können sich die gefiederten Bewohner des Landschaftsparks freuen: Sie bekamen acht große und stabile „Fertighäuser“ spendiert, die an Bäumen und am Bootshaus des Teiches montiert wurden. Die Nistkästen wurden mit einer Spende der Gemeinderatsfraktion „Dießener Bürger“ finanziert und von den Artenschutz-Profis Joachim Strobl und Sven Ott fachgerecht angebracht.

Damit sich Rotkehlchen, Gartenrotschwanz, Zaunkönig, Bachstelze und viele andere hier ansiedeln können, mußten für die richtige Montage-Position nicht nur die Höhe und die Windrichtung beachtet werden, sondern auch der Baumwuchs und die Einflugschneise. Spannend wird es laut Förderkreis-Vorstandsmitglied Simone Egger im kommenden Herbst. Da werden die Nistkästen von Joachim Strobl und Sven Ott gereinigt. Das hört sich nach einfachem Ausputzen an, ist es aber nicht. Denn die Hinterlassenschaften geben sehr gut Auskunft darüber, wer im Sommer den Nistkasten nutzte, ob es Zwischennutzungen gab oder gar ein Siebenschläfer „einbrechen“ wollte. Beim Bootshaus wurde am Waldkauzkasten für unliebsame Eindringlinge sogar ein 80 Zentimeter großer Marderschutz angebracht. Alles wird akribisch registriert und ausgewertet. Die Hinweise führen dann zu einer eventuellen Korrektur der Standorte. Wer übrigens eine Patenschaft für weitere Nistkästen übernehmen will, kann sich unter der Telefon 08807/948372 melden.

Bei aller Freude über die neuen Nistkästen bedauert Förderkreis-Vorsitzende Christine Reichert, dass sie coronabedingt die Förderkreis-Mitglieder der ersten Stunde im Rahmen einer Feierstunde nicht würdigen kann. Am 21. Dezember 2005 unterschrieben zwölf „mutige Leute“ eine Satzung, die anspruchsvoll die Renovierung und Pflege des zu einer landwirtschaftlichen Nutzfläche umfunktionierten Parks formulierte und zugleich „die Öffnung des Parks für kulturelle Zwecke“ ankündigte. Christine Reichert: „Die hoch motivierten Unterzeichner ahnten damals nicht, auf wie viel Arbeit sie sich da eingelassen hatten. Wir alle waren mit einer abenteuerlichen Portion Naivität am Start.“ Die Mutigen damals waren neben Christine Reichert Vinzenz Brinkmann (Archäologe), Dietrich Klemm (Geologe), Jürgen Bahls (Architekt), Almuth Boedecker (Landschaftsarchitektin), Peter Kaun (Gartenbauingenieur), Hans Kessler (Steuerberater), Thomas Raff (Kunsthistoriker), Detlef Reichert (Jurist), Edgar Sirch (Verfahrenstechniker), Anne Webert (Journalistin) und der damalige Dießener Bürgermeister Herbert Kirsch. Für seine Nachfolgerin Sandra Perzul ist es ebenfalls eine Herzensangelegenheit, sich im Förderkreis zu engagieren. Ob in der Vorstandschaft oder ganz aktuell bei Spende und Lieferung der Nistkästen.

Als einer der ersten aktiven Park-Restauratoren hat damals Klement Noll die Schaufel in die Hand genommen, gefolgt „von einem Kreis handfester Kerle und tatkräftiger Frauen“, wie sich Christine Reichert erinnert. Dass der Schacky-Park heute als viel bewundertes und mit Kunstwerken reich bestücktes Landschaftsjuwel und kulturelles Zentrum dasteht, verdankt der Förderkreis nicht nur den vielen Helfern und Spendern, sondern auch den großen Stiftungen sowie bayerischen, deutschen und europäischen Fördermaßnahmen. Auch viele Handwerksbetriebe aus der Region haben sich mit Spenden und großzügigen Rabatten verdient gemacht.

Für dieses Jahr haben sich die „Schacky­aner“ viel vorgenommen. Unter anderem wird die langersehnte Willkommensfahne aufgestellt und in Richtung Süden werden neue Wege angelegt. Der Ententeich soll saniert und wiederbelebt werden und mindestens eine Blühwiese mit heimischen Blumen steht auf der To-Do-Liste. An einer „großartigen Audio-Überraschung für unsere Gäste“ arbeiten Moritz Neumann, Detlef Kilian Reichert und Christine Reichert. Ludwig Freiherr von Schacky auf Schönfeld, der von 1905 bis 1913 an der Vogelherdstraße residierte, wäre stolz auf die Wiedergeburt seines Parks.
Dieter Roettig

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