»Innerer Aufruf zu helfen«

Der Dießener Matthias Rodach engagiert sich für die Flüchtlinge in Bihac

Matthias Rodach und seine Freundin Katharina Andress vor dem VW-Bus mit Anhänger.
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Matthias Rodach und seine Freundin Katharina Andress packten 1.150 Kilo Hilfsgüter in Bus und Anhänger, bevor Rodach damit an die bosnisch-kroatische Grenze zum Camp Lica fuhr.
  • vonAndrea Schmelzle
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Dießen – Um zu helfen, ist der Dießener Bildhauer Matthias Rodach am 7. Februar an die bosnisch-kroatische Grenze gereist – nach Bihac, dorthin, wo die Geflüchteten nach den verheerenden Bränden im Camp Lipa gestrandet sind.

„Ich spürte einen inneren Aufruf, direkt vor Ort helfen zu müssen,“ erzählt Rodach. Er las in der Zeitung einen Artikel über die katastrophalen Zustände rund um das im Dezember abgebrannte Flüchtlingslager Lipa. Das berührte ihn. Und ließ ihn handeln. Recherchen führten ihn zu den Organisationen SOS-Bihac, die medizinische Notversorgung der Flüchtlinge leistet, und dem Schweizer Fachkollektiv Frach, die die um ihr Obdach gebrachten Menschen mit Essen und dem Nötigsten versorgt. Kurzentschlossen rief Rodach in den öffentlichen Medien zu Spenden auf – und war überwältigt von der Resonanz: 1.150 Kilo humanitäre Hilfsgüter und mehr als 8.000 Euro an Geldspenden. Damit brach der Dießener Anfang Februar mit vollbeladenem VW-Bus und Anhänger gen Bihac auf.

„Die Spende für die Flüchtenden ist direkt dort angekommen, wo sie benötigt wurde,“ betont Rodach. Insgesamt konnte er mit drei Viertel der Spendengelder 5.120 Nahrungsrationen, Lebensmittel für zwei Wochen, zahlen. Den übrigen Teil habe er dafür verwendet, um Material, Holz und Schrauben, zu kaufen. Damit hat Rodach Regale in einem gemieteten Lager gebaut, um eine Logistik der „Non Food Items“ (NFIs) einzurichten. 2.000 Bosnische Mark (gut 1.000 Euro) habe er zudem der Organisation Pomociba gewidmet, die Essen für die Armen in Bihac koche und ausliefere.

Gegen Ende seines Aufenthaltes habe er dann die „illegalen“ Aufgaben übernommen, so der Dießener. Und meint damit etwa das Verteilen von Essensgutscheinen, die Restaurants in Bihac zur Verfügung gestellt haben, Foodpacks und NFIs in den „Squats“ genannten Unterschlüpfen. Eine davon: ein ausgebranntes Altersheim, direkt an der Una, dem Fluss, der durch Bihac fließt. In dieser Ruine haben circa 200 Menschen einen Unterschlupf gefunden, sagt Rodach. In der Peripherie stehen einige fensterlose, leere Häuser. Auch hier haben sich Geflüchtete einquartiert. Viele leben zudem in den umgebenden Hainen und haben sich aus Planen und Folien notdürftigste Unterkünfte gebaut.

Zurzeit packe das Kochkollektiv jeden zweiten Tag 130 Food­packs, etwa Reis, Linsen, Mehl und Kartoffeln, die im Schutz der Dunkelheit nach Lipa gebracht und dort im zum Teil neu aufgebauten Lager verteilt würden. Lipa ist ein im Bosnienkrieg völlig niedergebranntes Dorf, 20 Kilometer südöstlich von Bihac in einer schmalen, stürmischen Hochebene. Hier, in den verminten Wäldern dieses Niemandslandes, wurde das Flüchtlingscamp errichtet, das nun in Flammen aufging.

Der Brand habe dazu geführt, dass die hier gestrandeten Geflüchteten „ihr Winterdomizil verloren und sich nun fernab jeglicher Einkaufsmöglichkeiten mit Fetzen von Planen unter widrigsten Umständen Behausungen bauen mussten“, so Rodach. Eigentlich sind sie auf der Durchreise, versuchen, in die EU zu gelangen, was schwierig sei. Denn die kroatische Polizei gehe mit äußerster Härte gegen die Fliehenden vor. Sie werden geschlagen, ihrer Habseligkeiten beraubt, wieder zurück über die Grenze nach Bosnien gefahren und irgendwo rausgeschmissen. „Pushback“, so laute der Ausdruck für diese brutalen Menschenrechtsverletzungen, sagt Rodach. Den Opfern nimmt sich SOS-Bihac an, versorgt sie medizinisch wie auch mit Kleidung und Lebensmitteln. Rodach hat auch hier mit 2.000 Bosnischen Mark geholfen. Der Dießener ist wieder zurück. Aber die Not der Geflüchteten an der bosnisch-kroatischen Grenze geht weiter. Und die Menschen sind dankbar für jede Hilfe.
Andrea Schmelzle

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