Märchenwelt mit Virus

Junge Bühne Landsberg: ein Märchenfilm der besonderen Art

Prinzessin Lulu
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Schneewittchens Flucht durch den Wald
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landsberg – Es ist ein dickes Buch, ledergebunden, das da auf dem Instagram-Account der Jungen Bühne Landsberg zu sehen ist. Darauf zu lesen: „Es war einmal ...“ Gebastelt – und das entsprechende Video im Zeitraffer eingestellt – hat es die Leiterin der Jungen Bühne Landsberg Julia Andres. Es ist ein Requisit: für einen Märchenfilm der ganz besonderen Art.

Wenn im Märchen Corona ausbricht

Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres
Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres
Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres
Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres
Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres
Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres
Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres
Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres
Perspektive Junge Bühne
Das Stück „Perspektive“ sollte eigentlich die Mitglieder der Jungen Bühne vorstellen. Wegen Corona kann das Projekt aber nicht mehr realisiert werden. © Andres
Prinzessin Lulu
Wenn im Märchen die Corona-Pandemie das Leben bestimmt, müssen sich auch Prinzessin Lulu, Rotkäppchen und das Tapfere Schneiderlein umorientieren. © Andres

Was wäre, wenn Corona im Märchenreich ausbrechen würde? Zählen die Sieben Zwerge als ein Haushalt, sollte Rotkäppchen wirklich die Großmutter besuchen? Und wie findet Aschenputtel ihren Prinzen ohne Ball? Hygieneregeln und Abstand wirken sich offensichtlich auch aufs Märchenreich aus. Wie genau, diese Frage hat sich Julia Andres gestellt, um mit der Jungen Bühne Landsberg einen Märchenfilm zu drehen.

„Im ersten Lockdown haben wir noch versucht, digital Schauspieltraining durchzuführen. Aber das geht auf Dauer einfach nicht“, sagt die Theaterpädagogin. Im Sommer war dann der Probenstart zur Rockoper „Zauberlehrling“ (nach Goethe, nicht Rowling) geplant. „Aber Singen ging ja auch nicht.“ Deshalb wich die Truppe im November auf das Medium Film aus und drehte Clips zu den Coronaregeln: „Händewaschen mit Macbeth“ beispielsweise. Oder auch „Abstand halten mit Romeo (ohne Julia)“. Nicht nur inhaltlich coronakonform, sondern auch so entstanden: „Ich habe mit allen einzeln gedreht“, sagt Andres. „Und danach alles zusammengeschnitten.“

Nachdem aber auch die Proben zum Stück „Die Agentur“ wieder unterbrochen werden mussten, sei sie auf die Idee mit dem Märchenfilm gekommen. „Damit wenigstens ein bisschen Theater gespielt wird.“ Denn filmen kann man auch im Freien. Die Idee kam an: „Inzwischen sind rund 25 Jugendliche mit dabei“, freut sich Andres. In dem Film, für den Andres auch das Drehbuch geschrieben und die Requisiten gemacht hat, werden acht Märchen umgesetzt. Pro Märchen sind zwei bis drei Schauspieler aktiv, mit denen die Theaterpädagogin wieder einzeln gedreht hat, auf Abstand, unter Einhaltung sämtlicher Regeln. Nur eine Ausnahme war möglich: mit zwei Geschwistern.

Ein Stoff-Elch als Komparse

Um die fehlenden Figuren zu ersetzen, haben Regisseurin und Schauspieler Kleider in Bäume gehängt. „Einmal haben wir auch einen riesigen Stoff-Elch kostümiert“, erzählt Andres. Sie habe schon tricksen müssen, damit das echt wirke, aber: „Wenn man da richtig dagegen schneidet, sieht das gut aus.“

Drehstart war noch im Juli letzten Jahres, viel Filmmaterial entstand in den Ferien. Gedreht wurde im Wald, auf der Wiese, aber auch an besonders ‚märchenhaften‘ Orten: zum Beispiel am – und auch im – Mutterturm in Landsberg. „Wir haben auch einen Anfrage an den Prinz von Bayern gestellt“, erzählt Andres. Und der habe ihnen eine Drehgenehmigung für Schloss Kaltenberg gegeben. Drehen im Freien war im Winter aber wieder kaum machbar. Nur für ein Märchen haben sich Andres und Schauspieler ins Freie gewagt: Sterntaler. „Weil so schön Schnee lag“, sagt Andres.

Inzwischen habe sie rund 20 Terabyte Film-Dateien, sagt Andres, „gefühlt 200 Stunden Material“. Da jetzt gerade keine neuen Szenen gedreht werden können, hat sie sich schon einmal ans Schneiden gemacht. Allerdings stehen noch einige Innenszenen aus. So will die Junge Bühne noch im Historischen Rathaus drehen und auch im Inneren des Mutterturms. „Fertig wird der Film wahrscheinlich zum Winter hin“, vermutet Andres. „Zu Weihnachten, wenn man auch Märchen wieder sehen mag.“

„Rapunzel“ bildet die Rahmenhandlung des Märchenfilms. Sie ist – natürlich – in ihrem Turm in Quarantäne. Dort findet sie das Märchenbuch. Während sie die ersten Sätze liest, wechselt das Wort zum Bild. Und die jungen Schauspieler zeigen, wie Schneewittchen, Dornröschen oder auch König Drosselbart in Zeiten von Corona aussehen könnten. So passt die 13. Fee bei Dornröschen eben zum zoom-Meeting nicht mehr auf den Bildschirm – der ermöglicht nur die Abbildung von zwölf Kacheln. Und der Wolf in Rotkäppchen scheitert letztendlich an der Großmutter, die die Tür nicht öffnen will – immerhin gehört sie ja zur Risikogruppe.

Was noch ansteht

Die anderen Projekte der Jungen Bühne liegen vorerst auf Halde. Das Upcycling-Stück „Die Menschen müssen verrückt sein“, der „Zauberlehrling“ und auch „Die Agentur“: ein Stück, dass die Jugendlichen selbst geschrieben haben. Es spielt in einer Werbeagentur, das zentrale Thema ist Manipulation. „Ein Stück, das zeigt, wie einfach es ist, Menschen zu beeinflussen“, sagt Andres. Als der zweite Lockdown sich ankündigte, habe sie einzelne Szenen für ‚kontaktarmes Spielen‘ umgeschrieben. „Aber die Regeln haben sich so schnell geändert, das hat dann irgendwann keinen Sinn mehr gemacht.“

Bis die Proben weitergehen oder Innenszenen für den Märchenfilm gedreht werden können, versucht Theaterpädagogin Andres, einmal pro Woche ein digitales Theatertreffen ihrer Truppe zu etablieren: „Damit wir nicht ganz ohne Theater leben müssen“. Inzwischen hat die Junge Bühne Landsberg rund 50 Mitglieder. Und trotz Corona sind gut die Hälfte auch aktuell aktiv.

Aufführungstermine für die Stücke sieht Andres noch in eher weiter Ferne. „Dazu müssen wir erst wieder normal proben können.“ Die Stücke seien auch zu schade, um sie alle coronakonform umzuschreiben. „Und so kommen sie eben dann, wenn sie kommen dürfen.“
ks

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