KREISBOTEN-Serie Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten

Der heimliche Architekt aus Obermeitingen: Herbert Rid

Herbert Rid aus Obermeitingen
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Herbert Rid neben einer handgeschnitzten Figur aus Oberammergau, die seinen selbstgebauten Carport ziert.

Obermeitingen – Die Nachricht, dass ihm das Ehrenzeichen des Bayerischen Minister­präsidenten Markus Söder für „Verdienste im Ehrenamt“ verliehen werden soll, bekam Herbert Rid bereits im Januar 2020. Doch die Corona-Pandemie verhinderte die offizielle Zeremonie bis zum heutigen Tag. Verdient hat er die Auszeichnung allemal, denn was er für die Vereine in seinem Heimatort geleistet hat, darf getrost als „herausragend“ bezeichnet werden.

Der heute 70-Jährige ist in Ober­meitingen geboren, hat dort ein Haus gebaut, geheiratet und die Kinder großgezogen. Er arbeitete 25 Jahre als Karosseriespengler in Klosterlechfeld. Gegen Ende seiner beruflichen Laufbahn übernahm er für den Abwasserzweckverband Lechfeld die Betriebsleitung der Kläranlage in Oberottmarshausen. Seit 2012 ist er im Ruhestand und kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken.

Es scheint als Herbert Rids hauptberufliche Arbeit nur die Kulisse für sein Engagement bei verschiedenen Vereinen in Obermeitingen gewesen. Alles begann 1969 mit dem Burschenverein, den er gründete und bis 1973 als 1. und 2. Vorsitzender leitete. „Wir hatten kein Geld, aber Durst“, schildert er lachend die Motivation für seine Aktivität. Die „Burschen“ organisierten Theaterabende und übernahmen von der örtlichen Feuerwehr alle Aufgaben rund um den Maibaum.

Sein Tatendrang blieb nicht unbemerkt. Die Fußballabteilung des SSV Obermeitingen sprach ihn an und daraus entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit, die bis in Jahr 2008 reichte. Herbert Rid war Abteilungsleiter, 1. und 2. Vorsitzender und vor allen Dingen insgesamt zehn Jahre lang Kassierer. „Damals wurden die Eintrittsgelder noch auf dem Platz eingesammelt; und für die Mitgliedsbeiträge bin ich von Tür zu Tür gegangen, um sie einzutreiben“, erinnert sich der Würdenträger. Er führte das Lastschriftverfahren ein und revolu­tionierte die Bandenwerbung im Stadion.

Auch noch Schiedsrichter

„Ich habe den lokalen Unternehmen erklärt, dass sie vielleicht nicht einen Cent durch ihre sichtbare Präsenz am Spielfeldrand verdienen werden, aber jeder Zuschauer wird sehen, dass sie sich im Ort engagieren. Es geht nicht ums Geld, sondern ums Image. Ich habe kaum Absagen bekommen.“ Herbert Rid selbst kickte im Mittelfeld der Reservemannschaft, aber die Erfolge blieben überschaubar. 1980 startete er auch noch eine „Karriere“ als Schiedsrichter und pfiff neun Jahre in der Kreisklasse.

Doch auch den Stockschützen des SSV Obermeitingen war er verbunden: Von 1997 bis 2014 fungierte er als Spielleiter, von 2002 bis 2020 als Schiedsrichter, war bis 2020 für 17 Jahre Abteilungsleiter und außerdem saß er ab 2005 sechs Jahre lang im Schiedsgericht. Er übernahm die Bauleitung für das neue Sportheim des SSV und 2014 wurde die Anlage der Stockschützen fertiggestellt, die dank ihrer Überdachung weit und breit einzigartig ist.

Als wäre das alles noch nicht genug gewesen, gründete Herbert Rid 2003 den Kapellenverein Obermeitingen und erfüllte sich damit einen Traum: „Mein ganzes Leben lang wollte ich gerne Architekt sein!“ Gemeinsam mit 80 Mitgliedern plante er nun den Bau eines kleinen Gotteshauses. Tag und Nacht tüftelte er, und bastelte mehr als zehn Modelle aus Papier. Das Grundstück wurde von einem Gönner gestiftet und 2005 begann der Verein mit dem Bau der Kapelle. Die gesamten Arbeiten wurden von freiwilligen Helfern ausgeführt und die Kosten allein von Spenden getragen.

Eine wirklich wunderbare Geschichte rankt sich um das Glockenspiel im kleinen Turm der Kapelle, denn auch dafür fand sich ein edler Spender, den Herbert Rid bei einem Gespräch in einem Gasthof kennenlernte. Angebote hatte der findige Architekt bereits eingeholt und er konnte seinem Gegenüber den Preis nennen. Der wandte sich an seine Gattin und fragte: „Haben wir noch so viel Geld auf Konto?“ Die Dame nickte zustimmend und der Mann schrieb den Scheck.

Im September 2006 wurde die „Ökumenische Friedenskapelle Sankt Josef“ schließlich eingeweiht und 2012 durch eine Grotte für den Gegeißelten Wiesheiland erweitert. Ist diese Kapelle nun sein ultimatives Lebenswerk? Herbert Rid wiegt den Kopf und ist sichtlich bewegt: „An erster Stelle steht meine Frau. Hoffentlich können wir im nächsten Jahr Goldene Hochzeit feiern. Außerdem sind unsere vier Töchter in dem Haus aufgewachsen, das wir gebaut haben. Meine Familie war immer wichtiger als das Engagement für die Vereine.“

Herbert Rid ist ein geselliger Mensch, der Gespräche, Kartenspielen, Singen und Feiern liebt: „Ich bin ein Vereinsmensch. Das liegt mir im Blut. Einer muss vorangehen und dann helfen auch viele andere mit, bei denen ich mich ganz besonders bedanken möchte.“

Es könnte noch viel mehr aus dem Leben des Herbert Rid erzählt werden. Er hat zum Beispiel die Marktstände für die Gemeinde entworfen und einen Carport gebaut. „Wenn ich gefragt wurde, habe ich es gemacht“, sagt er und wirkt dennoch bescheiden. Wenn es das Ehrenabzeichen noch nicht gäbe – es müsste für Herbert Rid erfunden werden.
Dietrich Limper

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