Murnau macht‘s vor

Der intelligente Bus für Landsberg?

Landsberg- Rufbus - Handy-App
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Komfortabel über Handy-App kann der digitale Rufbus in Murnau gebucht werden. Ob dieses flexible Nahverkehrssystem mit virtuellen Haltestellen auch in Landsberg Chancen hat, prüft derzeit die Stadt.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg – Große leere Busse, die nach starren Fahrplänen umständlich von A nach B fahren und wegen der geringen Auslastung auch noch hohe Kosten verursachen – wenn der ÖPNV für mehr Menschen attraktiv werden soll, darf er so nicht aussehen, Ein Beispiel für eine zukunftsorientierte Form des öffentlichen Nahverkehrs ließ sich der Bauausschuss jetzt in einem Impulsvortrag vorstellen. Es ging um den Ortsbus in Murnau.

Clemens Deyerling und Robert Schotten stammen beide aus der Marktgemeinde am Staffelsee, sind Schulfreunde und haben gemeinsam das Startup-Unternehmen omobi – abgekürzt für Oberland-Mobilität – gegründet. Seit dem letzten Sommer betreiben sie den Murnauer Ortsbus, und zwar ohne festgelegten Fahrplan und vorgegebene Haltestellen.

Der (Klein-)Bus kann flexibel per App oder telefonisch bestellt werden. Etwa 200 digitale Haltestellen stehen zur Auswahl. Hat ein Kunde seine Fahrt geordert, berechnet ein intelligenter Algorithmus die optimale Route und bündelt die Anfragen weiterer Fahrgäste, um alle schnellstmöglich an ihre gewünschten Ziele zu bringen. Weite Fußwege zur nächsten Haltestelle, lange Wartezeiten und die Angst, den Bus zu verpassen – alles kein Thema mehr.

200 Prozent entflammt für die Idee

Mit diesem System können alle Ortsteile einer Gemeinde erschlossen sowie eine hohe Flexibilität und Mobilität erreicht werden. Es sei komfortabel genug, um mehr Menschen für den ÖPNV zu gewinnen, zeigte sich OBin Doris Baumgartl (UBV) überzeugt. Auch von den Mitgliedern des Bauausschusses gab es überwiegend positive bis begeisterte Kommentare. Als eine innovative Form des Anrufsammeltaxis und „sehr spannend für Landsberg“ lobte Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne) das omobi-Konzept. Dritter Bürgermeister Felix Bredschneijder (SPD) fand es revolutionär und schwärmte: „Ich bin 200 Prozent entflammt von der Idee.“

Axel Flörke (Landsberger Mitte) wollte wissen, ob der flexible Bus nicht eine Konkurrenz für die lokalen Taxiunternehmen darstelle. Nein, entgegnete Deyerling – es gebe kein Gegeneinander der Nahverkehrsangebote. Denn: „Je mehr Leute auf den ÖPNV umsteigen, desto größer wird der Kuchen.“ Gefragt nach der bisherigen Auslastung der Busse, sprach der omobi-Geschäftsführer von durchschnittlich 60 bis 65 Fahrgästen am Tag in den Monaten September bis November 2020. Gestartet ist der Murnauer Ortsbus am 1. Juli. Die Marktgemeinde rechne zunächst mit einem Defizit von 100.000 Euro im Jahr.

In Landsberg – auch das wurde in der Sitzung deutlich – würde ein Ortsbus nach dem omobi-Konzept allerdings lediglich eine Ergänzung des Stadtbusses sein. Dieser müsste, unter anderem für den Schülerverkehr, nach wie vor erhalten bleiben. Demnach wäre der flexible Kleinbus lediglich ein „Nice to have“, wie Petra Ruffing (CSU) anmerkte.

Im Zuge der Neuaufstellung des lange erwarteten Verkehrsentwicklungsplans untersucht die Stadt alle Formen der Mobilität, darunter auch den ÖPNV. Will man hier die Weichen anders stellen, braucht es aber einiges an Vorlauf, weil entsprechende Rahmenverträge mittel- bis langfristig abgeschlossen werden. Das Thema steht am heutigen Mittwoch auf der Tagesordnung des Pandemieausschusses.
Ulrike Osman

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