"Der Laden war mein Leben"

Marianne Doll (79) hat sich fast ein halbes Jahrhundert lang dem Thema Basteln verschrieben – mit Sachverstand und viel Herz in ihrem Geschäft in der Vorderen Mühlgasse, das sie am 31. März für immer schließen wird. Foto: Eckstein

Für Bastelfans ist es ein Gefühl wie in Aladins Schatzhöhle: nichts, was es nicht gibt, Stunden könnte man hier verbringen und immer wieder etwas Neues entdecken. Das Bastelgeschäft Doll in der Vorderen Mühlgasse ist nicht einfach ein Laden, es ist eine Institution. Doch nach 47 Jahren schließt es Ende März endgültig.

Kein leichter Entschluss für Marianne Doll. Vor 47 Jahren hat sie das Geschäft gemeinsam mit ihrem Mann aufgebaut. „Zuerst war hier die Schreinerei der Schwiegereltern. Die musste an den Stadtrand umziehen, weil durch den stärkeren Autoverkehr in der Gasse kein Platz mehr zum Lagern und Arbeiten war“, erzählt die 79-Jährige. Da bereits während des laufenden Schreinereibetriebs immer wieder Kunden nach Bastel- oder Hobbybedarf gefragt hatten, lag die Idee nahe, in den nunmehr leerstehenden Räumen Schreiner- und Bastelbedarf anzubieten. „Im Grunde war es die Idee meines Mannes. Zu der Zeit, 1964, gab es ja kaum Bastelläden. Einer war in München am Starnberger Bahnhof und einer in Augsburg. Die hat mir mein Mann immer gezeigt.“ Also fing Marianne Doll an, Bastelartikel zu verkaufen, außerdem gab es Holzzuschnitte nach Wunsch, bevor die Baumärkte diese Marktlücke übernahmen. „Zuerst hatten wir hauptsächlich Laubsägegarnituren, dann Peddingrohr, Farben, Bast und Filz, Töpferzubehör und natürlich Flechtbän­- der“. Denn wie auch die Mode ist das Basteln Trends unterworfen. Und das große Thema der 60er Jahre hieß eben Flechten. Marianne Doll schmunzelt und überlegt: „Da konnte man Fische und andere Motive flechten, ich habe neulich erst überlegt, wie dieser Kniff ging, aber ich bekomme es einfach nicht mehr hin“. Einen zusätzlichen Schub bekam das Geschäft, als in den Landsberger Schulen das Fach „Musisches Werken“ eingeführt wurde. Da sich Marianne Doll und ihre Mitarbeiter nicht nur auf den Verkauf beschränkten, sondern stets Kurse und Lehrgänge zu den verschiedensten Bastel- und Werktechniken besuchten, wurden sie zu unschätzbaren Ratgebern der Lehrer, die plötzlich mit ihren Schülern basteln mussten. Das Material lieferte sie gleich mit. So wuchsen Geschäft und Sortiment: Holzschachteln, Künstlerbedarf, Perlen, Kunstblumen, Bänder in allen Farben, Modelliermasse und eine Zeitlang auch Modellbauzubehör: „Mit Funkfernbedienung und allem Drum und Dran“. Ebenso umfangreich das Angebot an Fachliteratur und Bastelsets. Offene Basteltage Doch endgültig brach bei den Landsbergern das Bastelfieber aus, als Marianne Doll 1986 damit begann, im Inselbad die „Offenen Basteltage“ zu veranstalten, bei denen die Besucher über neue Trends informiert wurden und diese gleich an Ort und Stelle ausprobieren konnten. „Das hat sehr viel Spaß gemacht und uns sehr vorwärtsgebracht“, betont Marianne Doll. Genauso beliebt war der „Puppen- und Spielzeugmarkt“, den sie zehn Jahre lang veranstaltete und zu dem Besucher auch von weit her in die Lechstadt kamen. Außerdem war das Puppenbasteln eine ihrer besonderen Liebhabereien. Tiffany, Porzellanpuppen, Seidenmalerei, Teddybären und Filzen – Marianne Doll hat nahezu ein halbes Jahrhundert Basteltrends mitgemacht. Und stets aktuell für ihre Kunden eingekauft: „Es war mir immer das wichtigste, dass die Leute bekommen, was sie wollen“, fasst sie das Motto ihres Geschäftes zusammen. „Lieber habe ich neue Ware gekauft, als mir selbst etwas Schickes zum Anziehen. Der Laden war mein Leben“. Gerne hätte die 79-Jährige noch weiter gemacht, aber aus Alters- und Gesundheitsgründen ist es ihr nicht mehr möglich, das Geschäft so weiterzuführen, wie sie es immer getan hat. „Es wird in diesem Bereich immer schwerer, auch durch die Ketten und den Internethandel. Deshalb kann ich das Geschäft auch nicht mit gutem Gewissen an jemanden übergeben. Lieber aufhören, als mit anzusehen, wie alles den Bach runtergeht.“ Die Landsberger Bastelfans werden „ihren“ Bastel-Doll vermissen, wenn am 31. März die Türen schließen – vor allem die Beratung und die unzähligen Basteltipps, die es quasi als kostenlosen Service gab und das Besondere dieses Geschäftes ausmachte. Und was macht Marianne Doll? „Ich freue mich darauf, mal wieder Zeit und Muße zu haben, selbst Puppen zu basteln und Puppenköpfe zu modellieren.“

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Rational AG ist weiter auf Wachstumskurs
Rational AG ist weiter auf Wachstumskurs
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"

Kommentare