Details stehen noch aus

Der Landkreis hat die Chance auf einen innovativen »global player«

Das Unternehmen Steico stellt Dämmstoffe her.
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Dämmstoffproduzent Steico hat Interesse an einem Areal nebem dem Holznasslager Stillern.
  • Werner Lauff
    VonWerner Lauff
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Penzing – Wirtschaftlich gesehen hat Penzing gerade einen Lauf. Erst bietet der Freistaat dem Chiphersteller Intel den Fliegerhorst an, dann konkretisiert sich das Interesse des Dämmstoffproduzenten Steico an einem Areal neben dem Holznasslager Stillern, südlich des Kieswerks. Der Gemeinderat hat ein positives Signal gegeben und Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die Grünen sind aber strikt gegen die Ansiedlung. Dabei stehen Details noch gar nicht fest.

„Markenkern Ökologie“ - diese beiden Worte sagen eine Menge über das 1986 gegründete Unternehmen Steico aus, das in Feldkirchen bei München seinen Hauptsitz hat. Zu einer Zeit, als es in der Baubranche noch kaum ein Bewusstsein für ökologisches Bauen gab, entschied sich der Hersteller, der inzwischen 1.900 Mitarbeiter hat, für gesundheitlich unproblematische Dämmstoffe, die zu Klimaschutz und Ressourcenwende beitragen. Heute ist Steico in diesem Segment Weltmarktführer mit einem Produktionsvolumen von jährlich vier Millionen Kubikmetern an Holzfaser-Dämmstoffen, was für 48.000 Einfamilienhäuser reicht.

Jetzt will das innovative Unternehmen expandieren. Warum möglicherweise nach Penzing? „Ein großer Vorteil des Grundstücks dort wäre die Nähe zu unseren Hauptabsatzgebieten in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz, also zu den Regionen in Europa mit der höchsten Holzbauquote“, sagt Günther Hartmann, bei Steico derzeit „Ansprechpartner Standortentwicklung Stillern“, auf Anfrage des KREISBOTEN. Bislang betreibe Steico drei Werke, eins in Frankreich und zwei in Polen. Die Firmenpolitik sei eigentlich, zum Kauf angebotene Werke zu erwerben und zu modernisieren. In Deutschland habe sich bislang aber eine solche Möglichkeit noch nicht geboten. „Da die Nachfrage nach unseren Produkten stetig steigt, die existierenden Werke die Grenzen ihrer Produktivität erreicht haben“, prüfe man nun auch Neubauten als Teil des „größten Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte“.

230 Mitarbeiter

Allerdings stehe Näheres noch nicht fest. „Es gibt bislang keine genauen Pläne für Stillern. Zwar wissen unsere Produktionstechniker grob, welche Anforderungen ein Grundstück für ein neues Werk haben muss, doch nun werden erst die Vor- und Nachteile möglicher Standorte gründlich eruiert und abgewogen“, erklärte Hartmann. Dennoch gibt es eine erste Schätzung der Mitarbeiterzahl. Sie soll bei 230 Personen liegen, aus dem technischen, aber auch aus dem kaufmännischen Bereich. Benötigt würden 26 Hektar Fläche. Die Lärmbelastung entspreche in etwa der eines normalen Sägewerks; das Holz werde im Freien zersägt. Ein ruhiges Fleckchen ist Stillern aber ohnehin nicht: Der Autobahnlärm auf dem Grundstück ist beträchtlich.

Wer die Branchenberichte liest, kommt zu dem Ergebnis, dass Bauen und Dämmen mit Holz offenbar so attraktiv wie nie zuvor ist. Im ersten Quartal 2021 verzeichnete Steico im Vergleich zum Vorjahr jedenfalls ein Umsatzplus von 22 Prozent, der Gewinn stieg um 130 Prozent. Penzing bekäme also ein innovatives, profitables und weiter wachsendes Unternehmen, das gut ins Landkreis-Portfolio passen würde, in dem sich mit Delo, Hirschvogel und Rational bereits mehrere Weltmarktführer tummeln. Und ein weiteren Steuerzahler dazu, denn Steico würde einen Teil der Gewerbsteuer an die Gemeindekasse in Penzing abführen.

Voraussetzung für die weitere positive Entwicklung ist allerdings, dass es auf den Märkten keine wesentlichen Veränderungen gibt. Steico ist Ein- und Verkäufer von Holz. Als Einkäufer hat das Unternehmen noch kein Problem. Zwar gibt es einen Engpass an hochwertigem Holz - das Nasslager Stillern ist derzeit bis auf den letzten Baumstamm leergeräumt -, aber für die Produkte von Steico reichten minderwertige Hölzer aus. Auch Käferholz und nicht sägefähiges Holz stelle kein Problem dar. Als Verkäufer könnte die Nachfrage nach den Steico-Produkten allerdings dann zurückgehen, wenn insgesamt die Bautätigkeit abnimmt oder weniger mit Holz gebaut wird. Dafür gebe es im Moment aber noch keine Anzeichen, sagte Hartmann.

Nicht abgeschreckt

Von der Demonstration der Grünen sei das Unternehmen jedenfalls nicht abgeschreckt, sagte Hartmann. Der von ihnen propagierte Fliegerhorst sei „eher ungeeignet, weil er viel zu nah am Ort Penzing liege, noch dazu westlich davon, so dass bei den häufigen Westwinden viele Bewohner unseren Emissionen ausgesetzt wären. Außerdem würde unser Lieferverkehr die dortigen Staats- und Gemeindestraßen ziemlich belasten“, so Hartmann. Interessant ist die Parallele von Intel und Steico: Beide haben sich ans Bayerische Wirtschaftsministerium gewandt und beide erhielten Hinweise auf die Grundstücke aus dem gleichen Ministerbüro.

Bauen und Dämmen mit Holz sei eine der wirkungsvollsten und wirtschaftlichsten Klimaschutzmaßnahmen überhaupt. „Mehr Holzbau“ laute deshalb kurz und knapp Punkt 9 der von der Bayerischen Staatsregierung 2019 beschlossene Klimaschutzoffensive. Steico passe also nach Bayern. Und allem Anschein nach, vorbehaltlich genauerer Prüfung, besonders gut nach Stillern.

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