Ein Sommer für die Kultur

Der Landkreis hat sich für das bundesweite Programm »Kultursommer« beworben

Beleuchteter Lechgarten in Landsberg
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Wie Kultur trotz Coronapandemie möglich sein kann, hatte Rebelz Sound bereits letztes Jahr im Lechgarten samt Illumination gezeigt. Beim Kultursommer würde das Event in ähnlicher Form ans andere Lechufer wandern.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landkreis – Wenn das klappt, wird es kulturell gesehen ein Spitzensommer. Der Landkreis bewirbt sich auf das Programm „Kultursommer 2021“des Bundes. Acht lokale ‚Kulturmacher‘ wollen ein Programm mit Kino, Theater, Konzerten, Biergarten, Workshops und Ausstellungsangeboten im öffentlichen Raum für Bildende Künstler stemmen. Der zum künstlerischen Leiter bestimmte Franz Hartmann stellte das Konzept vergangene Woche im Kreisausschuss vor. Die Kreisräte waren begeistert. Jetzt fehlt nur noch der positive Bescheid seitens des Bundes.

Die Jury, die über die Anträge entscheidet, werde sich am kommenden Dienstag treffen, informierte der Pressesprecher des Landratsamtes Wolfgang Müller. „Wir erwarten die Rückmeldung damit noch im Mai.“

Federführend für das Gesamtkonzept ist Hartmann. Der Vorsitzende des Vereins „Kunst hält Wache“ hat gemeinsam mit dem ELLE Kollektiv das vorgestellte Konzept mit acht ‚Kulturmachern‘ zusammengebastelt. Auch Wolfgang Hauck vom Kulturverein „dieKunstBauStelle“ habe sich mit einem Großprojekt beworben, informiert der Wirtschaftsförderer des Landkreises Bernhard Lachner. Man habe dann aber ein Programm mit vielfältigen, kleineren Unterprogrammpunkten favorisiert.

Für die Konzepterstellung war nur vier Wochen Zeit, betont Hartmann. Der Bund fördere 80 Prozent der Kosten der Gesamtveranstaltung, 20 Prozent muss der Landkreis zusteuern – und zwar als bereits vorhandene Mittel. Der Landkreis hat beim Bund jetzt 200.000 Euro beantragt – die Höchstsumme der Förderung liegt bei 500.000 Euro.

Ziel des aufgestellten Programmes sei ein breites Spektrum, erläutert Hartmann: sowohl im Angebot als auch im Publikum, das mit den Angeboten erreicht werden soll. Dabei sollen vor allem die Künstler finanziell profitieren, die während der Coronapandemie wenn, dann nur stark eingeschränkt arbeiten konnten. Weshalb das vorgestellte Konzept vor allem als Rahmen für Interessierte diene, die bei den meisten der acht Kulturmachern mit einer eigenen Aktion einsteigen können. „Alle einzelnen Künstler in der kurzen Antragsfrist anzusprechen, das wäre einfach nicht gegangen“, begründet Hartmann diese Konstruktion. Im Nachhinein könne es auch noch zu kleineren Änderungen – natürlich nur im Rahmen des vom Bund genehmigten Spektrums – kommen.

Das Programm

Die Stadt Landsberg veranstaltet dabei das im Antragspapier noch als „Picknick-Sommer“ bezeichnete, inzwischen aber „LechStadtFestival“ genannte Event. Ein erprobtes Konzept. Der 2020 stattfindende „Picnic Sommer“ – damals noch mit C – wurde allerdings nicht von der Stadt, sondern von Rebelz Sound gestemmt, dessen Konzept die Stadt übernimmt: Auf dem Schlüsselanger können bis zu fünf Personen in abgetrennten Parzellen und damit pro Veranstaltung bis zu 400 Personen „Poetry Slam, Kabarett, Konzerte, Theater, Technoabende und 90er Hits“ genießen, ist im Paper Hartmanns zu lesen. Das Angebot laufe zwölf Tage. Und es gebe die Möglichkeit, die „ganze Veranstaltung“zu mieten.

Die Stadt ist noch mit einem zweiten Projekt vertreten – ebenfalls ein bereits erprobtes: die „Kulturschutzgebiete“, bei denen laut Stadt rund 60 Kunstschaffende im Hinterhof des Historischen Rathauses eine Bühne finden können. Pro Veranstaltung würden so bis zu 50 Zuschauer erreicht.

In der Alten Wache soll das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ unter dem Titel „Holzwege“ in Workshops und einer Ausstellung bearbeitet werden. „Der Fokus liegt hier auf der Jugend“, so Hartmann, der als Vorsitzender des Vereins „Kunst hält Wache“ hier mitorganisiert. Die Ergebnisse der Jugend-Workshops, an denen rund 50 Personen teilnehmen können, sollen mit Arbeiten von anderen Künstlern in einer Ausstellung präsentiert werden.

Für die Kinosparte sind die Veranstalter des Snowdance Festivals verantwortlich. Und greifen auf das „Summer Screening“, das Altstadt-Open-Air-Kino zurück. Sowohl in der Alten Bergstraße als auch im Theatergarten werden Filme gezeigt. Hiervon profitierten rund 40 Filmschaffende und insgesamt rund 400 Besucher, sagt Hartmann.

Rebelz Sound macht statt Picknick den mehrwöchigen „Kulturbiergarten“. Entlang der Saint-Laurent-du-Var-Promenade sollen an bis zu vier Tagen pro Woche bei freiem Eintritt kleine Bühnenauftritte – Musik und anderes – von rund 100 Künstlern den Biergartenbesuch begleiten. Das Konzept wurde vom Verband für Popkultur unter die Top3-Best Practice-Beispiele 2020 gewählt. Je nach geltenden Regeln seien 150 bis 300 Besucher pro Abend möglich. „Die Gastronomen in Landsberg sehen das nicht als Konkurrenz“, betont Hartmann. Vielmehr begrüßten sie dieses Programm als Ergänzung.

Bildende Künstler sollen im „Happening der bildenden Kunst“ Präsenzmöglichkeiten erhalten. Mindestens zehn Künstler oder Künstlergruppen wolle man bei einer „temporären, coronatauglichen Kunstaktion im Freien“ unterstützen, so Hartmann. Pro Teilnehmer werde man mit bis zu 5.000 Euro unterstützen. Davon profitierten rund 30 Künstler – wobei die Anzahl der Besucher bei den Aktionen im öffentlichen Raum nach oben unbegrenzt sein wird.

Die Theatersparte deckt das ELLE-Kollektiv mit ihrem „Meditier“ ab, das am Uttinger Ammerseeufer gezeigt werden soll. Und zwar auf einer schwimmenden Bühne, wobei die Zuschauer in Tretbooten sitzen. Die hiervon rund 20 profitierenden Künstler könnten so insgesamt rund 480 Besucher beglücken.

Das achte Projekt zielt auf Senioren und Menschen in Wohngruppen ab – und ist ebenfalls bekannt: Beim „Fenstertheater“ tritt das „Duo Hochformat“ unter freiem Himmel auf. Die Zuschauer sitzen wettergeschützt hinter Fenstern und/oder auf Balkonen der jeweiligen Einrichtung. Zwar profitierten hier nur zwei Künstler, gibt Hartmann zu, aber man könne zehn Einrichtungen mit diesem visuellen Erlebnis versorgen.

Der „Kultursommer“ kostet in der bisherigen Planung 265.000 Euro. Abgesehen von den 200.000 Euro des Bundes wird es durch außerplanmäßige Förderungen der Stadt Landsberg (25.000 Euro)sowie durch Einsparungen wegen Ausfalls des Familienkulturtages in diesem Jahr (28.000 Euro) finanziert. 12.000 Euro fließen durch die Einnahmen bei den Veranstaltungen.

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