Der Kultursommer hält auf Trab

Der Landsberger Kultursommer startet am 2. Juli - jedoch nicht ganz problemlos

Peter-Dörffler-Weg in Landsberg am Abend.
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Beim Landsberger Sommer 2019 am Lech hatte Veranstalter Bastian Georgi zusammen mit Gastronomen den Peter-Dörffler-Weg in einen Biergarten verwandelt. Sein Plan eines Kulturbiergartens an der Saint-Laurent-du-Var-Promenade ging nicht auf. Jetzt plant er um.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landkreis – Normalerweise wird es ab Mitte Juli still, was Veranstaltungen angeht. Dieses Jahr nicht: Der Landsberger Kultursommer #KS2021LL hält auf Trab, ab Freitag, 2. Juli, bis in den Oktober. Um die Förderung des Bundes im Rahmen von „Neustart Kultur“ abgreifen zu können – 200.000 Euro – musste der Antrag direkt nach Bekanntwerden der Fördermöglichkeit gestellt werden. Künstlerischer Leiter des Kultursommers Franz Hartmann sammelte in kürzester Zeit Veranstaltungswillige samt deren Konzepten in einem Hut und gab ihn mit Erfolg ab. Die konkrete Umsetzung der Veranstaltungen ist aber nicht problemlos.

„Die Richtlinien für die Förderung sind 30 Seiten lang“, sagt Hartmann und lacht. Er sieht die Diskrepanzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit mit „einer großen Portion Humor“. Die Kurzfristigkeit des Ganzen mache sich eben bemerkbar. So sei Tom Bohn mit dem Snowdance Summer Screening rausgefallen. Streitpunkt sei vor allem die ‚Kinobühne‘ Alte Bergstraße gewesen, die das Ordnungsamt nicht genehmigt habe. Man habe Bohn Alternativspielorte angeboten, beispielsweise den Säulenhof im Heilig-Geist-Spital – offensichtlich keine Alternative für Bohn. Für Hartmann kein Weltuntergang: Er hat jemanden in der Rückhand. Die Sparte Kino füllt jetzt das Cinemamobile von Wolfgang Gaudlitz – an mehr als zwei Tagen und zudem landkreisweit, da eben mobil.

Für Bastian Georgi von Rebelz Sound gestaltet sich der Kultursommer auch nicht ohne Probleme. Zeitweise habe er sich überlegt, alles sein zu lassen und wieder seinen ‚Zwischenjob‘ zumachen: „Ich habe in letzter Zeit in Kempten in der Teststation gearbeitet. Das war gute, sinnvolle Arbeit.“

Sein Konzept des Kulturbiergartens an der Saint-Laurent-du-Var-Promenade über mehrere Wochen mit rund 30 Künstlern stieß auf Widerstand. Das Problem: Die Veranstaltung samt konkreter Ortsangabe konnte, aus Zeitgründen, erst nach dem beim Bund gestellten Förderantrag mit der Stadt abgestimmt werden. Als erstes scheiterte der Ort Saint-Laurent-du-Var-Promenade. Denn der Schutz des Stadtgrüns hat Vorrang: „Das Wurzelwerk der Wiese kann während dieses Zeitraums nachhaltig beschädigt werden und wird sich davon nur langsam erholen“, argumentiert die Stadtverwaltung. Das sei beim Töpfermarkt anders, er dauere ja nur drei Tage. Die Promenade wäre eigentlich ideal, sagt Georgi, auch wegen fehlender direkter Anwohner. Dass das Blühkonzept der Stadt wichtig sei, das könne er nachvollziehen.

Am Anfang sah Ordnungsamtschef Ernst Müller noch ein Problem: Es gehe ja bei dem gesamten Projekt darum, die Kultur zu fördern – und nicht einen Biergarten. Die Kultur müsse im Vordergrund stehen. Dass das bei dem von Georgi geplanten Event der Fall ist, davon konnte der Veranstalter den Ordnungsamtschef in einem, wie er sagt, „längeren und auch emotionalen Gespräch“ überzeugen. Sein Konzept heißt nun Kultursommer am Lech.

Generell sei das Ordnungsamt bestrebt, den Veranstaltern soweit wie möglich zu helfen, sagt Georgi. In dem Gespräch habe er mit Müller auch zwei Alternativ-Veranstaltungsorte besprochen: den Infanterieplatz und die Wiese hinter dem Sandauer Tor. Die Orte sind für Georgi beide nicht so ganz das Gelbe vom Ei: Hinter das Sandauer Tor schaue selten ein Ortsfremder, zudem seien die Anwohner in Flüsternähe. Und der Infanterieplatz brauche doch „Arbeit und viel Liebe“, um dort ein passendes Ambiente zu schaffen. Dennoch ist Georgi bereit, mit diesen Alternativen zu arbeiten und schnell umzuplanen – denn die Hauptsache im Rahmen der Kulturförderung vom Bund sei ja, den Künstlern wieder Auftrittsmöglichkeiten zu geben. Und natürlich ihrem Publikum die Chance, sie wieder live auf der Bühne zu sehen.

Der Kulturbiergarten soll ab dem 23. Juli immer von donnerstags bis sonntags samt Veranstaltungen geöffnet sein. Georgi muss jetzt ein grobes Konzept bei der Imissionsschutzbehörde des Landratsamtes vorlegen: Wann gibt es Kleinkunst – eher ruhiger –, wann könnte es ein bisschen lauter werden? Erteilt das Amt sein Okay, kann Georgi loslegen. Diese Vorplanung sei jetzt natürlich auch wieder „ein Schuss ins Blaue“, sagt Georgi. Was ihn nicht abhält: „Aber so isses halt.“

Diese Flexibilität (und die dazugehörige Ausdauer), die auch Hartmann und den anderen Beteiligten im Blut zu liegen scheint, ist uneingeschränkt zu bewundern. Schön ist, dass auch das Ordnungsamt die Türe nicht einfach zumacht und nach besten Kräften versucht, im Gespräch mit den Veranstaltern Möglichkeiten zu finden. Es hätte ja auch seinen längeren Hebel durchdrücken können.

Das Programm

• Jedem seine Insel: Das LechStadtFestival der Stadt Landsberg begleitet den Juli bis zum 1. August. Gefeiert wird auf dem Schlüsselanger in einzelnen, 20 Quadratmeter großen „Inseln“ für jeweils sechs Personen. Möblieren dürfen die Gäste selbst. Am 2. und 3. Juli feiert der Electronic Picnic Sommer mit Arno F. und Philipp Altheimer sowie Buffalo&Wallace&Mr. Oggman, gefolgt vom Poetry Slam mit Ko Bylanzky am 4. Juli. Die „Zauberflöte“ bei Musik auf Rädern begleitet den 5. Juli. Am 6. Juli steht Liedermacher Werner Schmidbauer auf der Bühne, am 8. Juli Comedian Chris Boettcher. Und am 16. Juli macht das Musikprogramm des Stadttheaters mit „Dreiviertelblut“ einen Ausflug zum Schlüsselanger.

Es gibt ein Jugendkulturfestival und das Kindertheater Fritz&Freunde. Zum Abschluss noch ein ‚Feuerwerk‘: Django Asül (30. Juli) und Maxi Schafroth (31. Juli) und die Spider Murphy Gang (1. August) lassen das Lechstadtfestival energievoll ausklingen. Verpflegung kommt per Foodtrucks. Infos unter www.kulturinlandsberg.de/lechstadtfestival/.

• Positive Holzwege: Der Verein „Kunst hält Wache“ startet ab Juli bis in den Oktober seine „Holzwege“ auf dem Gelände der „Alten Wache“ im Frauenwald zum Thema Nachhaltigkeit. Im Juli laufen sechs Workshops für junge Menschen, vom 5. bis 15 August gibt es eine Kunstausstellung, in der die Workshop-Ergebnisse und die Arbeiten von zwölf zeitgenössischen Künstlern präsentiert werden. Eine offene Bühne bietet Platz für das Comedy-Duo Mark`n Simon, Singer-Songwriter Jakob Mühleisen, die Lyriker Anton G. Leitner und Anna Münkel und eine Lesung mit Schauspieler Robert Valentin Hofmann. Die ImproLLetten machen ihrem Namen Ehre und Leni Gwinner dirigiert einen Poetry Slam. Den Auftakt mit Sommer-Party macht DJ Rupen, bekannt für seine unwiderstehlich tanzbare Rupidoo Global Music.

Beim „Happening der bildenden Kunst“ werden zehn Künstler über den Landkreis verteilt Open-Air-Ausstellungen, Lichtinstallationen, Videoprojektionen und einen temporärer Skulpturenweg kreieren. Infos: www.kunst-haelt-wache.de/.

• Reservoir für die Kultur: Das Kulturbüro der Stadt Landsberg bietet von Juni bis September im Innenhof des Alten Rathauses die „Kulturschutzgebiete“. Auftakt macht am 31. Juli Klaus Schmidt mit Swing Band. Musiksatire bietet am 21. August die Gruppe „Zum Blauen Veilchen“ mit Sybille Engels, Monica Calla und Jank Jankovic. Und Tatort-Star Victoria Mayer wird am 11. September lesen: www.kulturinlandsberg.de/kulturschutzgebiet/.

• Film ab: Das Cinemamobile von Wolf Gaudlitz ist unterwegs: ein Offroad-Laster mit Kino-Leinwand und Filmprojektor, der schon als Wüstenkino zum Einsatz kam.

• Kultur mit Schaumkrone: „Rebelz Sound“ veranstaltet vom 23. Juli bis 12. September einen Kultursommer am Lech mit zahlreichen Musikern, Bands, DJs und darstellenden Künstlern. Dazu gibt es Allgäuer Bier und veganes Essen. Infos unter www.rebelz-sound.de. (siehe oben)

• Wasserballett: Das ELLE KOLLEKTIV zeigt in Schondorf vom 5. bis 21. August sein Wasser-Spektakel „Das Meditier“ am Ufer des Ammersees – auf einer schwimmenden Plattform. Die Zuschauer verfolgen das Geschehen auf Tretbooten. Infos unter www.ellekollektiv.de/.

• Ganz oben: Das Stelzenduo Hochformat bietet mit Fenstertheater den Bewohnern von Altenheimen und Wohngruppen zauberhafte Aussichten (nicht öffentlich).

Die Übersicht über den Landsberger Kultursommer gibt es im Internet unter www.ks2021ll.de. Änderungen sind situationsbedingt möglich - Infos dazu gibt es entsprechend auf der Webseite sowie in den sozialen Medien.

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