Interview am Tag vor dem ESC-Finale

Malik Harris aus Landsberg: „Ich lebe meinen Traum“

„Musik ist Geschmackssache“, sagt Malik Harris und ist überzeugt davon, dass auch eine schlechte Platzierung keine Selbstzweifel in ihm wecken würde.
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„Musik ist Geschmackssache“, sagt Malik Harris und ist überzeugt davon, dass auch eine schlechte Platzierung keine Selbstzweifel in ihm wecken würde.
  • Katrin Basaran
    VonKatrin Basaran
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Landsberg Fünfmal in den vergangenen sieben Jahren - 2020 fiel der Wettbewerb aus - landeten die deutschen Teilnehmer ganz hinten – ein schweres Erbe für Malik Harris. Oder aber die Chance, gegen den Trend mal wieder ganz weit vorne zu landen. Der 24-Jährige aus Landsberg tritt am Samstag (ARD überträgt live ab 21 Uhr) beim diesjährigen Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in Turin an. Der Sohn von Ex-Talkmaster Ricky Harris hatte sich mit „Rockstars“ beim deutschen Vorentscheid gegen die Konkurrenz durchgesetzt.

So kurz vor dem ESC-Finale – wie geht’s?

Malik Harris: Sehr gut. Ich erlebe derzeit so wahnsinnig viel: Momente, Begegnungen, Geschichten. Und fiebere dem ESC-Auftritt entgegen. Ich bin einfach froh, ein Teil dieser verrückten Reise zu sein.

Erinnern Sie sich noch an den Moment Ihres Sieges beim deutschen Vorentscheid? Das war ja knapp.

Malik Harris: Ich lag ja nach den Radiovotings auf Platz 2 und hatte gedanklich schon abgeschlossen. Dann kamen die Stimmen der Zuschauer – und plötzlich hatte ich gewonnen! Ich glaube, man hat mir meine Verwirrung angemerkt. (Lacht.) Es hat tatsächlich ein paar Tage gedauert, ehe ich das alles realisiert hatte.

Und plötzlich wollte jeder etwas – Auftritte, Statements, Presse, Promo. Ist diese Situation so wie erträumt?

Malik Harris: Es ist viel mehr, als ich dachte. Ich glaube, seit dem Vorentscheid hatte ich mal zwei Tage, die nicht voller Termine waren. Crazy! Aber obwohl ich mir manchmal ein bisserl mehr Schlaf wünschte, genieße ich den Rummel sehr. Vor allem nach der Corona-Zeit, in der absolute Flaute herrschte und nur ganz wenig möglich war. Plötzlich ging mit einem Schlag alles wieder los. Mit dem ESC betritt man jetzt wirklich eine andere Welt: Die Fans sind extrem leidenschaftlich, man lernt Künstler aus ganz Europa kennen, verschiedene Kulturen kommen zusammen – und das macht richtig Spaß.

„Rockstars“ läuft derzeit überall im Radio. Wahrscheinlich haben Sie den Song jetzt auch schon hunderte Male live gesungen. Mal ehrlich – können Sie ihn überhaupt selber noch hören?

Malik Harris: (Lacht.) Ich könnte alle meine Songs wohl eine Milliarde Mal hören, singen und spielen – und genieße sie trotzdem jedes Mal. „Rockstars“ habe ich während der für mich psychisch herausfordernden Corona-Zeit geschrieben. Der Song ist etwas Besonderes, er handelt davon, Vergangenem nicht nachzuhängen, sondern die schönen Dinge im Hier und Jetzt zu sehen. Und so erinnert mich der Song auch jedes Mal daran, den Moment aufzusaugen.

Sind denn die Leute alle nett zu Ihnen? Oder bekommen Sie jetzt auch die Kehrseite der Medaille zu spüren – Neider, Hater, Kritiker?

Malik Harris: Diese Menschen gibt es immer und sie sind mir relativ egal. Ich drehe die Gewichtung für mich um. Wenn mir jemand sagt oder schreibt, dass meine Musik gefällt, berührt, unterstützt, hilft oder sie ihm etwas gibt, dann ist das für mich etwas wert und macht mich glücklich. Und wenn es der eine unter einer Million Kritikern ist.

Sehnen Sie sich inzwischen nicht manchmal nach ein paar Momenten Ruhe?

Malik Harris: Ich hatte das Bedürfnis noch nicht, will aber nicht ausschließen, dass es irgendwann mal soweit ist. Aber im Moment lebe ich meinen Traum und da gehört Trubel dazu.

Wer erdet Sie? Sieht nicht nur den Popstar und ESC-Teilnehmer, sondern den Menschen Malik? Wer kritisiert Sie?

Malik Harris: (Lacht.) Am Ende des Tages bin ich selbst wohl mein größter Kritiker. Ich lege Wert auf Perfektionismus und glaube, auch als Charakter reflektiert zu sein. Darüber hinaus ist meine Familie sehr ehrlich mit mir. Ich liebe sie alle, sie kennen und begleiten mich mein Leben lang – von den ersten Auftritten in einer Bar, wo außer ihnen niemand zuhörte, bis heute. Ich denke oft an diesen langen Weg, bin dankbar – und das erdet mich automatisch.

In Turin gilt die Ukraine als ESC-Gewinner quasi gesetzt. Stört Sie das?

Malik Harris: Nee, Quatsch! Für mich ist der Wettbewerbscharakter ohnehin zweitrangig. Der ESC ist doch die einzige Veranstaltung, die es seit Jahrzehnten schafft, diesen ganzen Kontinent voller verschiedener Länder und Kulturen im Zeichen der Musik zusammenzubringen. Es ist wie ein großes Friedensfestival, wo man glücklich ist, ein Teil davon zu sein. Dazu passt, mit einem Sieg der Ukraine ein Zeichen zu setzen.

Aber „Zero Points for Germany“ würde schon schmerzen…

Malik Harris: Das wäre enttäuschend. Ich finde, dass der Song das Potenzial für eine gute Platzierung hat. Aber ich weiß auch, dass beim ESC eigene Gesetze gelten. Und was mir den Wettbewerbsdruck nimmt: Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man Musik nicht in besser oder schlechter bewerten kann. Das ist Geschmackssache. Eine schlechte Platzierung würde also keine nachhaltigen Selbstzweifel in mir wecken.

Nun ist der ESC ein Höhepunkt Ihrer bisherigen Karriere. Wie schützen Sie sich danach vor einem emotionalen Loch?

Malik Harris: Der Fokus liegt für mich – zumindest für dieses Jahr – auf dem Live-Spiel. Gleich am Montag startet meine „Anonymous Colonist“-Tour in Hamburg, am 31. Mai bin ich übrigens auch in München. Dann bin ich mit Amy Macdonald unterwegs, habe viele Festivalzusagen und noch einige andere Konzerte. Das Live-Spiel macht mich einfach glücklich und hält mich definitiv von einem emotionalen Loch ab.

Wann kommt der nächste Song?

Malik Harris: Ich schwanke derzeit noch zwischen zwei Tracks, die ich super gerne mag. Mein Plan ist aber, den Song so zu liefern, dass man ihn dann den ganzen Sommer durchhören kann. (Lacht.)

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