Angeklagt wegen Brandstiftung

Lechrain-Feuerteufel legen Geständnis ab

Brandserie um Schongau: Chronik der Ereignisse mit Karte - Kripo mit Details
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Am 23. Dezember brannte ein Feldstadel bei Guttenstall komplett aus.

Landkreis – Gut ein Jahr ist es her, dass eine Brandserie im Lechrain Polizei und Feuerwehren in Atem hielt und Landwirte in Angst versetzte. Denn angezündet wurden vor allem Feldscheunen mitsamt den darin befindlichen Fahrzeugen und Geräten. Die beiden mutmaßlichen Feuerteufel haben vor dem Landgericht Augsburg am ersten Sitzungstag ihre Taten gestanden.

Am 17. Januar letzten Jahres ist die Arbeit der Ermittlungsgruppe „Feldscheune“ von Erfolg gekrönt. Eine Streife entdeckt an diesem Tag das Feuer in Unterdießen und registriert ein verdächtiges Fahrzeug, das den Brandort verlässt. 50 Minuten später werden die beiden Tatverdächtigen vor der Wohnung des 26-Jährigen in einer Lechrain-Gemeinde festgenommen. Es ist der letzte Brand einer ganzen Serie in den Landkreisen Landsberg und Weilheim-Schongau, bei der Stadel, Mülltonnen und Heuballen lodern, der Sachschaden liegt bei knapp einer Million Euro.

Zwischen dem 12. Dezember 2019 und dem 17. Januar 2020 schlugen die zwei geständigen Täter zwölfmal zu. Mit Grillanzündern und Spiritus setzten sie meist Strohballen in Brand und ließen die Flammen auf die Gebäude übergreifen. So brannten Feldscheunen, Holzlager, Müllcontainer sowie das Lager und die Fahrzeughalle eines Weilheimer Sägewerks ganz oder teilweise ab. Zwei auf Dächern montierte PV-Anlagen wurden ebenfalls zerstört.

Kurz nach der letzten Tat wurden die beiden Männer von der Polizei geschnappt – ein 25-jähriger Soldat, der aus dem Landkreis stammt und zuletzt in Mittenwald stationiert war, und ein 26-jähriger Arbeitsloser, ebenfalls aus dem Landkreis Landsberg. Insgesamt werden ihnen zwölf Brandstiftungen mit einem Sachschaden von knapp einer Million Euro zur Last gelegt. Zum Prozessauftakt legten sie über ihre Anwälte Geständnisse ab, doch die Motive blieben im Dunkeln.

Früher sollen sie dicke Freunde gewesen sein, doch auf der Anklagebank würdigen sich die jungen Männer – beide mit kurz geschorenem Haar, beide in Sweatshirts und blauen Gefängnishosen – keines Blickes, wechseln kein einziges privates Wort. Seit einem Jahr sitzen sie in Untersuchungshaft in unterschiedlichen Anstalten.

Als der Vorsitzende Richter Christian Grimmeisen den Prozessbeteiligten erlaubt, den Mund-Nase-Schutz zu entfernen, reißt der 26-Jährige erleichtert die Maske vom Gesicht. Der ruhiger wirkende 25-Jährige behält sie auf.

Was hat die beiden geritten in jenen Winternächten vor einem Jahr? „Zum Motiv möchte mein Mandant nichts sagen“, teilt der Verteidiger des 25-Jährigen mit, der die Hauptschuld auf sich nimmt und alle zwölf angeklagten Fälle einräumt. Der Soldat – Stabsgefreiter und Unteroffiziersanwärter – bereue seine Taten, versichert Verteidiger Nicol Lödler. „Er weiß, dass es ein Riesenscheiß war.“

Nur als Gehilfe

Sein 26-jähriger Freund will lediglich bei sechs der Brandstiftungen als Gehilfe beteiligt gewesen sein. Er habe „aus freundschaftlicher Verbundenheit“ mitgemacht, lässt er über seine Anwälte Stefan Mittelbach und Stephan Lucas mitteilen.

Den Geständnissen war eine zweistündige Verhandlungsunterbrechung vorausgegangen, während der Verständigungsgespräche zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und den Verteidigern stattfanden. Heraus kam ein Deal: Im Gegenzug für die Geständnisse dürfen die Angeklagten Haftstrafen erwarten, die deutlich unter der möglichen Höchststrafe von zehn Jahren liegen.

Die beiden kennen sich schon aus der Schule. Der Ältere hatte nach dem Hauptschulabschluss verschiedene Jobs, war eine Zeitlang bei der Bundeswehr und begann später eine Maurerlehre, aus der er wegen Unzuverlässigkeit hinausflog.

Der Vater eines zweijährigen Kindes, zu dem er kaum Kontakt hat, war wegen seines Cannabiskonsums öfter unpünktlich zur Arbeit erschienen. Er wohnte zuletzt mit seiner Mutter bei den Großeltern. Der jüngere Angeklagte brach eine Lehre zum Berufskraftfahrer ab und wurde Zeitsoldat. Nach der Haft will er aber eine Ausbildung im sozialen Bereich machen, wie er aussagte – zum Beispiel auch als Altenpfleger.

Bei einer Pressekonferenz nach der Verhaftung im Januar letzten Jahres informierten die zuständige Polizei und Kripo, dass der 25-Jährige im Landkreis Landsberg aufgewachsen sei und bis dato für die Polizei ein unbeschriebenes Blatt war. Der 26-Jährige sei bereits mit kleineren Delikten wie Diebstahl, Bedrohung und Fahren ohne Führerschein aufgefallen.

Der Prozess wird nach bisheriger Planung am 25. Januar fortgesetzt.

Der erste Stadel in der Brandserie: Er brennt bei Rott in der Nacht auf den 14. Dezember komplett ab. Dabei werden auch Oldtimertraktoren zerstört. Der Sachschaden liegt bei 200.000 Euro.

Die Chronik der Brandserie

Seit dem Prozessauftakt gegen die beiden Lechrain-Feuerteufel ist klar: Die Brandserie begann bereits am 12. Dezember 2019. In dieser Nacht loderte ein Altpapiercontainer in der Max-Friesenegger-Straße in Landsberg – ein Feuer, das die Polizei ursprünglich nicht der Serie zugerechnet hatte.

Stunden später – inzwischen der 13. Dezember – brannte eine Mülltonne neben der Sporthalle in Fuchstal-Asch, auch auf einen Fahrradständer griffen die Flammen über. Am nächsten Tag (14. Dezember) wurde in Rott eine Feldscheune mitsamt den darin untergestellten Traktoren und einer PV-Anlage auf dem Dach zerstört. Am Abend desselben Tages glimmte neben der Staatsstraße in Vilgertshofen ein Heuballen. Da dieser feucht und schimmlig war, passierte nichts Schlimmeres. Einige Stunden später (15. Dezember) entstanden 70.000 Euro Sachschaden, als eine Feldscheune in Leeder samt landwirtschaftlicher Geräte teilweise abbrannte.

Am 23. Dezember ging eine Feldscheune in Epfach in Flammen auf. Danach schlugen die Feuerteufel erstmals im Landkreis Weilheim-Schongau zu. Ziel war eine Feldscheune in Wessobrunn. Da das Feuer rechtzeitig entdeckt und die brennenden Strohballen aus dem Gebäude geholt werden konnten, ging dieser Vorfall glimpflich ab. Am 26. Dezember folgte eine Holzscheune mit landwirtschaftlichen Geräten in Reichling.

Den größten Einzelschaden, mit 500.000 Euro verursachten die Brandstifter in den Morgenstunden des 29. Dezember auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerks am östlichen Ortsrand von Weilheim – Lager und Fahrzeughalle brannten ab, zudem eine PV-Anlage auf dem Dach der Halle. Am selben Tag setzten die Täter eine Holzscheune in Reichling in Brand, am 13. Januar folgte ein Holzstoß in Issing. Die Flammen griffen auf den angrenzenden Feldstadel über, doch konnte die Polizei größeren Schaden verhindern. Zum letzten Mal schlugen die Feuerteufel am 17. Januar zu. Sie zündeten ein Holzlager in Unterdießen an – und wurden dabei gefasst.
Ulrike Osman

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