Dann doch gleich ein Luftkissenboot?

Der Rufbus per App steht in Dießen auf dem Prüfstand

Per App den Bus rufen in Dießen
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Per Smartphone könnte man künftig einen Rufbus zum Dießener Untermüllerplatz bestellen und sich nach Riederau chauffieren lassen.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen – Abgesehen vom Schüler- und Berufsverkehr gondeln die großen ÖPNV-Omnibusse meist nahezu leer durch Dießen. Ein flexibles, digitalbasiertes System mit kleinen Rufbussen ohne Fahrplan und festen Haltestellen könnte da wohl eine interessante Alternative sein. In Murnau wird das seit einem Jahr erfolgreich praktiziert.

Das Murnauer Modell zum Pauschalpreis von zwei Euro pro Fahrt wurde bereits im Oktober 2020 im Gemeinderat vorgestellt und stieß auf mehrheitliche Zustimmung. Die Verwaltung wurde daraufhin beauftragt, die konkreten Voraussetzungen für die Einführung eines Rufbus- beziehungsweise On-Demand-Systems zu prüfen und finanziell zu bewerten. Außerdem sollten mit dem Landkreis die Voraussetzungen für die Übertragung der ÖPNV-Aufgabenträgerschaft geklärt werden. Und natürlich eine mögliche Beteiligung an einem Defizit. Über den aktuellen Sachstand wurde der Gemeinderat in seiner aktuellen Sitzung informiert.

Seit 1995 besteht der Ortsbus in Dießen, wobei Routen und Fahrzeiten immer wieder angepasst wurden. Der Landkreis übernimmt 50 Prozent vom Defizit der Ortsbusse. Für ein zusätzliches Angebot eines linienbezogenen Anruf-Sammeltaxis habe sich laut Geschäftsleiter Karl Heinz Springer kein Anbieter gefunden. Die Verträge für den Dießener Ortsbus laufen noch bis 2024, wobei man die Parameter für eine Neuausschreibung eventuell zusammen mit einem On-Demand-System bereits 2022 festlegen will.

Wie die Vorgespräche laut Bürgermeisterin Sandra Perzul ergaben, würde sich der Landkreis am Pilotprojekt eines zusätzlichen On-Demand-Verkehrs beteiligen. Wobei er auch hier die Aufgabenträgerschaft übernehmen und die Marktgemeinde bei allen erforderlichen Schritten unterstützen würde. Der On-Demand-Verkehr könnte sogar für die Dauer von maximal vier Jahren vom „Staatlichen Förderprogramm zur Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum“ profitieren.

Neben dem Murnauer System der Betreiberfirma Omobi wurde den Marktgemeinderäten auch ein weiteres Konzept der Firma EcoBus vorgestellt. Hier dienen bedarfsgesteuerte Kleinbusse zur Anbindung an den Linienverkehr. Kosten für eine Projektlaufzeit von drei Jahren mit drei Bussen: 490.000 Euro zuzüglich Softwarekosten. Omobi hatte noch kein konkretes Angebot abgegeben, da erst der räumliche Erschließungsbereich (Dießen mit allen Ortsteilen sowie die Strecke Dießen-Herrsching) festgelegt werden muss. Allein für die Durchführung einer Bestandsanalyse, Konzessionsklärung, Projektplanung et cetera verlangt Omobi allerdings 11.228 Euro.

„Alles viel zu teuer“ äußerte Gemeinderat Michael Lutzeier (Die Partei). „Ein Hovercraft-Luftkissen-Taxi zwischen Dießen und Herrsching ist sicher billiger!“ Wie er glaubt auch Kollege Thomas Höring (Freie Wähler) nicht an einen Erfolg der teuren Rufbusse. Hier würden wie in den großen Bussen vornehmlich nur Schüler und Rentner fahren. Michael Hofmann (Bayernpartei): „In Murnau funktioniert das nur, weil die Gemeinde jede Fahrt gewaltig subventioniert.“ Die grüne Gemeinderätin Gabriele Übler wiederum findet eine solche Bezuschussung wirksamer als die schädlichen Folgen für die Umwelt durch die Masse des Individualverkehrs. Sie und ihr Parteikollege Dr. Holger Kramer plädierten für ein Pilotprojekt.

Nach lebhafter Diskussion beschloss der Marktgemeinderat die Einführung eines fraktionsübergreifenden Arbeitskreises mit Moderation des Landkreises für die grundsätzliche Prüfung eines On-Demand-Verkehrs. Bereits in der nächsten Gemeinderatssitzung am 21. Juni wird ein ÖPNV-Fachmann des Landratsamtes zu diesem Thema referieren.

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