Der Park als »begehbares Gemälde«

1.000 neue Bäume im Dießener Schacky-Park

Dr. Reinhard Mößmer - Schacky-Park Dießen
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Forstwissenschaftler Dr. Reinhard Mößmer begutachtet die Pflanzplanung am Teehaus im Dießener Schacky-Park.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen – Diesmal haben Naturschützer und Baumfreunde keinen Grund zum Protestieren , wie bei der Fällung von zwei Weiden im Rahmen der Seeanlagen-Sanierung. Im Schacky-Park mussten zwar gleich 200 vom Borkenkäfer befallene Fichten abgeholzt werden, dafür säumen jetzt 1.000 neue Bäume die Wege und Ausblicke im neuen Parkwald. Davon konnten sich trotz strömendem Regen 23 wackere Naturfreunde bei einer Führung von Dr. Reinhard Mößmer überzeugen.

Forstwissenschaftler Dr. Reinhard Mößmer, so manchem bekannt durch die Umgestaltung des Nymphenburger Parks in München, hat diese waldbaulich-ökologische Umsetzung entwickelt. Sein umfangreiches Parkpflegewerk nennt Förderkreis-Vorsitzende Christine Reichert „eine Gebrauchsanleitung für die nächsten hundert Jahre“. Sie bezeichnet die vorwiegend kostenfreie Zusammenarbeit mit Mößmer als einen absoluten Glücksfall. Er schaffe es, die beiden unterschiedlichen Aspekte der forstlichen Sichtweise mit den kunsthistorischen Belangen einer Parkplanung in Einklang zu bringen.

Der Schacky-Park wurde in den Jahren 1904 bis 1913 als klassizistischer Landschaftsgarten angelegt. Nach dem Tod der Gründerfamilie hat man den Park vor allem im südlichen Teil forstwirtschaftlich genutzt, wobei manche Bereiche verwilderten. Seit sich ab 2005 der Förderkreis um das Gelände kümmerte, wurden vor allem Bäume und Baumgruppen im nördlichen Teil gepflegt. Seit einigen Jahren wird nun auch der südliche Bereich umgestaltet. Durch die Herausnahme einiger Bäume und der ohnehin geschädigten Fichten konnte man wieder mehr Sichtachsen schaffen, die einst ein wichtiges Gestaltungsmerkmal im Park waren.

Beim renovierten Teehaus, wo man die neuen Parkplanungen „wie in einer Theaterkulisse“ über drei Gestaltungsräume bis zum Ammersee sieht, erklärte Mößmer seine Zielvorstellung. Er will den Park „wie ein begehbares Gemälde kreieren“: Mit ausdrucksvollen Gehölzen Akzente setzen, mit unterschiedlichen Baumarten die Farbgebung bestimmen sowie mit dunklen Waldteilen und hellen Laubbäumen den Durchblick in die Weite abwechslungsreich gestalten. „Verschlungene Wege, die zu überraschenden Plätzen und Aussichten mit deren Geheimnis führen, sind das Ziel“. Die Wege, teils barrierefrei und mit Hackschnitzel belegt, wurden bereits angelegt. Bänke zum Verweilen laden ein zur Aussicht über das südliche Ammer-Moor bis rüber nach Andechs. Die Teilnehmer des Rundgangs zeigten sich überrascht, welch zukünftige Parkstrukturen heute schon im Ansatz zu erleben sind.

Zur Neupflanzung von bislang über 2.000 Bäumen in den letzten viereinhalb Jahren betonte Mößmer, man müsse „alle gartenhistorischen Überlegungen dem heutigen Klimawandel gegenüberstellen“. Gerade der Ammersee verstärke mit seinen klimatischen Luftströmungen Wärme und Trockenheit. Deshalb habe er für die Pflanzung „autochthone, das heißt dem heimatlichen Standort entsprechende Bäume“ gesetzt. Darunter Stieleiche, Hein-, Rot-, und Weißbuche, Berg- und Feldahorn, Sommerlinde, Vogelkirsche, Elsbeere, Roterle, Weißtanne, heimische Eibe und Walnussbäume.

Förderkreis-Vorsitzende Christine Reichert betonte nach dem Rundgang bei einem „heißen Schacky“ im Teehaus , man habe die Fällung der oft zehn Meter hohen „Borkenkäfer-Fichten“ nur mit tatkräftiger Hilfe der Waldbauernvereinigung geschafft. Vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kamen Fördergelder, um die Stammtransporte, Wurzel­stock-Fräsarbeiten, Pflanzen und Wildtierzäune finanzieren zu können.

Übrigens: Wer etwas für die grüne Zukunft im Schacky-Park tun will, kann sich jetzt als Pate gegen einen kleinen Obulus einen Baum aussuchen. So könnte man irgendwann der Enkelgene­ration sagen: „Schau mal, hier hat der Opa diese mächtige Eiche gepflanzt!“

Informationen zur Baumpatenschaft gibt es unter der Tele­fonnummer 08807/94832.

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