Aktenzeichen D-18113919 ungelöst

Der Schondorfer Güterschuppen - vielleicht als Minibrauerei?

Güterschuppen am Schondorfer Bahnhof
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Über eine sinnvolle Nutzung des Güterschuppens am Schondorfer Bahnhof aus dem Jahr 1898 muss sich der Gemeinderat konkrete Gedanken machen. Ein Abriss ist nicht möglich, da das Ensemble unter Denkmalschutz steht.

Schondorf – Alle Jahre wieder … kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch ein altbekanntes Thema auf die Agenda des Schondorfer Ausschusses für Dorfentwicklung und des Gemeinderates. Es geht um den 122 Jahren alten und entsprechend heruntergekommenen Güterschuppen beim Bahnhof, der nicht nur die Gemüter der CSU-Fraktion, sondern auch die der Bürger erregt.

Für einen Abriss plädierte nämlich bereits 2014 die Mehrheit der Schondorfer bei einem Bürgerentscheid. Für sie ist der ungenutzte Klotz ein „Schandfleck“, für das Landesamt für Denkmalschutz aber ein erhaltenswertes Gebäude. Es stelle zusammen mit dem Bahnhof als Ensemble ein „geschichtlich und künstlerisch wichtiges Denkmal“ dar (Aktenzeichen D-1-81-139-19). Nur gewichtige Gründe würden eine Ausnahmegenehmigung für den Abriss des Schuppens rechtfertigen.

Vize-Bürgermeister Martin Wagner (CSU) kritisierte im Gemeinderat, man habe das Thema Güterschuppen und eine sicherere Verkehrsplanung des Bahnhofsareals „jahrelang ausgesessen“. Das wiederum ließ Bürgermeister Alexander Herrmann nicht auf sich sitzen und klärte auf, warum bislang nichts geschehen ist. Obwohl die Gemeinde Eigentümerin des Bahnhofs und des Schuppens ist, gehört der zu überplanende Grund der Deutschen Bahn, die ihn nicht freigibt. Damit lässt sich die ursprüngliche Absicht der Gemeinde, die Bahnhofstraße mit einer Busspur, mit Parkplätzen und einer Wartezone für Schüler zu überplanen und damit die Verkehrssicherheit zu verbessern, nicht verwirklichen. Es fehle also schlicht die Planungshoheit für dieses Bahngrundstück, so Herrmann. Damit sei keine signifikante Verbesserung der Verkehrssituation möglich und damit auch keine Ausnahmegenehmigung für einen Abriss des Güterschuppens.

Auslöser der neu aufgeflammten Diskussion waren die im kommenden Jahr förderungswürdigen Vorhaben der Gemeinde, die bis zum 1. Dezember dieses Jahres bei der Regierung von Oberbayern angemeldet werden müssen. Dazu gehören neben den Themen der Feinuntersuchungen der Staatsstraße St2055 und der Radwegenetzverbindungen sowie einem Ideen- und Realisierungswettbewerb für Seeufer und Seepromenade auch noch die Förderinitiative „Innen statt Außen“. In diesem Rahmen wollte man sich wieder einmal Gedanken um Nachnutzung und bauliche Umsetzung des Güterschuppens machen, weil hier eine staatliche Bezuschussung im Raum steht.

Darum ging es bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Dorfentwicklung, diesmal coronabedingt in der Aula der Grundschule.

Nachdem Bürgermeister Alexander Herrmann nochmals die rechtliche Situation klar gemacht hatte, bat er um Ideen für eine sinnvolle Nutzung des nur 50 qm großen Schuppens sowie einem Kellergewölbe. Die Vorschläge gingen von einem Veranstaltungsraum für Kunst und Kultur über ein Tourismusbüro bis hin zu einer Fahrradgarage. Sogar eine Außenstelle des Studios Rose und die Auslagerung des Rathaus-Standesamtes kamen aufs Tablett. Natürlich müssten neben einer umfänglichen aber denkmalkonformen Schönheitsreparatur Strom und Wasser gelegt sowie ein behindertengerechter Zugang geschaffen werden. Toiletten wären nicht notwendig, da die in der benachbarten Bahnhofshalle und im Jugendhaus gegenüber genutzt werden können.

Bierbrauen im Schuppen

Besonders originell war der bereits im aktuellen Bürgerbudget geäußerte Plan, im Güterschuppen Bier zu brauen und später auch Brot zu backen. Dazu würden die Initiatoren Timm Haug und Johannes Gronau einen Brauverein gründen. Der „Bürgerbräu Schondorf“ will im Gebäude eine Brauanlage installieren und Bier für die Vereinsmitglieder und vielleicht auch zum Ausschank in der örtlichen Gastronomie brauen. Die Minibrauerei sollte für alle offen sein und auch Bierbrau- und Brotbackkurse anbieten. Dass die Schnapsidee mit der Brauerei bei der gerade abgeschlossenen Stimmenauszählung des Bürgerbudgets mit großem Vorsprung auf Platz 1 landete, dürfte ihre Chancen auf einen Einzug in den Güterschuppen erhöhen.

Nach der Konkretisierung der Planspiele zur Nachnutzung des Güterschuppens wird das Thema zeitnah im Gemeinderat weiter beraten. Die Crux: Das Landratsamt verbietet den Abriss und der Denkmalschutz sagt „Kümmert Euch darum, macht was draus“. Ein Beschluss steht auf jeden Fall auf der Agenda: Nach einem Hagelschaden ist das Dach des Güterschuppen undicht und muss dringend repariert werden.
Dieter Roettig

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