Produkt-Designer Maruán Attia

Design im MakerSpace Landsberg: von Maske bis Milchbox

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Industrie-Designer Maruán Attia und „die besten Fahrradständer der Welt“, montiert vor dem Industrial MakerSpace am Penzinger Feld in Landsberg.

Landsberg – Allein das hochmoderne Gebäude am Penziger Feld sticht förmlich ins Auge: Im Industrial MakerSpace soll eine Innovations-Community entstehen, in der Start-Ups und Einzelkönner an ihren Visionen arbeiten können. Der Industrie- und Produkt-Designer Maruán Attia ist einer davon. Von Corona-Masken bis zu Milchboxen erfindet er neue Produkte.

Geboren und aufgewachsen ist der heute 37-jährige im Ruhrgebiet, als Sohn einer deutschen Mutter und eines libyschen Vaters. Nach der Schule verschlug es Attia allerdings ins spanische Valencia, wo er eine Ausbildung zum Kfz-Meister absolvierte. In derselben Stadt schrieb er sich dann für den Studiengang „Industrie Design“ ein, es folgte ein Auslandssemester in Essen und schließlich Praktika; unter anderem bei Audi in Ingolstadt und München. „Es gefiel mir in Bayern so gut, da bin ich direkt geblieben“, sagt Maruán Attia und lacht.

Er erweiterte seinen Horizont durch die Themen „Psychologie, Erlebnis und Interaktion“ und schrieb beim renommierten Prof. Dr. Marc Hassenzahl von der Uni Siegen seine Diplomarbeit. Gleichzeitig startete Attia 2010 sein eigenes Unternehmen im Glockenbachviertel in München. Wegen Eigenbedarfs musste er allerdings sein Büro aufgeben und pendelt seit Anfang 2019 zwischen der Landeshauptstadt und dem Industrial MakerSpace (IMS) in Landsberg.

„Ich war zu einer Veranstaltung eingeladen und lernte dort Thomas Dittler vom IMS kennen. Das Netzwerk und das Potential empfand ich als interessante Alternative zu den üblichen Dienstleistungen in München, wo es bekanntlich schwierig ist, neue bezahlbare Büros zu finden. Aber auch die Menschen hier im IMS haben mich angezogen“, erzählt Attia von seinen damaligen Umzugsplänen in die Lechstadt. Es sei angedacht, gemeinsam mit dem IMS ein Vertriebsnetzwerk aufzubauen, von dem er mit seinen eigenen Produkten profitieren könne.

Vor der Tür des IMS sind acht seltsame quadratische Gestelle aus Metall zu sehen, deren Funktion der Laie nur er­ahnen kann. Es handelt sich allerdings um Fahrradständer, die Maruán Attia entworfen hat. „Durch die anderen Leute hier im IMS habe ich während der Entwicklung stets Meinungen und Feedback bekommen. Für mich ist das jetzt der beste Fahrradständer, den es gibt. Er sieht zunächst sehr banal aus, aber es steckt mehr dahinter“, sagt Attia. Durch eine eingearbeitete Gummilippe trifft bei diesem Ständer niemals Metall auf Metall. Das Zweirad jeglichen Typs kann also ausgesprochen schonend abgestellt werden.

Als sein Vorbild nennt Attia den berühmten Designer Dieter Rams, der seinerzeit für die Firma Braun viele Produkte entwarf. „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich“ ist einer von Rams‘ Leitsätzen. Attia hat genau diesen mit den Fahrradständern umgesetzt. Das Patent ist angemeldet, nun müssen Marketing-Experten den Vertrieb ankurbeln. Und dabei sollen die Synergien im IMS helfen.

Masken von der Rolle

Als das Land im März von der Corona-Pandemie heimgesucht wurde, konzentrierte sich Attia auf ein Produkt, das dringend gebraucht wurde: die Mund-Nasen-Bedeckung, im Volksmund schlicht „Maske“ genannt. „Wir haben Masken entwickelt, von denen sich je 100 auf einer Rolle befinden. Sie kann leicht abgetrennt werden und mittels zweier Gummis ist sie umgehend einsatzbereit. Sie passt zu jedem Gesicht, egal wie groß und lang, denn wir steuern die Anpassung über die Länge der Gummis“, berichtet Maruán Attia.

Die Produktion konnte sogar im IMS stattfinden, denn in der großen Halle befindet sich nun ein Laserschneider, der das Design vom Rechner auf die Rolle überträgt. Gemeinsam mit der Landsberger Schneiderin Ruth Hecking wurde das Produkt und die Herstellung verfeinert. Nun geht es schneller, besser und mit weniger Ausschuss. Die Maske ist am Markt und kann über den ISM bestellt werden. Eine Erfolgsgeschichte, bei der gutes Design und medizinische Notwendigkeit Hand in Hand gingen.

Maruán Attia hat diverse Patente angemeldet. Für einen großen internationalen Milchproduzenten kreierte er Milch- und Kühlboxen für den Markt in Großbritannien. Ein faszinierender Zettel- und Notizenhalter funktioniert mit Schwerkraft und bunten Murmeln. Er hat eine Garderobe entworfen, die Sternbilder an die Wand zaubert. Seiner Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt.

Mittlerweile arbeitet auch seine Lebensgefährtin Monika Otto als Industriedesignerin bei Attia. Auch in Zukunft werden im Landsberger IMS Produkte entstehen, die durchaus als Weltneuheiten bezeichnet werden können.
Dietrich Limper

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