Politik in der Pflicht:

Lücken bei der Integration am Arbeitsmarkt

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Rewe Lischka und Metzgerei Moser zeigen, wie’s geht. Sie und ihre Auszubildenden aus Afghanistan und Mali sind höchst zufrieden: Avinash Khatri, Sahel Anayatkhan, Diakite Boubacar neben Michael Moser, Markus und Sonja Lischka (von links).

Landkreis – „Ohne flüssige Kommunikation geht es nicht.“ Landrat Thomas Eichinger wies bei der Begrüßung zum zweiten Unternehmerfrühstück auf das alte Hauptproblem der Flüchtlingsintegra­tion auf dem Arbeitsmarkt hin: fehlende Sprachkenntnisse. Nun gelte es, gemeinsam Ideen zu entwickeln, um diese Lücken zu schließen. Als „Lückenschließer“ stellten Jobcenter und Berufsschule ihre Angebote den anwesenden Unternehmern vor. Und zwei Unternehmen zeigten, dass Integration auf dem Arbeitsmarkt für beide Seiten ein Gewinn sein kann. Oder wie Sonja Lischka von Rewe Lischka meint: „Wenn der Wille da ist, klappt es auch.“

Zwölf Klassen und 202 Schüler aus 23 verschiedenen Ländern – das ist die Herausforderung, der sich die Berufsschulen Landsberg stellen. Über 60 Lehrkräfte sorgen dafür, dass Schüler mit schwachen Deutschkenntnissen innerhalb von zwei Jahren fit für den Arbeitsmarkt werden. Die Ausbildung startet mit einer Vorklasse, die vor allem Deutsch und Rechnen vermitteln soll. In der darauffolgenden Berufsintegrationsklasse ist das Lernniveau höher: „Da wird dann auch der Satz des Pythagoras behandelt“, berichtet Thomas Schlütsmeier, Mitarbeiter der Schulleitung. Im zweiten Jahr steht ein Pflichtpraktikum an, wobei die Schule sämtliche Pflichten übernimmt: „Die Schüler sind über uns versichert und es sind keine Genehmigungen notwendig.“ Auch Integration steht auf dem Lehrplan: Gesundheitswesen, Sexualkunde, Schuldnerberatung. Man wolle Zuverlässigkeit vermitteln, denn „die sind schon pünktlich, aber anders pünktlich“, lacht Schlütsmeier. Am Ende haben die Schüler einen Mittelschulabschluss, ein gutes Sprachniveau und könnten somit eine Ausbildung beginnen. Aber auch ein „Quereinstieg“ ist möglich: „Wenn Sie einen Arbeiter haben, der unter 25 ist, nehmen wir ihn in die Berufsintegrationsklasse auf“, garantiert Schlütsmeier den Unternehmern. „Regelmäßige Praxistage in Ihrem Betrieb sind inklusive.“

„Wir können zwei Maßnahmen anbieten“, sagt Dominik Blaß, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Landsberg. Solange der betreffende Arbeiter beim Jobcenter in Leistungsbezug stehe, werde ein bis zu zwölf Wochen langes Praktikum unterstützt. Die zweite Maßnahme ist ein Eingliederungszuschuss von 30 bis 75 Prozent des Gesamtlohns. Allerdings sei damit auch eine Pflicht verbunden: „Solange Sie den Zuschuss erhalten, solange müssen sie den Arbeiter auch nach Ende des Zuschusses einstellen.“

Dass Integration funktionieren kann, zeigen zwei Auszubildende aus Afghanistan. Sahel Anayatkhan (23) und Avinash Khatri (27) sind bei Rewe Lischka im zweiten Lehrjahr zum Einzelhandelskaufmann. Allerdings ist nur bei einem das Asylverfahren abgeschlossen, „und jetzt weiß ich eben nicht, bleibt mir mein Auszubildender?“, gibt Lischka zu Bedenken. Auch die Altersobergrenze mit 25 Jahren für Unterstützung durch Jobcenter oder Berufsschule sei problematisch, „denn viele liegen da einfach drüber.“

Michael Moser von der Metzgerei Moser ist mit seinem Auszubildenden Diakite Boubacar aus Mali ebenfalls sehr zufrieden und das nicht nur, „weil er bei Betriebsfeiern immer der Bestangezogenste ist“. Boubacar ist im zweiten Lehrjahr zum Fachverkäufer Metzgerei, die Ausbildung findet jedoch ohne amtliche Unterstützung statt, da Boubacar keinen anerkannten Asylstatus hat und bereits 32 Jahre ist. Sprache und Fachwörter hat er sich deshalb selber beigebracht, erzählt der Malier. „Ich habe jeden Tag mit den Leuten zu tun, da lernt man schnell.“

In der abschließenden Diskussion zeigte sich die Bereitschaft der Unternehmer, aber der Staat müsse die Sprache vermitteln. Ein weiteres Problem sehe man in der Berufsschule. Die Prüfungen müssten sprachsensibler gestaltet werden, ein Unternehmer aus Weilheim empfahl berufsspezifische Extraklassen. Auch Sonja Lischka appellierte an die Politik und wünschte sich ein Bleiberecht für besonders geeignete Auszubildende, die keine Chance auf Asyl haben. Die beiden anwesenden Landtagsabgeordneten Dr. Thomas Goppel (CSU) und Kathrin Sonnenholzner (SPD) reagierten. Goppel verwies auf die rechtsstaatliche Lage, die so etwas nicht zulasse. Und Sonnenholzer winkte gleich nach Berlin durch: „Das, was Frau Lischka will, dafür braucht man ein Einwanderungsgesetz.“

Susanne Greiner

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