Deutliches Lebenszeichen

War am Sonntag auch von zwei Selber Wölfen nicht zu stoppen: Stürmer Benjamin Barz steuerte einen Treffer zum 7:3-Erfolg des EV Landsberg bei. Foto: Krivec

Auf kleinlaute Gästetrainer hat man beim EV Landsberg lange warten müssen - am Sonntag war es nach den zahlreichen Heimspielniederlagen endlich wieder soweit: Bei der Pressekonferenz nach dem klaren 7:3 (3:1, 3:1, 1:1) gegen Selb musste Cory Holden den sportlichen Offenbarungseid abliefern: „Die Landsberger waren spritziger, fleißiger, schneller, haben mehr Zweikämpfe gewonnen. Sie wollten unbedingt gewinnen, waren bereit. Das ist auch eine Frage der Vorbereitung auf das Spiel. Wir sind mit gar nichts hierher gekommen. Der Sieg ist völlig verdient.“

Holden ist mit EVL-Coach Dave Rich befreundet, Spielertrainer bei den Wölfen und stets kämpferisches Vorbild, diesmal konnte er nur teilweise mitwirken: Kurz vor Ende des ersten Drittels bekam er den Schläger von EVL-Verteidiger Nick Anderson nach dessen Schussversuch ins Gesicht und musste anschließend an der linken Augenbraue mit vier Stichen genäht werden. „Cory war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“, flachste Rich nach dem Spiel, meinte aber auch: „Es war keine Absicht von Nick, das passiert einfach beim Durchschwingen nach einem Schuss. Aber wir haben alle auch schon oft gesehen, dass es dafür eine Spieldauerstrafe gibt. Zum Glück hat der Schiedsrichter heute nur zwei plus zwei gegeben, wir können Anderson praktisch nicht ersetzen.“ Spielerische Glanzlichter Zumal nicht in der Form vom Sonntag. Aus einer insgesamt lange nicht mehr so spielstarken und -freudigen Mannschaft ragte der Offensivverteidiger zusammen mit Außenstürmer Igor Bacek heraus. Selbs Martin Sekera zeigte zwar erneut, dass er läuferisch wohl der beste Spieler der Liga ist und war auch an allen drei Toren seines Teams beteiligt. Doch während Sekera viele Kreise fuhr, die im Nichts endeten und mit der intensiven Einzelbetreuung durch EVL-Verteidiger Marc Hemmerich sichtlich nicht zurechtkam, setzten die Landsberger an diesem Abend ein spielerisches Glanzlicht nach dem anderen und waren aus einer stabilen Abwehr heraus deutlich gefährlicher. Anderson etwa trug sich mit seinen energischen Einzelleistungen aus dem Mitteldrittel heraus zweimal sehenswert in die Torschützenliste ein. Bacek stahl ihm die Show sogar noch mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 6:1 (36.), als er auf dem Weg zum Tor eine Pirouette rückwärts um den Verteidiger herum einlegte, bevor er die Scheibe mit der Rückhand an Selbs Torhüter Manuel Kümpel vorbei hob, der an diesem Abend einige Male überfordert wirkte. Allerdings wurde Kümpel auch von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. Dass das daran gelegen hätte, dass man die Landsberger unterschätzt hatte, wollte Holden nicht gelten lassen. „Wir haben vorher zweimal nur knapp gegen den EVL gewonnen, es hat auch jeder bei uns in der Zeitung gelesen, dass die in Garmisch gewonnen haben.“ Dennoch kamen seine Spieler nie richtig in die Partie. Innerhalb von sieben Sekunden stellten Michl und Maaßen schon in der 4. Minute auf 2:0. Die Antwort von Hendrikson folgte mit dem 2:1 (5.) nach Fehler von Kosarek im EVL-Tor zwar schnell, doch die Landsberger ließen sich diesmal davon nicht schocken. Bereits in der 9. Minute legte Anderson schön quer auf Bigam, der sein bislang bestes Spiel im EVL-Dress mit dem 3:1 krönte. Im zweiten Drittel war dann schnell alles entschieden. Anderson, Barz und Bacek erhöhten auf 6:1, spätestens danach war die Gegenwehr der Gäste gebrochen. Im Schlussabschnitt konnte der bis dahin dominierende EVL den Wölfen die Scheibenkontrolle über weite Strecken überlassen, ohne noch ernsthaft in Gefahr zu geraten. Lamich verkürzte für Selb noch (50.), doch noch in der gleichen Spielminute rückte Anderson die Verhältnisse an diesem Abend wieder zurecht. Während Selb eher halbherzig versuchte, das Ergebnis noch zu verbessern, brachten die Gastgeber das Spiel locker und kontrolliert nach Hause. Während der letzten zehn Spielminuten konnte Rich seinen Nachwuchsspielern viel Eiszeit geben und so die Stammkräfte endlich einmal wieder schonen. Dementsprechend feierten die leider nur 493 Zuschauer ihr Team nach dem Spiel ausgiebig. Auch in der Kabine „war eine Stimmung, als hätten die Jungs die Meisterschaft gewonnen“, so Dave Rich. Woran liegt es nun, dass der langen Niederlagenserie ein spielerischer Aufschwung folgt, obwohl der Kader kleiner geworden ist? Rich: „Das Spiel in Garmisch hat uns das Leben zurückgegeben. Auch bei der Niederlage gegen Peiting haben wir gut gespielt, auch wenn Herr Sulak da nicht mit mir einer Meinung war. Mit unseren zwölf Stammspielern stehen wir jetzt defensiv gut, sind diszipliniert. Wir haben ein gutes Konterspiel aufgezogen und heute einige echte Traumtore geschossen.“ Dass die Aufholjagd auf den vorletzten Platz jetzt kein Selbstgänger wird, ist ihm aber auch klar: „Wir müssen sehen, dass wir in diesen Tagen gut regenerieren. Mit Füssen kommt am Donnerstag eine Mannschaft, die bis jetzt auswärts fast nie verloren hat. Aber Maaßen, Anderson und ich waren alle in Füssen tätig, wir würden schon sehr gerne die Punkte hier behalten.“ Dazu gäbe es dann nur noch eines zu verbessern: Bei aller Freude über den spielerischen Aufschwung bleibt das Überzahlspiel weiterhin ineffizient. Bei sieben Gelegenheiten, darunter zweimal 5:3, gelang auch am Sonntag kein Treffer. „Daran müssen wir arbeiten“, so Dave Rich.

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