Seit Jahrzehnten ein Mahner und Macher

Deutscher Waldpreis für Kauferings ehemaligen Revierförster Ludwig Pertl

Ludwig Pertl, Kauferings ehemaliger Revierförster.
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Für sein Engagement in Sachen Nachhaltigkeit mit dem Deutschen Waldpreis ausgezeichnet: Ludwig Pertl, Kauferings ehemaliger Revierförster.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Kaufering – Respekt, ja Demut im Umgang mit der Natur – das fordert Ludwig Pertl seit über 40 Jahren. Genauso lange kämpft der 67-Jährige schon für den Wald, für einen gesunden, nachhaltig bewirtschafteten Mischwald auf einem gesunden Boden. Jetzt ist der ehemalige Kauferinger Revierförster – inzwischen im Unruhestand und immer noch in Sachen Wald aktiv – zum ersten Mal für sein Engagement ausgezeichnet worden. 

Pertl hat den Deutschen Waldpreis 2021 in der Sonder-Kategorie „Nachhaltigkeit Wald“ bekommen. Die Auszeichnung wird seit 2018 vom Internetportal forstpraxis.de verliehen, einer von mehreren forstlichen Zeitschriften betriebenen Informationsplattform für Förster, Forstunternehmer und Waldbesitzer. Pertl wurde unter anderem gewürdigt für die wegweisenden Projekte, die er bereits in seiner Zeit als Kauferinger Revierförster von 1977 bis 2017 angestoßen hat.

Unter anderem schuf er 2003 ein Anreizsystem für den Trinkwasserschutzwald, das 2008 auch für den Kauferinger Energiewald übernommen wurde. Seit 2017 ist die Marktgemeinde der deutsche Partner des EU-­Projekts Links4Soils und Pertl für dessen Management mitverantwortlich. „In Brüssel wird das Thema Boden inzwischen ernst genommen.“

Die Botschaft ist eigentlich simpel: Ohne einen gesunden Boden kann es keinen gesunden Wald geben. Das predigt Pertl seit eh und je. Ein lebendiger Boden als Schlüssel für eine erfolgreiche Anpassung an den Klimawandel sei viel zu lange sträflich vernachlässigt worden, kritisiert er, ebenso wie das Thema Wasser.

„Wasser muss den Bäumen in der Vegetationzeit zur Verfügung stehen“, erklärt Pertl. „Das heißt, wir brauchen Böden, die Wasser speichern können.“ Dazu sind unter anderem eine gute Durchwurzelung und viele Regenwürmer notwendig. In diesem Zusammenhang weist der gebürtige Günzburger darauf hin, dass Artenschutz und Arten­vielfalt nicht nur oberirdisch von Bedeutung sind. „Über 90 Prozent der Biodiversität findet im Boden statt“, betont der Vater dreier erwachsener Kinder und Großvater von sieben Enkeln. „Wenn wir enkeltauglich werden wollen, brauchen wir resiliente Landschaften.“

Gestörte Verhältnisse

Es ärgert ihn, wenn der globale Temperaturanstieg lediglich als Durchschnittswert übers ganze Jahr angegeben wird. Seit 1950 mögen weltweite Messungen eine Erwärmung von 1,1 Grad ergeben haben. Über Land ist die Temperatur aber stärker gestiegen, in Süddeutschland nach Pertls Worten um 2,5 Grad, in der Vegetationszeit sogar um vier Grad. „Wir haben inzwischen gestörte Verhältnisse.“

Hohe Jahresniederschläge bedeuten nicht, dass im Sommer kein Wasserproblem existieren würde, erklärt der Fachmann. Da Bäume aber lediglich während einer kurzen Phase im Sommer wachsen, müssen sie in den immer häufigeren trockenen Hitzeperioden in der Lage sein, genügend Feuchtigkeit aus dem Boden zu ziehen. Nur dann bleiben sie gesund, sind weniger anfällig für Schädlinge, produzieren Sauerstoff und die so wichtige Verdunstungskühle.

„In hochangepassten Wäldern können wir doppelt so viel CO2 speichern“, sagt Pertl. Er ist froh, dass es im Landkreis Landsberg mittlerweile Kommunen und private Waldbesitzer gibt, die nachhaltig arbeiten und konsequenten Waldumbau betreiben – hin zu Baumarten, die mit den veränderten Bedingungen besser zurechtkommen als die flachwurzelnde, sturm- und trockenheitsanfällige Fichte. „Wir haben im Landkreis viele positive Entwicklungen.“

Zur Aufwertung des Waldbodens gehören auch Aspekte wie das sogenannte Debarking, das Entrinden gefällter Bäume an Ort und Stelle, wie es auf einigen Testflächen im Kauferinger Wald praktiziert wird (der KREISBOTE berichtete). Rinde, Blätter und Äste werden dabei dem Boden zurückgegeben und so seine Qualität nach und nach verbessert. „Das“, sagt Pertl „ist enkeltauglich“.

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