Geglückt oder verunglückt?

Die Aktion „Saubere Landschaft“ im Landkreis Landsberg

Patrick und Matthias Lommer mit ihrer Ausbeute bei der Müllsammlung.
+
Patrick (8) und Matthias Lommer (11) nach ihrer Aktion „Sauberer Schulhof und Schulweg“. Die häufigsten Funde: Zigarettenkippen, Ostereier-Verpackungen und Masken.
  • vonAndrea Schmelzle
    schließen

Am Samstag war Aktionstag „Saubere Landschaft“. Ein Tag, an dem umweltbewusste Bürger gemeinschaftlich Müll sammeln, um einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Coronabedingt ist das vielleicht nicht ganz einfach, aber mit entsprechenden Hygieneregeln machbar. In der Marktgemeinde Kaufering ist die alljährliche Aktion jedoch heuer ziemlich nach hinten losgegangen. 40 motivierte Kauferinger waren zwar Samstagfrüh vor Ort – nur von Seiten der Gemeinde ließ sich niemand blicken. Die Aktion war zwischenzeitlich abgesagt. Die Landjugend Rott ließ sich in diesem Jahr nicht von der Corona-Pandemie ausbremsen. Und auch Unterdießen hat gesammelt.

Angekündigt war es im Gemeindeblatt und in zahlreichen Flyern: Zum 48. Mal lud der Markt Kaufering umweltbewusste Bürger zum Müllsammeln ein. Dem Aufruf zur Aktion „Saubere Landschaft“ folgten auch zahlreiche Kauferinger. Jung und Alt versammelten sich „trotz Schnee und Kälte am vereinbarten Treffpunkt“, berichtet die Kauferingerin Ingrid Lommer, die mit ihren beiden Söhnen dabei war. „Alle Teilnehmer trugen Maske, hielten Abstand und waren motiviert, einen Beitrag zum Umweltschutz in der Gemeinde zu leisten.“ Wer nicht auftauchte, war allerdings ein Vertreter der Gemeinde, auch zuständig für die Verteilung der Müllbeutel und die Zuweisung der ‚Einsatzgebiete‘. Es sei auch niemand gekommen, um die Aktion abzusagen, so Lommer. Auf der Webseite der Gemeinde habe sich keinerlei Hinweis gefunden. Über private Kontakte habe man herausgefunden, dass die Aktion nicht stattfinde. Begründung: keine. „Wir haben dann mit eigenen Einkaufstüten wenigstens den Schulhof und umliegende Straßen vom Müll befreit“, so Lommer. So wurde aus der Aktion „Saubere Landschaft“ kurzerhand die inoffizielle Aktion „sauberer Schulhof“.

„Da gab es wohl ein Kommunikationsproblem“, räumt Peter Kawohl, in der Marktgemeinde verantwortlich für die Aktion, ein. Vor zehn Tagen habe man Vereine und Organisationen über die coronabedingte Absage informiert. Leider sei ein Eintrag auf der Homepage vergessen worden. „Wir sind uns der Schuld bewusst und werden darauf regieren.“ Lommer findet die verunglückte Aktion schade: Hier werde sträflich mit bürgerlichem Engagement umgegangen. Gerade in einer Krise könne man mit solchen Aktionen Gemeinsinn stiften. Wenn sie denn stattfinden.
Andrea Schmelzle

„Saubere Landschaft“ in Rott

Was in Kaufering nicht geklappt hat, war in Rott offensichtlich kein Problem: Bürgermeister Fritz Schneider (rechts), Landjugendchef Korbinian Paul (links) und Andy Wohlleib (auf dem Anhänger) beim Tag der Umwelt in Rott.

Im letzten Jahr machte in Rott Corona dem Tag der Umwelt noch einen Strich durch die Rechnung. Nach der unfreiwilligen Pause ließ sich die Landjugend Rott diesmal aber nicht von der Pandemie bei ihrem Groß-Reinemachen-Tag im Rahmen der Aktion „Saubere Landschaft“ saubere Landschaft ausbremsen.

Unter coronakonformen Bedingungen in ganz kleinen Gruppen, zumeist im Familienverband, befreiten rund 35 Helfer die Lechraingemeinde und das Umfeld von achtlos entsorgten Müll. „Wir hatten genügend Leute, um alle Sammelgebiete zu besetzen“, berichtete Landjugend-Chef Korbinian Paul.

Neben kleinem Unrat wie Zigarettenschachteln, Flaschen, Lebensmittelverpackungen und Ähnlichem kamen auch ein alter Bob, ein Fahrrad und ein Waschbecken zum Vorschein. Sämtlicher Müll wurde am Wertstoffhof auf einen Anhänger vom Bauhof gesammelt, um im Anschluss fachgerecht entsorgt zu werden.

„Das ist eine schöne Aktion, die im Vorjahr leider ausgefallen ist“, zog Rotts Bürgermeister Fritz Schneider danach ein zufriedenes Fazit. „Im Frühjahr sieht man halt die Hinterlassenschaften von den schwarzen Schafen“, ärgerte sich Schneider aber gleichzeitig auch über die Umweltsünder.

Für die fleißigen Helfer gab es hinterher einen kleinen Dank der Gemeinde, der etwas anders ausfiel als in der Vergangenheit: Statt einer gemeinsamen Brotzeit vor dem Vereinsheim der Rotter Reservisten mussten sich die Müllsammler diesmal mit belegten Semmeln, die am Wertstoffhof-Ausgang bereitstanden, begnügen. „Das Gesellschaftliche bei dieser Aktion kommt wegen Corona leider zu kurz“, bedauerte Schneider.
Roland Halmel

Unterdießen hat gesammelt

„Saubere Landschaft“ im Familienverbund

Auch Unterdießen hat bei der Aktion „Saubere Landschaft 21“ mitgesammelt. In den drei Ortsteilen machten sich insgesamt 18 Kinder und 17 Erwachsene auf den Weg, um Flaschen, Zigarettenschachteln, aber auch Baueimer, Teppiche und sogar einen alten Kaugummiautomaten einzusammeln. In Oberdießen war Alfred Rauer (7.v.r.) mit dem Holzmacherverein tätig, in Unterdießen die Wiesbachbiker, der Schützenverein und die Kirchenverwaltung. Die Sammeltüten wurden von der Regionalgruppe Landsberg der „Oma‘s for Future“ gespendet. Die Masken wurden nur fürs Foto abgenommen. Sonst habe man das Gebiet in Zonen aufgeteilt, informiert Mithelfer Otto Fischer, sodass meist Familien zusammen sammeln konnten. Bürgermeister Alexander Enthofer (2.v.l.) bedankte sich und übergab kleine Geschenke. Es sei nicht selbstverständlich, dass Bürger ihre Freizeit opferten, um die Natur sauber zu halten. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Landkreis Landsberg: Landratsamt beantragt Lockerungen ab Montag
Corona im Landkreis Landsberg: Landratsamt beantragt Lockerungen ab Montag
»Es ist schon sehr pittoresk in Landsberg!«
»Es ist schon sehr pittoresk in Landsberg!«
Mitten in Corona eine Lehrstelle zu suchen, ist nicht einfach
Mitten in Corona eine Lehrstelle zu suchen, ist nicht einfach
Klassenzimmer plus Sanierung für die Grundschule Erpfting
Klassenzimmer plus Sanierung für die Grundschule Erpfting

Kommentare