"Die Anwohner verdienen Schutz"

Ob in der Geltendorfer Bahnhofstraße künftig „geflüstert“ wird, hängt auch von der Finanzierbarkeit des Vorhabens ab. Foto: Osman

Weniger Lärm für die verkehrsgeplagten Anwohner der Bahnhofstraße wünscht sich ÖDP-Gemeinderat Robert Sedlmayr. Er hat deshalb beantragt, dass bei der Straßensanierung im kommenden Jahr lärmmindernder Asphalt auf der Ortsdurchfahrt verlegt wird. Bürgermeister Wilhelm Lehmann (CSU) und Teile des Gemeinderats reagierten skeptisch auf diesen Vorschlag. Nun soll immerhin die Finanzierung geprüft werden.

Sedlmayr sieht in der Erneuerung der Bahnhofstraße, die der Landkreis durchführt, eine „historische Chance“, den Krach der rund 5500 durchfahrenden Pkw täglich auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. „Die Abrollgeräusche der Fahrzeuge werden durch eine lärmmindernde Deckschicht hörbar verringert, und zwar um mindestens drei Dezibel“, so seine Argumentation. „Der gefühlte Lärm reduziert sich dadurch auf weniger als die Hälfte.“ Andere Gemeinden, etwa Kaufering, würden mit Flüsterasphalt gute Erfahrungen machen. Dort ist der Belag auf der Bayernstraße verwendet worden, und die Anlieger lobten eine deutliche Verbesserung. Auf der B17neu will die Lechraingemeinde demnächst den Lärm mittels neuen Belages reduzieren. Bürgermeister Lehmann bezweifelte, dass die Flüsterschicht auf der Fahrbahn innerorts wirklich so viel bringt. Sie sei eher für Straßen sinnvoll, auf denen höhere Geschwindigkeiten gefahren werden. Außerdem weise die Bahnhofstraße viele Kanaldeckel und Wasserschieber auf, die beim Überfahren Lärm verursachen – ob mit oder ohne Flüsterasphalt. Vor allem aber sorgt sich das Gemeindeoberhaupt um die Lebensdauer. „Der Landkreis erneuert die Fahrbahn nach 15 Jahren. Mancherorts löst sich der Flüsterasphalt aber schon nach sieben oder acht Jahren wieder auf“, so Lehmann. In diesem Fall müsse die Gemeinde die Kosten tragen. „Die Anwohner verdienen Schutz. Wenn schon die Straße neu gebaut wird, sollten wir etwas für die Leute tun“, meinte dagegen Horst Kürschner (Grüne). Wolfgang Albertshofer (SPD) unterstrich, dass feinporiger Flüsterasphalt auf Ortsstraßen tatsächlich zu einer starken Geräuschreduzierung führe. In Sachen Lebensdauer sei man sich auch in der Fachwelt keineswegs einig, so der zweite Bürgermeister Thomas Hellmann (SPD). Langzeiterfahrungen fehlen noch. Landkreis im Boot? Sedlmayr wies darauf hin, dass bei einer Erneuerung des Straßenbelags vor Ablauf von 15 Jahren die Gemeinde nicht etwa auf den Kosten sitzenbliebe, sondern lediglich in Vorleistung gehen müsse. Den erstmaligen Einbau des Flüsterasphalts würde ohnehin der Landkreis bezahlen. Das allerdings schien einigen Räten zu schön, um wahr zu sein. „Wir haben auch gedacht, der Landkreis würde uns einen Kreisverkehr finanzieren, was sich dann als Irrtum herausstellte“, erinnerte Christian Engelstädter (CSU). Nun soll die Verteilung der Kosten offiziell geklärt werden. Engelstädter forderte außerdem konkrete Zahlen und Messergebnisse zur Lärmminderung. Sebastian Popfinger (CSU) merkte an, dass es für all diese Überlegungen möglicherweise schon viel zu spät ist. „Der Landkreis hat doch seine Zuschussanträge längst abgegeben. Kann man da überhaupt noch etwas ändern?“

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