Dauerwelle anno 1930

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Dauerwelle gefällig? Alfons Kotzbauer (sitzend) freut sich an den alten Geräten wie den FUVA und über die Dokumentation der Heimatforscher Herwig Stuckenberger (links) und Manfred Haugg (rechts) mit dem Titel „Die Bader- und Barbierfamilie Kotzbauer“.

Dießen – Der Bader und chirurgische Gehilfe Medard Kotzbauer kam 1856 nach Dießen. Die aktuelle Dokumentation der Heimatforscher, zeigt Leben und Wirken der Bader- und Barbierfamilie Kotzbauer in Wort und Bild auf – eine Familie, die sich der Gesundheit und Schönheit der Dießener verschrieben hatte.

Seine erste Baderei richtete Medard Kotzbauer nach siebenjähriger Wanderschaft im Kellergewölbe der Herrenstraße 2 ein. In dem Gewölbe befindet sich heute eine Bar. Zu seinen Aufgaben gehörte das Aderlassen, Schröpfköpfe und Blutegel setzen, Zähne ziehen, Knochenbrüche regulieren, Einläufe und Klistiere durchführen, sowie das Nähen kleinerer Platzwunden und Verletzungen. Kotzbauers Ehe mit der Hebamme Therese Geisreiter entstammten neun Kinder. 

1862 kaufte der Bader das Haus Nummer 44 in der damaligen Judengasse, der heutigen Schützenstraße, das zwischenzeitlich durch einen Neubau ersetzt wurde. Sein Sohn Josef übernahm 1894 gemeinsam mit seiner Frau Maria Off die elterliche Baderei in Dießen, betrieb sie aber seitdem in seinem eigenen Haus in der heutigen Herrenstraße 10. Außerdem erweiterte er die Baderei zur Dentisten-Praxis mit Frisörsalon und öffentlichem Wannenbad. 

Sein jüngster Sohn, ebenfalls Josef genannt, übernahm 1945 das Geschäft. Gemeinsam mit seiner Frau Margarethe Bode, Maskenbildnerin aus Augsburg, hatte er drei Söhne: Josef, Alfons und Conrad. Seit 1976 führte Alfons den Frisörsalon bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1991. Im ehemaligen Frisörgeschäft befindet sich seitdem ein Optikfachgeschäft. 

Ausgestattet mit alten Gerätschaften, Instrumenten und Einrichtungsgegenständen richtete Alfons Kotzbauer vor einigen Jahren im Obergeschoss seines Hauses sein privates Bader- und Frisörmuseum ein. Zur Sammlung gehört neben Klistierspritzen, Schröpfköpfen, Blutegelzylindern und Zahnzangen unter anderem auch der mit 30 Stahlnadeln bestückten „Lebenswecker“ von Carl Braunscheidt. Dieser machte im 19. Jahrhundert mit seiner Ausleitungs- und Vitalisierungsmethode, der sogenannten „Akkupunktur des Westens“, Furore. 

Egel gegen Zahnweh 

Nicht weniger beeindruckend ist die Abteilung Schönheit, zum Beispiel mit dem Dauerwellenapparat FUVA von 1930. Da der drei Kilo schwere, monströse Apparat extrem heiß wurde, musste Alfons Kotzbauer als Bub den geplagten Damen schon mal mit einem der ersten Handföne Kühlung verschaffen. Auch über seinen Großvater den Bader und Barbier Josef Kotzbauer, der in Dießen als große und elegante Erscheinung bekannt war, kann der heute 76-jährige Alfons Kotzbauer viele Geschichten erzählen. So musste er seinem Großvater noch in den 70er Jahren einen Blutegel ans Zahnfleisch setzen, der diesen von einer Vereiterung an einer Zahnwurzel befreite. Der Zahnarzt, erinnert sich Alfons Kotzbauer, hatte den dazuge-hörigen Zahn eigentlich schon ziehen wollen, den der Großvater dank des Blutegels im Alter von 93 Jahren jedoch wohlbehalten mit ins Grab nahm.

Ursula Nagl

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