»Nur noch ein großes Loch«

Die barrierefreie Umrüstung des Kauferinger Bahnhofs schreitet voran

Modell das Bahnhofs Kaufering nach Modernisierung und Umbaumaßnahmen.
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So soll der Bahnhof Kaufering nach seiner Modernisierung aussehen.
  • vonAndrea Schmelzle
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Kaufering – Seit Jahren ein Thema, seit Jahren in der Kritik, seit Jahren kein wirkliches Gelingen – nun scheint es vorwärts zu gehen in Sachen Modernisierung und Barrierefreiheit des Kauferinger Bahnhofs. Einstimmig haben die Gemeinderäte den auf der letzten Sitzung vorgestellten Planungen der DB Station & Service AG zugestimmt. Im April 2023 soll es konkret losgehen mit den Umbaumaßnahmen. 

Er ist ein Knotenpunkt der Strecken in Richtung München, Lindau, Augsburg und Landsberg: Seit über 135 Jahren verfügt die Marktgemeinde durch ihren Bahnhof über eine gute Bahnanbindung. Das sei ein Glück, heißt es auf der Homepage des Marktes, und besonders wichtig für Pendler, die Wert auf eine umweltfreundliche Verkehrsanbindung legen. Weniger glücklich waren Pendler und Gemeinde über die Ausführung der Modernisierung und den dringend notwendigen Ausbau des Bahnhofs in Richtung Barrierefreiheit. Denn diese Maßnahmen ziehen sich seit Jahrzehnten hin.

Die Historie des barrierefreien Ausbaus beginnt im Jahr 2003, mit einem entsprechenden Bau- und Finanzierungsvertrag, auf dem alle weiteren bisherigen Kauferinger Planungen basieren. 2015 ging es seitens der Bahn in die konkrete Planungsphase. Und das sei schon der „sportliche Weg“, meint der DB-Planungsverantwortliche Thomas Geschke. Für größere Maßnahmen mit Gleissperrungen bedürfe es aufgrund notwendiger Abstimmungen auf Parallelprojekte einer Voranmeldezeit von fünf Jahren.

„Jetzt sind wir soweit“, leitete Bauamtsleiter Andreas Giampa diesen „erfreulichen“ Punkt der Sitzung ein. Nach „jahrlanger Abstimmungsarbeit“ freue er sich, den Stand der Planungen gemeinsam mit Rupert Mayer, DB-Projektleiter für das Bauvorhaben, und Thomas Geschke vorstellen zu können.

Man wolle „das Maximale für die Zukunft“ herausholen, so Mayer, und für die nächsten 40 Jahre die Verkehre abdecken. Die drei Bahnsteige sollen komplett erneuert und, da „viel zu niedrig“ – so dürfe man heute gar nicht mehr bauen – auf 76 Zentimeter (Bahnsteige der Gleise 1 und 2/3) beziehungsweise 55 Zentimeter (Bahnsteig Gleis 4/5) über Schienenoberkante erhöht werden. Damit würden die Voraussetzungen für den barrierefreien Ein- und Ausstieg in die Züge geschaffen.

Die Aufzüge kommen

Parallel dazu solle eine überdachte Rampe errichtet werden, um den Hausbahnsteig (Gleis 1) zu erschließen und die Stufen zu überbrücken. Zudem sei geplant, an jedem der drei Bahnsteige – auch am Gleis 1 – einen Aufzug zu installieren, der so dimensioniert sei, dass mehrere Personen mit Gepäck, Fahrrad und/oder Rollstuhl hineinpassen, erklärt Mayer.

Die Bahnsteig- und Treppenzugänge zur Unterführung sollen für die barrierefreie Erschließung der Bahnsteige ganz neu errichtet werden. Auch würden Bahnsteigdächer und -ausstattung komplett erneuert – samt taktilem Leitsystem, also Elementen am Boden und an den Treppen, die für einen blinden Menschen ertastbar sind. Infoschilder, auch in Blindenschrift, sollen an allen Treppen im Bereich der Handläufe angebracht werden. „Wenn man sie sucht, findet man sie“, sagt Geschke. Alle Bahnsteige würden mit Zug­informationsmonitoren ausgerüstet. Und die Unterführung bekomme durch den „gläsernen Aufzug“ und eine Treppe, die man „so lang wie möglich im Auge hat“, viel mehr Tageslicht.

„Wären nicht zwei Aufzüge pro Bahnsteig sinnvoller?“, überlegte Cäcilie Nebel von den Grünen. Man müsse die Kriterien der Barrierefreiheit auch an der Zahl der Reisenden bemessen, entgegnete Mayer. Da gebe es ein ganz klares Reglement. „Zwei Aufzüge kriegen wir definitiv nicht hin.“ Falls es jedoch zu einem technischen Ausfall komme, sei der Bahnsteig überwacht und ausreichend Personal da, um den Menschen, die einen Aufzug brauchen, zu helfen.

Fertig bis April 2024

Ein gutes Jahr Bauzeit ist insgesamt eingeplant. Der vorgesehene Bauablauf: von April 2023 bis April 2024. Zunächst errichte man im ersten Bauabschnitt, der etwa sechs Wochen dauern soll, an der Südseite am Gleis 6 einen Behelfsbahnsteig, der es ermögliche, je nach Stand der Bauarbeiten einen anderen Bahnsteig dicht zu machen, erklärt Mayer. Damit würden die Einschränkungen während der Bauzeit so gering wie möglich gehalten. Auch solle die nötige Infrastruktur errichtet werden, um an den nächsten Bahnsteigen weiterzubauen, also Kabel, Schalthaus, Vorbereitungsarbeiten für die Oberleitungsanlage. „Ende Mai fangen wir dann mit Bauabschnitt 2 am Bahnsteig 4/5 richtig an“, so Mayer. So arbeite man sich langsam vor bis zum Gleis 1.

Die Bahnsteige würden komplett abgerissen, alle Zugänge kämen weg. „Da ist nur noch ein großes Loch und eine leere Fläche.“ Im Anschluss an die Erneuerungen der Bahnsteige würden diese mit einem Stahlgerüst versehen – um die Dächer fertigstellen zu können. Nach einer kleinen Winterpause während der Weihnachtsferien, die Luft lasse für Kleinarbeiten, beginne man mit der Erneuerung des Bahnsteigs 1 den Bauabschnitt vier, der bis Ende März geplant ist. Dann, im letzten Bauabschnitt, gehe es um die Inbetriebnahme der Personenaufzüge, um Mängelbeseitigungen, den Rückbau von Provisorien.

Nichts versprechen

Es gebe viele Sicherheitsvorgaben, so Mayer, aber manchmal gehe eben trotzdem etwas schief. „Wir versuchen es, innerhalb dieses Zeitplans hinzubekommen.“ Aber versprechen könne er es nicht. Gearbeitet werde im Mehrschichtbetrieb, zwei mal zehn Stunden. Das sei ein hoher Anspruch an die Mitarbeiter. Aber natürlich auch eine Herausforderung für die Kauferinger.

Die Baustelle solle, soweit möglich, von Süden her angefahren werden können – das war der Wunsch von Stephan Nitsche und Thomas Harbich (CSU) , um die Bahnhofstraße zu schonen. „Wir werden das so berücksichtigen und schauen, dass es bestmöglich umgesetzt werden kann. Allerdings müssen wir ja die Baustelle auch abwickeln können“, meinte Giampa. Die Baustellenfläche könne auf der Südseite entsprechend vergrößert werden, aber zu 100 Prozent werde man das nicht schaffen: Ein Teil müsse auch von der Nordseite aus bedient werden.

Man werde einen Gutachter einschalten, der sich mit Dauerlärm und kurzfristiger Lärmbelastung auseinandersetze. „Das versuchen wir, in den Bauablauf zu übernehmen und Störungen zu minimieren“, so Mayer. Über die verschiedenen Schritte würde man in jeweils entsprechendem Vorlauf die Öffentlichkeit informieren. „Wir möchten, dass Bürgern und Reisenden keine großen Nachteile aus dem Bauvorhaben entstehen.“

Im Rahmen einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung sollen Betroffene und interessierte Bürger über das Bauvorhaben schon vor Einleitung des förmlichen Zulassungsverfahrens (Plangenehmigungsverfahren) informiert werden.

Die Planunterlagen können ab sofort bis zum 10. Juni im Rathaus Kaufering sowie auf der Homepage der Marktgemeinde www.kaufering.de eingesehen werden. Zudem wird der Markt Kaufering eine entsprechende Stellungnahme abgeben, in der Anliegen, Fragen und Vorschläge sowohl der Gemeinderäte als auch der Bürger aufgenommen werden. ans

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