Die Corona-Pandemie und der Fahrrad-Boom

Hochbetrieb in der Fuchstaler Bike-Werkstatt

e-Motion - Bike-Werkstatt - Marius Turin
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In der Werkstatt. Marius Turin zieht an einem E-Mountainbike die Schrauben an.
  • VonJohannes Jais
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Fuchstal – Marius Turin klemmt das E-Mountainbike an der roten vertikalen Säule in die Vorrichtung und setzt den Drehmoment-Schlüssel an. Er kontrolliert die Schrauben am Vorbau des motorgetriebenen Fahrrades. Marius ist Werkstattleiter beim Fachgeschäft e-motion in Fuchstal. Er und seine Kollegen haben vor allem im Frühling und Sommer alle Hände voll zu tun mit Blick auf den Fahrradboom in Zeiten der Corona-Pandemie. Für den KREISBOTEN hat sich Johannes Jais vor Ort ein Bild gemacht. 

Marius Turin ist ein alter Hase in der Branche. Seit 22 Jahren ist er mit Fahrrädern befasst. Früher war er mal bei einem Händler in Murnau, danach in Landsberg; seit Sommer vergangenen Jahres arbeitet er bei e-motion in Fuchstal. Der Aufwärtstrend des Fachgeschäftes, das erst im März 2019 eröffnet hat, aber auch der Boom in Zeiten von Corona spiegelt sich in der ausgelasteten Werkstatt wider. Vier Männer sind dort seit Anfang des Jahres beschäftigt. Vor zwei Jahren war es gerade mal einer; Anfang 2020 waren es zwei.

Zum größten Teil werden E-Bikes repariert. Normale Räder machen nur einen geringen Anteil aus, weiß Marius zu berichten. Die Nachfrage beim E-Bike-Verkauf hat deutlich zugenommen, erklärt die Geschäftsführerin von e-motion, Regina Renz. Doch auch im Reparaturservice und im Lager ist es wesentlich mehr Arbeit als noch vor eineinhalb Jahren.

Wenn‘s wieder mal hakt

„Täglich Brot“ für die Männer in der Werkstatt sind Ketten und Bremsen an den Fahrrädern. Zur Routine kommt aber eines dazu: die zunehmend komplexe Beschaffung von Ersatzteilen. Marius spürt es selbst am meisten. Er recherchiert intensiv im Internet und telefoniert viel, um an Ersatzteile heranzukommen. Manche Teile haben enorm lange Lieferzeiten. Corona bedingt gab es Probleme mit Rohstoffen; zu bedenken ist, dass Materialien wie Kunststoffe hauptsächlich in Asien hergestellt werden. Auch sind Container für den Transport Mangelware, kennt Marius die Zusammenhänge in der Logistik.

Im Lager mit Bernd Kern. Die Regale sind gut gefüllt, aber: Einige Ersatzteile lassen lange auf sich warten.

Deutliche Verzögerungen gibt es zum Beispiel bei kompletten Bremskomponenten für E-Bikes, aber auch bei Ketten. Die sind erst nach mehreren Wochen zu kriegen oder vereinzelt gar nicht lieferbar. Krasses Beispiel: Eine Kassette (Zahnräder am Hinterrad) für den E-Bike-­Antrieb wurde im Oktober 2020 bestellt; ein halbes Jahr ist vergangen, bis sie endlich vor Ort montiert werden kann.

Das hat Auswirkungen auf den Ablauf in der Werkstatt. Inzwischen sind es zu vier Fünftel geplante Reparaturen. Wenn ein Kunde einen Termin vereinbart, kommt es vor, dass er – ähnlich wie im Pkw-Bereich – darum gebeten wird, lieber eine Woche zu warten. Freilich lasse man untertags immer einen Puffer, um Unerwartetes einschieben zu können. Der Klassiker ist dabei ein platter Reifen.

Stressfrei reparieren

„Wir haben das optimiert“, kommt Chefin Regina Renz auf die Veränderungen in der Werkstatt zu sprechen. Durch die Terminabsprachen mit Kunden seien die Reparaturen „stressfreier“ auszuführen. Auch hätten die Lieferschwierigkeiten bei bestimmten Teilen zu einem Umdenken im Bestellwesen geführt. Damit meint Renz den Abschied vom „heute auf morgen“.

Bereits im Herbst habe man disponiert, welche Teile man im kommenden Frühjahr braucht, wenn die Biker in die Saison starten wollen. Als Händler mit Reparaturservice gehe man da in Vorleistung. Bezahlt werden die Einzelteile bei Abnahme vom Großhändler.

E-Bikes müssen intensiv gewartet werden. Wie beim Auto gibt es einen Kundendienst. Für den ersten ist es drei Monate nach dem Kauf an der Zeit oder nach 500 Kilometer. Sonst sollte ein E-Bike zumindest einmal im Jahr oder nach 3.000 Kilometern in die Werkstatt. Seit Corona werden mehr Räder und E-Bikes gekauft; das bedeute mehr Verschleiß und mehr Reparaturen, schildert Marius Turin. Die Auslastung sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass bei e-motion auch Fahrräder gerichtet werden, die woanders gekauft wurden beziehungsweise von einem Hersteller stammen, der bei e-motion nicht geführt wird.

Von der Werkstatt geht es bei e-motion über einen Zwischenraum weiter hinaus ins Lager. Dort ist Bernd Kern mit dem Montieren eines neuen E-Bikes befasst. Die Regale und Fächer im Lager sind noch ordentlich gefüllt. Auch das ist auf eine frühzeitige Bestellung zurückzuführen.

Ein volles Lager? Diese Bild ist in manch anderem Fahrradgeschäft nicht (mehr) zu finden ist. Nicht selten herrscht aufgrund des Radlbooms gähnende Leere. Freilich hat sich das fast leergefegte Terrain mehr auf gelieferte Fahrräder denn auf Einzelteile bezogen.

Anhaltender Boom

Wirklich „Megakrass“ sei der Bike-­Boom im vergangenen Jahr nach dem ersten Lockdown gewe­sen, erinnert sich Regina Renz. Diese Erfahrung wird die aus Peiting stammende 43-jährige Geschäftsführerin für immer im Kopf behalten, zumal sie die Filiale in Leeder erst vor zwei Jahren eröffnet hatte. Die Nachfrage beim Verkauf sei heuer auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Aber die Beratungstermine mit den Kunden werden konkret ausgemacht. Dadurch verteilt sich für die vier Servicekräfte die Arbeit im Verkauf besser.

In Zeiten von Corona sind Information und Einkauf im Fachgeschäft mit vorzeitiger Terminvereinbarung in den Fokus gerückt. Regina Renz geht davon aus, dass dies so bleibt, auch wenn es zu weiteren Lockerungen beim Abklingen der Pandemie kommt. In der Werkstatt genauso wie im Verkauf.

Im Verkauf. Regina Renz im Gespräch mit einem Kunden aus Schwifting, der sich für ein E-Trekkingrad interessiert.

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