Jede Minute entscheidet

Die „Helfer vor Ort“ in Dießen

Dießens Helfer vor Ort
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Können Leben retten, bevor der Notarzt eintrifft: Die schnellen „Helfer vor Ort“ in Dießen. Auf unserem Bild Notfallsanitäter Maximilian Schneider (links) und Azubi Maximilian Bäumker vor dem Rot-Kreuz-Stützpunkt in der Krankenhausstraße.
  • Dieter Roettig
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Dießen – Dass die „Helfer vor Ort“, kurz HvO genannt, eine äußerst gefragte ‚Voraustruppe‘ bei Notfällen sind, zeigte sich beim Pressetermin mit der HvO-Mannschaft Dießen im BRK-Stützpunkt in der Krankenhausstraße. Das erste Treffen mit HvO-Leiter Maik Handreg (38) und Kollegen musste nach zwei Minuten abgebrochen werden, weil der Piepser zu einem Einsatz rief. Der zweite Termin fand dann ohne Rettungssanitäter Handreg statt. Denn der war zu einem Notfall im Nachbarlandkreis Weilheim ausgerückt.

Notfallsanitäter Maximilian Schneider (21) als sein Stellvertreter gab dafür fundierte Auskünfte über die Notwendigkeit und Arbeitsweise der „Helfer vor Ort“, die hier bereits im 13. Jahr ehrenamtlich tätig sind. Damals hatte eine kleine Gruppe von Mitgliedern der Rotkreuz-Sanitätsbereitschaft Dießen die „Helfer vor Ort“ gegründet, um den hauptamtlichen Rettungsdienst qualifiziert zu unterstützen.

Ob Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Brandverletzung – bei Notfällen ist schnelle Hilfe überlebenswichtig. Sind Rettungsdienst oder Notarzt noch zu weit entfernt oder wegen eines anderen Einsatzes nicht sofort verfügbar, rücken innerhalb weniger Minuten die „Helfer vor Ort“ an und beginnen mit lebenserhaltenden Sofortmaßnahmen. Sie verkürzen damit das sogenannte therapiefreie Zeitintervall der Notfallpatienten bis zum Eintreffen von Notarzt oder Rettungswagen und erfüllen damit eine wichtige Funktion in der Rettungskette. Im HvO-Einsatzwagen steht demnach eine komplette Notfallausrüstung für Erwachsene und Kinder zur Verfügung wie Defibrillator, Sauerstoff über ein Beatmungsgerät und Absaugung bis hin zu Schienenmaterial. Die Helfer tragen im Einsatz rote DRK-Jacken mit Reflektionsstreifen, um besser erkannt zu werden, aber auch zur eigenen Sicherheit.

Mit neuem Navi

Seit einigen Wochen kommen die Dießener HvOler sogar noch schneller zu ihrem Einsatzort. Dank einer anonymen Spenderin konnte der Rettungswagen mit einem speziellen Navigationsgerät ausgerüstet werden. Das empfängt direkt von der Rettungsleitstelle die Zieldaten, sodass das manuelle Programmieren entfällt.

Sind Rettungswagen, Notarzt oder Feuerwehr eingetroffen und übernehmen, bedeutet das für die „Helfer vor Ort“ keinen Feierabend. Sie assistieren weiterhin, auch durch die Absperrung des Unfallgeschehens, dem Herbeibringen der Tragen oder der Anmeldung im Krankenhaus. Schließlich sind neben den ehrenamtlichen Helfern auch Profis und künftige Profis im Dießener Team.

Maik Handreg als Rettungssanitäter und Maximilian Schneider als Notfallsanitäter sind hauptberuflich beim BRK Landsberg tätig. Maximilian Bäumker (18) und Florian Engert (19) sind noch Azubis als Notfallsanitäter für das Rote Kreuz. Ihnen zur Seite stehen die freiwilligen HvO-Mitglieder Maximilian Schmid (23), Student für Luft- und Raumfahrttechnik, Facility-Manager Alexander Rid (30) und Eric Seiffert (21), von Beruf Justizverwaltungsbeamter. Wer das Dießener Team ehrenamtlich verstärken möchte, muss laut Maximilian Schneider „als Minimum eine 90-stündige Fachsanitäterausbildung absolvieren und als Praktikant bei zehn Notfalleinsätzen im Rettungswagen mitfahren“. Und bereit sein, viel Freizeit zum Wohle der Allgemeinheit zu opfern.

Im vergangenen Jahr wurden die Dießener HvOs zu 127 Einsätzen gerufen. Der spektakulärste war laut Maximilian Schneider der nächtliche Zusammenstoß eines Motorboots mit einem Segelschiff in Riederau. Was zunächst nach einer mittleren Katastrophe aussah, entpuppte sich gottlob nur als Sachschaden ohne Verletzte. In diesem Jahr mussten die Dießener bereits knapp fünfzigmal ausrücken.

Fünf Minuten schneller

In ganz Deutschland werden laut dem ADAC die „Helfer vor Ort“, auch „First Responder“ genannt, rund 60.000-mal im Jahr alarmiert. Dabei seien die ehrenamtlichen Helfer im Schnitt fünf Minuten schneller am Ort als die Rettungsdienste. Und somit könne eine lebenswichtige Reanimation sofort eingeleitet werden. Bei einem Kreislaufstillstand durch Kammerflimmern sei jede Minute entscheidend, um irreversible Schäden zu verhindert.

Nach der ADAC-Zählung gibt es in Deutschland 1.365 dokumentierte Helfer vor Ort-Gruppen, davon allein in Bayern 494. Die HvO-Dießen betreut dabei nicht nur das Ammersee-Westufer, sie kommt bei Bedarf auch im ganzen Landkreis sowie in den angrenzenden Kreisen in Zusammenarbeit mit Rotem Kreuz, den Freiwilligen Feuerwehren, den Wasserwachten und dem THW zum Einsatz.
Dieter Roettig

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