Männliche Erzieher sind rar

Die Kindergärtner in Penzing und Landsberg

Kindergärtner Matthias Peischer (l.) und Dennis Pfender
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Schätzen es, dass sie in ihrem Beruf auch mal Kind sein dürfen: Matthias Peischer (l.) und Dennis Pfender auf dem Spielplatz des Kindergartens St. Josef.
  • VonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Männliche Erzieher in bayerischen Kitas sind nach wie vor eher Exoten. Sie gehören längst noch nicht zum Erziehungs- und Bildungsalltag in den Einrichtungen. Im Landkreis Landsberg sieht es nicht anders aus. Umso ungewöhnlicher ist es, dass es im kleinen Penzing gleich zwei Kitas gibt, die von jungen Männern geleitet werden. Genauso wie ein Kinderpfleger einer Landsberger Einrichtung lieben sie ihren Beruf und die Sinnhaftig­keit, die sie dahinter sehen. Auch, wenn sie immer noch von vielen Klischees umgeben sind. 

Früher hieß es: Kindergärtnerin. Oder eben Kindergärtner. „Ein Begriff, der völlig überholt ist“, meint Dennis Pfender, Leiter des Kinderhauses St. Martin in Penzing. Die Bezeichnung spiegele ein Klischee wieder, das zum Teil immer noch verbreitet ist, nämlich von „den netten Tanten, die Kaffee trinken und nebenbei die Kinder spielen lassen“, ergänzt sein „Kollege“ Matthias Peischer. Als studierter Erziehungswissenschaftler leitet er den Kindergarten St. Josef – ebenfalls in Penzing. Beide Einrichtungen unterstehen der Trägerschaft der Katholischen Pfarrkirchenstiftung St. Martin.

Dass die Gemeinde gleich zwei männliche Einrichtungsleiter hat, ist ungewöhnlich. Päda­gogisches Personal in Bayerns Kindergärten ist nach wie vor vorrangig weiblich. Zwar steigt die Männerquote laut Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik seit 2010 – aber langsam und liegt bei 5,1 Prozent. Knapp über 5.000 Männer stehen aktuell etwas mehr als 97.000 Frauen gegenüber.

In den Einrichtungen der Stadt Landsberg gibt es ganze drei männlicher Erzieher – Azubi, Einrichtungsleiter und Kinder­pfleger, sagt Pressesprecherin Simone Sedlmair. Für den Landkreis sei es schwierig, eine genaue Zahl ausfindig zu machen – es gebe keine Aufstellung darüber, die zwischen männlichem und weiblichem Personal unterscheidet, erklärt Anna Diem vom Landratsamt. Anders sei es bei den Einrichtungsleitern. Von 77 Einrichtungen im Landkreis gebe es fünf männliche Leiter.

Dass ein Bildungsauftrag hinter den netten Tanten – oder Onkels – steht, werde oft übersehen, meint Peischer. Genau wie die enorme Verantwortung, die dahinterstehe. Es gehe um Erziehung, die Gestaltung der Zukunft, die Vermittlung von Werten, von Basiskompetenz, um Frühförderung im sozialen und emotionalen Bereich. Das Berufsbild habe sich geändert, so Peischer. Heutzutage sei der Anspruch und die Wertigkeit über die Qualität der Arbeit, die schon in der Krippe geleistet wird, ganz anders. Das liege sicherlich auch an der gesellschaftlichen Veränderung. Daran, dass Frauen oft früh wieder arbeiten gehen.

In der Minderheit zu sein, sind die beiden gewohnt. In der „Sozialklasse“ der Fachoberschule (FOS) Landsberg waren nur drei Jungs unter 30 Schülern, erzählt Peischer. Dennis Pfender ist der „klassische Erzieher“. Sein Ausbildungsplatz als Feinwerkmechaniker scheiterte am Bankrott der Firma. „Schicksal“, meint Pfender, der dann nach einem Sozialen Jahr in dem Bereich bleiben wollte und die Ausbildung zum Erzieher durchlaufen hat – fünf Jahre lang. Ich bin froh, wie es gekommen ist“, sagt er.

Warum sich die beiden für diesen Werdegang entschieden haben? „Es ist eine Arbeit, die ich gerne mache“, sagt Peischer. Er sehe Sinn darin: Einfluss nehmen zu können und den Bildungsweg der Kinder ein Stück zu be­gleiten. Man sei Bezugsperson, begleite viele elementare Entwicklungsschritte und habe dabei eine Vorbildfunktion. „Das ist etwas Schönes.“ Gleichzeitig erfahre man eine große Wertschätzung seitens der Kinder. Auch Dennis Pfender schätzt den Spaß und die Freude mit den Kindern. „Sie sind so erfrischend.“ Da dürfe man auch selbst wieder mal Kind sein und Späße machen.

Dennoch lassen sich wenig Männer darauf ein. Das Klischeebehaftete sei für viele sicherlich abschreckend, meint Peischer. Das sei eine Frage der gesellschaftlichen Wahrnehmung, in der die Bezahlung auch eine Rolle spiele. Die Dauer der Ausbildung zeige einerseits den Stellenwert des Berufes, sagt Pfender. Die Verantwortung, die man tragen muss und das Wissen, das man benötigt, um mit den Kindern zu arbeiten. Allerdings seien diese fünf Jahre vielleicht für viele auch eine Hürde.

Natürlich könne die Bezahlung besser sein, gerade wenn man sie der Verantwortung gegenüberstelle, meint Peischer. Eine Wertschätzung wäre da eigentlich „ganz schön“. Aber das könne ja noch werden. Auch für Marius Cecon, der seit 2019 als Kinderpfleger in der Landsberger Kita Römerauterrasse arbeitet, ist die Bezahlung „gar nicht wichtig“. Der Gewinn abseits des Geldes sei enorm. Die Erfüllung, die man in der Arbeit finde.

Männliche Vorbilder

Es müsste mehr – männliche – Multiplikatoren geben, überlegt Peischer, die ihre Motivation für diesen Beruf weitergeben, sodass er auch für andere (Männer) an Attraktivität gewinne. Für die Kinder seien schließlich auch männliche Vorbilder wichtig. Und dem Team tue es auch gut, ergänzt Pfender. Oft erhalte er das Feedback: Ein Mann bringe mehr Lockerheit hinein. Oder: Ein Mann sei pragmatisch. Kurz: „Ein Mann im Team tut gut.“ Auch Marius Cecon hat die Erfahrung gemacht: „Viele Jungs kommen mit ihren Problemen eher zu mir, als zu meinen Kolleginnen.“ Zudem sei er der „wandelnde Action-Kletterbaum“. Das gefalle den Kindern. Die gegenseitige Ergänzung sei das Schöne, betont Peischer. Jeder bringe ja seine Stärken und Schwächen mit, ob Mann oder Frau.

Früher Kindergärtner, heute Erzieher. Aber auch das sei der falsche Begriff, meint Pfender. Besser und treffender sei Pädagoge – oder Wegbegleiter. Wohin der eigene Weg führe – das werde man sehen. Beide Penzinger Einrichtungsleiter haben einen befristeten Vertrag. Seit 2020 sind sie in Elternzeitvertretung angestellt. Beide kennen also eigentlich nur den Corona-Alltag, nur Krisenmanagement. Eine zusätzliche Herausforderung. Bei beiden läuft die Stelle offiziell 2022 aus. Alles sei offen, meint Peischer. Deswegen habe er ja sein Studium gewählt, weil er sich die Flexibilität aufrechterhalten wolle. Er könne etwa in die Forschung gehen. Oder fördere den Nachwuchs bei den Stockschützen. Dort ist Peischer höchst erfolgreich.

Dennis Pfender möchte selbst mal (eigene) Kinder haben. Und ist sicher, seine Familie mit dem, was er macht, ernähren zu können. Marius Cecon ist genau da zufrieden, wo er ist. Für ihn sei es wichtig, „was mit Menschen zu machen“. Das brauche er, um glücklich zu sein.

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