»Musik lebt von Bildern«

Die Kulturförderpreisträgerin Melanie Gleissner aus Landsberg

Kulturförderpreisträgerin Melanie Gleissner aus Landsberg
+
Freut sich über die Auszeichnung: Melanie Gleissner.

Landsberg/Augsburg – Melanie Gleissner hängt gerade ein bisschen in der Warteschleife. Eigentlich könnte sie ihr Querflötenstudium – inzwischen ist sie da im elften Semester – abschließen. Doch dazu gehört auch ein öffentliches Konzert, was momentan kein leichtes Unterfangen ist. „Darauf warte ich jetzt schon seit Ewigkeiten“, sagt die 25-Jährige Landsbergerin. Bis dahin hat sie aber noch zu tun. Denn die Musikerin studiert auch noch Gesang am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Und nebenher spielt sie Cello: „Aber das ganz ohne Leistungsdruck.“

Cello war auch das erste Instrument, zu dem Melanie Gleissner als Kind griff. „Aber das habe ich nicht wirklich hinbekommen“, erinnert sie. Und griff deshalb mit acht Jahren zur Querflöte: „Meine Mutter hatte zeitgleich auch damit angefangen. Und bei der Querflöte habe ich sofort gewusst: Das ist das Richtige für mich.“ Melanie ist davon überzeugt, dass es für jeden das richtige Instrument gibt. Das sozusagen seinen Spieler auswählt, „so wie bei Harry Potter der Zauberstab den Zauberer wählt“.

Das Cello hat sie dennoch nicht vergessen: Mit 14 Jahren fing sie wieder an zu spielen. Im Studium rückte das Instrument aber in den Hintergrund. „Ich muss aufpassen, weil ich immer alles können und alles spielen will. Aber zum Studium gehört natürlich auch, sich auf ein In­strument zu konzentrieren.“

Die Landsbergerin besuchte das Dominikus-Zimmermann-Gymnasium, allerdings nur bis zur neunten Klasse. Dann pendelte sie nach München aufs Pestalozzi-Gymnasium: „Die hatten damals schon den musikalischen Zweig.“ Dort besuchte sie auch den Chor – und war sofort infiziert: „Wie Stimmen zusammenklingen, was da entsteht, das ist ein unbeschreibliches Gefühl.“

Trotzdem, das Musikstudium war nach ihrem Abitur 2014 nicht ihre erste Wahl. Eigentlich wollte sie Sonderpädagogik studieren, bewarb sich auch dafür, allerdings nur in München. Und bekam den Studienplatz nicht. Das Thema Inklusion ist ihr aber weiterhin wichtig: „Musik sollte für jeden zugänglich gemacht werden.“ Weshalb sie ihre Bachelorarbeit über „Inklusion an Musikschulen“ schreibt. „Inklusion heißt, dass Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten in einer Gruppe zusammenkommen, Hochbegabte oder auch Menschen mit Beeinträchtigungen. Man muss darauf achten, dass jeder richtig gefördert und nicht überfordert wird.“

In ihrer Zeit in München nahm Melanie auch Privat-Unterricht bei Edmund Wächter. Der Musiker, der auch als Dozent an der LMU lehrt, „war ein toller Lehrer“, sagt sie. Er habe sie unterstützt und gefördert, ihr auf ihrem Weg geholfen. Bevor sie ihr Musikstudium im Fach Querflöte in Augsburg bei Mathias Dittmann anfing, ging sie aber noch zwei Monate nach Namibia, auf eine Lodge, Jungtiere pflegen, deren Eltern erschossen wurden. Wie das war? „Anstrengend“, lacht Melanie. „Morgens um sieben zum Ziegenmelken – jetzt weiß ich, woher das Schimpfwort ‚Zicke‘ kommt.“ Hätte sie sich nicht schon zuvor in Augsburg eingeschrieben, wäre sie noch länger in Afrika geblieben. Denn Reisen, und damit Neues kennenlernen, ist eine weitere Leidenschaft der Musikerin: „Musik lebt ja auch von Erinnerungen und Bildern.“

Stimme mit Potenzial

Parallel zum Querflötenstudium in Augsburg ging Melanie in den dortigen Chor. Und wurde von Professor Dominik Wortig, Dozent für Gesang, ‚entdeckt‘. „Er hatte zufällig Platz in seinem Unterrichtskontingent, hörte mich an und fand, dass da viel Potenzial sei.“ Die Art, wie Wortig ihr Musik vermittle, passe perfekt zu ihr, sagt sie. Denn jeder Mensch habe einen anderen Bezug zur Musik, jeder drücke Musik anders aus.

Deshalb gefalle ihr selbst auch das Singen mehr, wenn es um ihre eigene musikalische Tätigkeit geht. „Im Unterricht finde ich aber Querflöte angenehmer. Das ist greifbarer, da gibt es eine bestimmte Technik, die bei vielen gleich funktioniert.“ Beim Singen spiele mehr das Gesamtbild mit, „die Emotionen und auch der Charakter“. Um da herauszufinden, warum etwas nicht funktioniere, müsse man den Menschen näher, tiefer kennenlernen. Und das sei im Unterricht eher schwierig.

Auch wenn Melanie im Gesang erst im fünften Semester steht, könnte sie ihr Studium bald abschließen. Die Theorie hat sie ja schon mit der Querflöte absolviert. Und dann? „Mein großer Traum wäre es, in einem Chor zu singen, zum Beispiel im BR-Chor.“ Parallel zum Singen könnte sie dann Querflöte unterrichten, vielleicht ja in einem Inklusionsprojekt. Oder auch einen Inklusionschor gründen. „Das liegt mir schon sehr am Herzen.“

Dank dem ‚leichten‘ Lockdown kann Melanie Gleissner momentan unterrichten, sogar im Präsenzunterricht: sowohl in Unterschleißheim als auch drei Schüler der Stadtjugendkapelle in Bobingen. Im ersten Lockdown im Frühjahr habe sie versucht, Querflöte online zu unterrichten. „Aber dafür ist dieses Instrument einfach zu laut und zu hoch. Das hat mit der Technik nicht funktioniert.“

Die 25-Jährige lebt mit ihrem Freund zusammen in Augsburg, „ein bisschen außerhalb von Zentrum“. Denn von dort aus ist sie gleich draußen, kann joggen, Tischtennis-Spielen. Sport ist ihr wichtig, weil da auch Durchhaltevermögen nötig sei, wie beim Musizieren. Und Sport helfe ihr dabei, ihren Atem beim Musizieren richtig kontrollieren zu können. „Atmen erfordert Elastizität und auch Ausdauer.“ Joggen hat sie im ersten Lockdown angefangen, „weil ich da plötzlich so viel Zeit hatte.“ Etwas, was sie genießt. „Und das ich auch eigentlich nicht mehr hergeben möchte.“
ks

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landkreis Landsberg: Alle Corona-Intensivpatienten beatmet
Landkreis Landsberg: Alle Corona-Intensivpatienten beatmet
Zwei neue Buslinien führen in das Industriegebiet Frauenwald
Zwei neue Buslinien führen in das Industriegebiet Frauenwald

Kommentare