Start unter erschwerten Umständen

Die neue Leiterin der Landsberger Musikschule

Birgit Abe mit Geige
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Die neue Musikschulleiterin Birgit Abe im Vorführungssaal – der hoffentlich bald wieder befüllt werden kann, mit vortragenden Schülern und begeistertem Publikum.
  • vonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Seit dem 1. März hat die Städtische Sing- und Musikschule Landsberg offiziell eine neue Leiterin. Birgit Abe hat nahtlos die Nachfolge von Lothar Kirsch übernommen. Bereits seit Anfang des Jahres hat sich die ausgebildete Geigerin eingearbeitet – allerdings mit anderen Aufgabenfeldern als erwartet. Ein Start unter denkbar erschwerten Bedingungen.

„Eigentlich war ich die letzten beiden Monate hauptsächlich damit beschäftigt, Lösungen für Wege zum Musikunterricht in dieser speziellen Corona-Situation zu finden,“ sagt Birgit Abe. Sprich: Digitale Formate zu ermöglichen, technische Fragestellungen zu klären und datenschutzrechtliche Voraussetzungen zu schaffen. Das sei ein „Sprung ins kalte Wasser“ für sie. Schließlich sei sie Musikerin, keine ITlerin. Nicht gerade leichter mache es die Tatsache, dass sich die Lage ja ständig ändere und man sich immer neu an die Situation anpassen müsse. „Da muss man flexibel sein und das Beste aus der Situation herausholen,“ meint sie.

So hat sie etwa dafür gesorgt, dass Schüler online über die Musikschule unterrichtet werden kann, wenn sie in Quarantäne sind. Und dass der Einzelunterricht während des Lockdowns digital stattfinden konnte. Gerade erst ist ein Einzel-Präsenz­unterricht wieder möglich. Aber das könne sich schnell nochmals ändern. Auch hier müsse man gewappnet sein – und Einverständniserklärungen zum digitalen Unterricht schon in der Tasche haben.

Die Digitalisierung der Musikschule entpuppt sich als schwieriger als gedacht. „Die Wände des alten Gemäuers sind dick“, erklärt Abe. WLAN funktioniere hier nicht. Bis es zu einer langfristigen Lösung komme, müssten schnelle Notkonzepte her. Derzeit würden etwa über einen Hotspot Daten des mobilen Netzes genutzt. All das habe in ihrer Einarbeitungsphase einen sehr großen Part eingenommen. Den „normalen“ Aufgaben einer Musikschulleiterin habe sie sich kaum widmen können.

Birgit Abe, selbst Mutter von drei Kindern, liebt es, die Begeisterung für die Musik bei den Schülern zu wecken und zu fördern. Aus ihrer Sicht geht das am besten durch das gemeinsame Musizieren im Ensemble oder im Orchester. Aber Gruppen-, also Chor- und Orchesterunterricht ist noch nicht möglich. Die Streicherklassen an der Grundschule Spitalfeld, von ihr angeregt und etabliert, sind seit diesem Jahr noch nicht „in Betrieb“. Demnächst würden sie aber in kleinen Gruppen online unterrichtet.

Abe übernahm im Jahr 2010 die Leitung des Jugendsinfonieorchesters und gründete im Anschluss das Kammerorchester. Höhepunkte im Musikschulgeschehen wie öffentliche Auftritte im Rahmen der Kulturtage und bei den Deutsch/Jüdischen Festtagen sind auf ihr Engagement zurückzuführen. Für den Wettbewerb „Jugend musiziert“ hat Abe in der Vergangenheit ihre Schüler vorbereitet und angemeldet. In Zukunft wird sie den Wettbewerb, der in Landsberg stattfindet, von organisatorischer Seite her betreuen. Aus ihrer Schülerschaft gehen sowohl Musikstudenten als auch Kulturförderpreisträger daraus hervor.

Nun wird sich die neue Leiterin die verschiedenen Bereiche „ihrer“ Musikschule näher anschauen – inklusive der Lehrer und Schüler, mit all ihren Erfahrungen und Wünschen. „Darauf versuche ich zu reagieren,“ sagt sie. Für die weitere Zukunft möchte sie den gesamten Frühförderbereich weiter ausbauen. Details habe sie dazu aber noch nicht im Kopf.

Die Corona-Situation bereite ihr zunächst jedoch weiterhin Sorge. Gerade das öffentliche Präsentieren von Musik sei für die musikalische Entwicklung enorm wichtig. Veranstaltungen würden zwar geplant, allerdings immer mit einer gewissen Unsicherheit und in eingeschränktem Rahmen. Gerade gehe es verstärkt darum, diese Lücke zu füllen, die durch die fehlenden Auftritte entstanden ist, und einen Weg zu finden, die Motivation der Schüler weiter zu erhalten. Hierfür werde etwa gerade ein Musikwettbewerb durchgeführt. Durch dessen digitale Form würden sich neue Wege der Kreativität eröffnen, so Abe.

Die Pandemie werde sie vermutlich weiterhin so beschäftigen, dass es in den nächsten zwei bis drei Jahren zu keiner wesentlichen Veränderung kommen könne. „Ich möchte mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen,“ sagt sie. Fest steht für sie: „Ich komme aus dem klassischen Bereich – den möchte ich auch weiterhin sehr gut bei uns vertreten haben.“ Trotz aller Widrigkeiten: Abe freue sich auf ihr neues Aufgabenfeld. „Ich bin sehr gespannt und sehe viel Handlungsspielraum – auch dahingehend, wie man Interessen aufbauen und einbringen kann.“ Mit erstem Präsenzunterricht sei nun ja schon etwas Leben im Haus, freut sie sich. „Die letzten zwei Monate waren schon manchmal sehr einsam.“
Andrea Schmelzle

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