Wo gibt‘s den kostenpflichtigen PCR-Test?

Die Odyssee zum PCR-Test

Typ mit Maske steckt Kind Teststab in den Hals
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Am Flughafen von Memmingen ist es möglich, einen kostenpflichtigen PCR-Test machen zu lassen. Doch bis dahin sind es von Landsberg aus immerhin rund 60 Kilometer. (Archivbild)
  • VonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Für einige Bereiche des öffentlichen Lebens im Landkreis gilt sie schon, andere ziehen bald nach – mit der 3G-Plus-Regel. Für einen Nichtgeimpften heißt das: Ein negativer PCR-Test muss her, wenn derjenige etwa Kultur im Stadttheater genießen oder im Kauferinger Lechtalbad schwimmen gehen möchte. Doch das ist leichter gesagt als getan. Wie komme ich als ungeimpfte Person an diesen Test? An wen kann ich mich wenden, um Infos zu erhalten? So richtig Ahnung hat hier offenbar niemand.Das ergab ein kleines „Was wäre wenn-Experiment“ der Redaktion.

+++ Aktualisierung +++

Die Lech Apotheke in Landsberg bietet inzwischen PCR-Tests im Holzhäuschen am Hauptplatz an, Kosten 75 Euro. Von Montag bis Freitag 9 bis 13 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr sind Testwillige willkommen. Das Ergebnis bekommt man dann am Folgetag.

Was wäre, wenn man ungeimpft wäre und sich freiwillig kostenpflichtig PCR-testen lassen möchte, um eine lang ersehnte Veranstaltung besuchen zu können? Im Testzentrum in Penzing werden keine kostenpflichtigen PCR-Tests durchgeführt. Also als erste Anlaufstation: das Landratsamt. Er wisse es auch nicht so recht, sagt dessen Pressesprecher Wolfgang Müller, meine aber, dass es am Flughafen Memmingen und in Augsburg Teststationen gebe, die diese kostenpflichtigen Testungen vornehmen. 120 Kilometer Landsberg-Memmingen-Landsberg – plus die Kosten für die Veranstaltung? Das kann noch nicht die Lösung sein.

Also weiter probieren. Eine Anfrage per E-Mail beim Ärztlichen Kreisverband Landsberg ergibt die Antwort, man solle am besten beim Hausarzt nachfragen. Aber was, wenn der eigene Hausarzt keine PCR-Tests durchführt? Also nochmals telefonisch nachgehakt, eine Nummer mit Landsberger Vorwahl – die jedoch nach Berlin führt, wohl die bundesweite Zentrale. Die dortige Mitarbeiterin meint zu wissen, in Apotheken könne man den gewünschten Test vornehmen lassen. Also Telefonate mit Apotheken. Fehlanzeige. Auch hier sind keine kostenpflichtigen PCR-Tests möglich.

Vielleicht hilft ja ein Anruf beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst – die bekannte 116 117, die jedoch zu einem bundesweiten Informationsservice zur Coronaschutz­impfung führt. „Ich versuche gern, Ihnen weiterzuhelfen“, meint die Dame am Telefon anfangs noch zuversichtlich. Nach rund 15-minütiger Recherche und Schweigen am anderen Ende der Leitung dann die Info: „Alle 96 bayerischen Testzentren bieten PCR-Tests an.“ Und Apotheken. Weitergekommen sind wir hier nicht wirklich. Die Themen Apotheke und Testzentrum waren ja schon abgehakt.

Vielleicht das Gesundheitsamt? „Jeder Hausarzt kann einen solchen kostenpflichtigen PCR-Test machen“, informiert stellvertretender Sachgebietsleiter Dr. Simon Frankl. Das falle unter die sogenannte „individuelle Gesundheitsleistung“. Jeder Arzt habe ja zudem auch einen Versorgungsauftrag. Eine Liste gibt es dort aber auch nicht.

Denn Recherchen ergeben, dass nicht nur der eigene Hausarzt, sondern auch andere Praxen die Tests nicht anbieten. „Wir machen das nicht“, sagt eine Arzthelferin aus einer Praxis in Landsberg. „Wir möchten uns dem Risiko nicht aussetzen.“ Außerdem sei das organisatorisch ein zu hoher Aufwand, den man nicht leisten könne. Wenn Ärzte die kostenpflichtigen PCR-Tests anbieten, dann meist nur für eigene Patienten.

So auch die Gemeinschaftspraxis von Dr. Karl Heinz Moser und Christiane Ludwig in Landsberg. Moser weist aber zudem noch auf ein Terminproblem hin: Wenn ein Testergebnis maximal 48 Stunden alt sein darf, wird‘s eng. Denn die Proben gingen von der Praxis aus immer schon mittags ins Labor. Tests, die danach gemacht werden, erst am Tag darauf. Und dann könne es passieren, dass das Ergebnis am Tag der Veranstaltung noch nicht vorliegt. Kommt man früher zum Testen, sind allerdings die 48 Stunden stark überschritten – die auch schon knapp überschritten werden, wenn man sich zwei Tage vor der Veranstaltung abends testen lässt. Bisher sei das noch kein Problem, sagt Moser: Einen kostenpflichtigen PCR-Test gab es in der Praxis noch nicht. „Und ich glaub auch nicht, dass da viele kommen werden.“

Die Lücke nutzen

Andere Praxen, wissen noch nicht so recht, weder das „Wie“ noch das „Wann“. Und auch nicht das „Was“ (es kostet), wie eine Hausarztpraxis am Ammersee mitteilt. Im Hausärztezentrum Kaufering werde es von Woche zu Woche anders gehandelt. „Wenn Restlücken und Kapazitäten da sind, dann bieten wir es an“, sagt der dort ansässige Arzt Dr. Christoph Lingenauber. Eigentlich sei es aber gar nicht der primäre Auftrag. Den sehe man für „diese Unbelehrbaren“ auch nicht wirklich.

Die „Restlücken“ für mögliche PCR-Tests seien meist am Montag und Donnerstag in der Mittagszeit. Ungünstig, wenn das Konzert oder die Sportveranstaltung etwa am Sonntag stattfinden. Älter als 48 Stunden darf der Test ja nicht sein. Vielleicht also doch einfach auf das Event verzichten?

Kosten PCR-Test

Ein PCR-Test kostet den Recherchen des KREISBOTEN zufolge zwischen 60 und 90 Euro. Dabei splitten Arztpraxen oft die Kosten – der Getestete erhält damit zwei Rechnungen, beispielsweise 10 oder 20 Euro vom Arzt und 50 Euro vom Labor. Einige Arztpraxen wissen allerdings noch gar nicht, was sie für die PCR-Tests berechnen werden. 

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