Kreisverwaltung sagt weiterhin nein

Die Sache mit den Luftfiltern im Landkreis Landsberg

Luftfiltergeräte an Schulen
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Die Kreisverwaltung sagt weiterhin nein zu der Anschaffung von Luftfiltern in den Schulen.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landkreis – Niemand will Schüler wieder in den Distanzunterricht schicken müssen, sollten die Inzidenzzahlen nach den Sommerferien ansteigen. Deshalb will Ministerpräsident Markus Söder in jedem Klassenzimmer Luftfilter, stationär oder mobil. Das Problem: Der Freistaat fördert, aber nicht mehr als 50 Prozent der Anschaffungskosten. Die zweite Hälfte und auch die Wartungskosten bleiben an den Kommunen hängen. Dabei ist gerade das der Hauptgrund, warum sich die Stadt und auch der Landkreis Landsberg bisher gegen die Anschaffung von Luftfiltern ausgesprochen haben. 

Die einen halten Luftreinigungsanlagen für überflüssig, andere sehen in ihnen das Mittel der Wahl.

Der Grund für die momentan steigenden Inzidenzen und die Sorge um höhere Werte im Herbst ist die Delta-Variante: hochansteckend, auch bei Jüngeren. Sind die geimpft, ist der Krankheitsverlauf, soweit bisher bekannt, meistens mild. Aber noch hat die Ständige Impfkommission (STIKO) keine Impfempfehlung für Unter-12-Jährige ausgesprochen. Und auch für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gibt es nur eine Impfempfehlung für Personen mit einem besonderen Risiko, also beispielsweise Vorerkrankungen. Inzwischen hat sich der Landkreistag eingeschaltet und fördert höhere Zuschüsse des Freistaats. Bisher noch ohne Erfolg.

Landkreis sagt nein

Der Kreistag hatte die Anschaffung von Luftfiltern im März mit großer Mehrheit abgelehnt: zu teuer – Anschaffungskosten von über 500.000 Euro und Wartungskosten von rund 150.000 Euro pro Jahr wurden veranschlagt – und auch nicht sinnvoll. Auch weiterhin werde eine Anschaffung von Luftfiltern nicht angestrebt, so Landratsamtspressesprecher Wolfgang Müller. Dass Luftfilter den angestrebten Präsenzunterricht garantierten, sei nicht sicher, ist die Kreisverwaltung überzeugt. „Eine Anschaffung von Luftreinigungsgeräten würde nichts (!) an der geltenden Rechtslage ändern oder eine Erleichterung der Infektionsschutzmaßnahmen bzw. Hygieneschutzkonzepte herbeiführen; eine mögliche Maskenpflicht bestand/besteht weiterhin, ebenso wie die Notwendigkeit des Stoßlüftens sowie die prinzipielle Einhaltung der AHA+L Regeln“, so die Stellungnahme aus dem Landratsamt.

Es gebe zudem keine wissenschaftliche Einschätzung in Bezug auf die Effektivität der Geräte (siehe Infokasten). Auch das RKI sehe die Anlagen nicht als Ersatz für regelmäßiges Querlüften. Zudem seien die Anlagen laut. Und schließlich machten sie weder das Abstandhalten noch das Masketragen überflüssig. Denn das Risiko einer Ansteckung ‚face to face‘, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne, sei auch durch Luftfilter nicht effektiv zu reduzieren.

Bis dato gibt es innerhalb der Zuständigkeit des Landkreises als Schulaufwandsträger nur in Klassenräumen, die nicht quergelüftet werden können, Luftreinigungsgeräte: fünf in der WKR in Schondorf. Die Montessorischulen, nicht unter der Ägide des Landkreises, haben sich generell für die Anschaffung von Luftfilteranlagen entschieden – weshalb auch die Schule in Kaufering damit ausgestattet ist.

Im März hatten die Landkreisschulen einen Bedarf von 215 Luftfiltergeräten angemeldet. Pro Gerät müsste der Landkreis bei Anschaffungskosten von insgesamt 900.000 Euro (abzüglich der staatlichen Förderung 500.000) 2.450 Euro zahlen: Denn es gibt eine Fördergrenze, die der Freistaat pro Raum ansetzt und die bei 1.750 Euro liegt. Zusätzlich fielen noch Wartungskosten an, pro Gerät und Jahr circa 400 Euro, informiert Landratsamtspressesprecher Wolfgang Müller. Inzwischen habe man die Kosten für eine Anlage nach oben auf 3.500 Euro pro Gerät revidiert.

Thema im Stadtrat

Auch in den Schulen der Stadt Landsberg gibt es bis dato keine mobilen Luftfilteranlagen. Lediglich die Mittelschule habe bereits – unabhängig von der Coronapandemie – eine „raumlufttechnische Anlage“, informiert Stadtpressesprecherin Susanne Flügel. Der Stadtrat hatte die Anschaffung der Anlagen im März abgelehnt.

Das habe vor allem daran gelegen, dass man auf Anlagen mit UV-C-Technologie gesetzt habe, die damals aber noch nicht förderfähig waren – jetzt hingegen schon, sagt Flügel. Zudem gebe es jetzt wohl die Möglichkeit neuer Wartungsverträge, die generell günstiger sein dürften. Für den aktuellen Bedarf der städtischen Schulen entfielen auf die Stadt Landsberg Anschaffungskosten von rund 200.000 Euro, sagt Flügel.

Das Thema steht am 28 Juli wieder im Stadtrat auf der Tagesordnung. Stimme der Stadtrat der Anschaffung zu, sagt Flügel, werde man versuchen, die Anlagen bis Schulanfang im September anzuschaffen.

Sind Lüftungsanlagen sinnvoll? Meinungen der Forschung

Die diversen Studien über die Effektivität von Luftfiltern kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen – unter anderem wegen unterschiedlicher ‚Test-Räume‘ und Anlagen. Dass Luftreinigungsgeräte bis zu 90 Prozent der Aerosole herausfiltern, scheint sicher.

Luftreiniger könnten eine Infektionswelle im Herbst an den Schulen verhindern, sagt Christian Kähler, Aerosolforscher an der Universität der Bundeswehr in München. Leistungsstarke Luftfilter seien „mit Abstand die sicherste Methode, um Schüler und Lehrer vor Ansteckung in Innenräumen zu schützen“. Sie schützten vor der Infektion durch die Luft. Gegen die direkte Infektion face to face könnten transparente Schutzwände helfen. Masken müsse man dann nur aufsetzen, wenn man sich im Raum bewege.

Die Filtergeräte müssten aber ausreichend groß sein, sodass die Luft „mindestens sechs Mal pro Stunde“ ausgetauscht werde. Allein durch Lüften könne man die Luft im Klassenraum „nicht effizient“ tauschen. Die großen Geräte seien aber generell leiser als die kleinen, „nicht lauter als 52 Dezibel“. (50 Dezibel hat leise Radiomusik oder Vogelgezwitscher). Ein „gutes Gerät“ bekomme man für rund 2.000 Euro. Lüften allein reiche nicht: „Es scheitert an den Menschen und an der Physik.“ Man vergesse es; und wenn die Temperatur der Luft außen gleich der innen sei, finde kein nennenswerter Austausch mehr statt. Das Lüftungskonzept des Bundesumweltamtes (das auf konsequentes Querlüften setzt) sei „vollkommener Quatsch“.

Eine Studie in zehn Schulen, die in Stuttgart seit Januar zu dem Thema vom Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung durchgeführt wurde, kommt laut SWR generell auch zu dem Ergebnis, dass die Anlagen sinnvoll sind. Allerdings verursachten sie Zugluft und auch ein Betriebsgeräusch, das über 35 Dezibel liege. Ein weiteres Problem sehen die Stuttgarter Forscher darin, dass die Geräte Kohlendioxid und Feuchtigkeit nicht abführen.

Abschließend empfehlen die Forscher, Lüftungsanlagen nur zusätzlich oder in schlecht belüftbaren Klassenzimmern einzusetzen. Wenn alle Schüler auch während des Unterrichts eine FFP2-Maske tragen würden, sei der Effekt mit dem der Luftfilter vergleichbar, so die Stuttgarter Forscher.

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