Rock‘n Roll und Regentanz

Die Spider Murphy Gang begeistert in Landsberg mit unplugged-Konzert im Regen

Die Spider Murphy Gang beim Konzert in Landsberg.
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Die Spider Murphy Gang kann auch unplugged, „ohne Strom“, rocken – genauso mitreißend wie mit elektrischen Instrumenten und dazu mit einer ganz persönlichen Stimmung.
  • VonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Einen „Skandal auf dem Schlüsselanger“ gab es Sonntagabend mit dem letzten Act des LechStadtFestivals, der Spider Murphy Gang , auch bekannt als „bayerische Rolling Stones“, höchstens wegen des wahrlich skandalösen Wetters. Das tat jedoch der Stimmung keinen Abbruch: Vor mit Regenumhängen und Schirmen in den Parzellen tanzenden rund 340 Zuschauern lieferten die „Spiders“ sogar unplugged eine „Überdosis Rock‘n Roll“. Aber manchmal ist auch eine Überdosis noch nicht genug. 

Pünktlich, als sich Günther Sigl mit einem „Griaßt Euch“ die Gitarre schnappt, beginnt der Regen. Aber „Rock‘n Roll muss weitergehen“, ruft Sigl, und freut sich schon auf die ihm bekannte „Landsberger Ekstase“: „Seids ihr wild heute?“ Schließlich hat der Sänger einen besonderen Bezug zur Lechstadt: In Schongau geboren, hat er einen großen Teil seiner Kindheit hier verbracht. Und erblickt auch gleich „größtenteils Verwandtschaft“ im Publikum: „Ich glaube, das wird ein schöner Abend – zumindest für mich“, scherzt er.

Und dann geht sie los, die musikalische Reise durch mehr als 40 Jahre Band- und Musikgeschichte, durch die Sigl mit „Kompagnon“ Barny Murphy (bürgerlich Gerhard Gmell), die als Gründungsmitglieder immer noch dabei sind, das Publikum führt. Das dabei unter anderem erfährt: Der Bandname ist einer Textpassage aus „Jailhouse Rock“ von Elvis Presley entliehen. Da heißt es nämlich: „Spider Murphy played the tenor saxophone.“ „Mit der kurzen Version wurden wir dann ja weltberühmt – in Bayern“, so Sigl. Musikgeschichte wird aber nicht nur humorvoll erzählt, sondern auch gespielt: etwa mit dem ersten großen Elvis-Hit „That‘s all right“, den die Spiders direkt in ihren Hit „Schickeria“ überleiten. Immer wieder wird erkennbar: Ihre musikalische Spurensuche harmoniert bestens mit eigenen Hits der Bandgeschichte.

Als es schließlich aus Kübeln schüttet, spielen die Spiders, fast schon ironisch: ‚‚S‘ wieder Sommer... Sommer in der Stadt“. Ob gerade jemand Lust hat, einen „Eiscafé im Rialto“ zu schlürfen oder „nackert durch den Englischen Garten“ zu rennen, ist fraglich. Besser, sich durch Tanzen warm zu halten.

Hits aus der großen Neue Deutsche Welle-Zeit Anfang der 80er Jahre wie „Wo bist Du?“, „Ich schau dich an“ oder „Pfüati Gott, Elisabeth“, wechseln sich ab mit Songs von Elvis, Chuck Berry (wunderschön: „Johnny B. Goode“ in g-Moll!) oder Woodstock-Legende Canned Heat (passend dazu auch in Landsberg „Festival-Schlamm“). Synthierock und Waveklänge gehen über zu Rockabilly, Boogie Woogie, Jazz, Swing, Blues und Country. Mit Extra-Instrumenten wie Schifferklavier, Tuba und Querflöte. Damit zeigen die Spiders auch in Landsberg, dass sie wesentlich mehr als eine NDW-Combo sind. Günther Sigl in der Rolle des Entertainers, Barny Murphy, der „Chuck Berry von Schwabing“ mit akustischer Gitarre, Willie Duncan (Rhythmusgitarre), Wolfgang Götz („Boogie-Woogie“-Piano und „Handörgeli“), Andreas Keller (Drums – wenn es nicht regnet, „spielt er zweieinhalb-stündige Soli“), Otto Staniloi (Saxophon), und Dieter Radig (Percussion) zaubern in Kombination mit persönlichen Anekdoten eine fast schon intime Stimmung.

Das Wohnzimmer-Feeling schlossen Regen und Kälte leider eher aus. Das Tanzfeeling nicht. Und das erreicht spätestens bei „Mia san a bayrische Band“ und der Zugabe „Skandal im Sperrbezirk“ seinen Höhepunkt. Sigl und der Rest der Spiders freuen sich: „Ein besseres Publikum hätten wir uns nicht wünschen können.“

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