»Es ist Zeit aufzuhören«

Die Verabschiedung vom Denklinger Mesner-Ehepaar Gilg

Gottlieb Gilg (rechts) bei einer Kirchenführung zum Jubiläum 250 Jahre St. Michael.
+
Einer, der gerne mittendrin war: Gottlieb Gilg (rechts) bei einer Kirchenführung zum Jubiläum 250 Jahre St. Michael.

Denklingen – Nahezu 33 Jahre haben Margit und Gottlieb Gilg in Denklingen – zumeist gemeinsam – den Mesnerdienst versehen. „Wir könnten ein Buch schreiben“, antwortet Margit Gilg auf die Frage, was sie in dieser langen Zeit alles erlebt haben. Die Aufgabe hätten sie und ihr Mann von Herzen ausgeführt. Doch jetzt sei es Zeit aufzuhören.

Zum Jahreswechsel 2020/2021 haben die beiden Gilgs den Kirchenschlüssel zurückgegeben. Wer die Nachfolge antritt, ist allerdings noch nicht geklärt (siehe Artikel oben „Keine Mesner, keine Messen“). Margit und Gottlieb Gilg wünschen sich, dass bald ein neuer Mesner oder eine neue Mesnerin den Dienst antreten kann. Schön wäre, wenn es eine jüngere Frau oder ein jüngerer Mann wäre, die ein wenig „frischen Wind reinbringen“.

Bei der Kirchenstiftung angestellt war Margit Gilg seit Juli 1988. Ihr Mann war von Anfang an eine große Stütze. Der Vorgänger von Margit Gilg Josef Jörg war 1988 plötzlich verstorben. Pfarrer war Jakob Zeitlmeir. 32 Jahre und sechs Monate später wurde Margit Gilg (66) gemeinsam mit ihrem Mann Gottlieb (67) an einem kalten Sonntag im Winter offiziell verabschiedet.

Eine Bereicherung

Das Ehepaar Gilg stammt auch aus Denklingen. Zudem wohnen die beiden nur 200 Meter von der Kirche St. Michael entfernt. Gottlieb Gilg führte anfangs eine kleine Landwirtschaft und ging in den Forst. Später war er Zivil­angestellter bei der Bundeswehr in Penzing.

„Man erlebt viel Schönes, was einem viel gibt“, resümiert Gottlieb Gilg über die Zeit als Mesner. Er sei von seinem Elternhaus christlich geprägt worden. Der leutselige Denklinger freute sich, dass er in seiner Zeit als Mesner in und auch vor der Kirche zahlreiche Leute getroffen habe – darunter auch viele Auswärtige. Das habe er als eine Bereicherung empfunden. Was ihm in Erinnerung bleibt? Unter anderem ein Diebstahl vor rund zehn Jahren. Da hatte es jemand auf den kupfernen Kessel des Weihwasserbeckens abgesehen – und das leider mit Erfolg: Der Kessel blieb auf immer verschwunden.

Margit Gilg im Gespräch mit Pfarrer Jakob Zeitlmeir; er hatte sie 1988 als Mesnerin eingestellt.

Der Dienst als Mesner bedeutet Präsenz vor Ort. Das Ehepaar ist nie über längere Zeit fort gewesen. Zu unzähligen Gottesdiensten, Andachten, Requiems, Hochzeiten, Taufen, zu Konzerten und anderen Veranstaltungen ist das Mesner-Ehepaar immer dagewesen. Zugleich hatten die Gilgs auch die Schlüssel für die Antoniuskapelle mitten im Dorf und für die Osteraufkirche St. Stephan, die zwischen Denklingen und Dienhausen liegt.

Nicht nur in der Sakristei oder im Chor hatte das Ehepaar seinen Wirkungskreis. Die Gilgs waren auch fürs Schmücken und Putzen im Gotteshaus zuständig. Zu bedenken ist dabei die große Fläche: St. Michael ist immerhin die größte Kirche zwischen Landsberg und Schongau, die gut 400 Gläubige fasst.

Dank aus aller Munde

Anerkennende Worte bei der Verabschiedung der beiden langgedienten Mesner kamen von Pfarrer Oliver Grimm, der an diesem denkwürdigen Tag den Gottesdienst gehalten hatte. Für die Kirchenverwaltung sagte Norbert Hitzelberger ein Vergelt’s Gott, für den Mesnerverband im Kapitel Landsberg tat dies Karin Seefelder aus Unterdießen. Und für die Gemeinde Denklingen würdigte Bürgermeister Andreas Braunegger die enorme Leistung, die „mit viel Hingabe und Einsatzbereitschaft verbunden war“.

Margit und Gottlieb Gilg wurden im Jahr 2020 außerdem mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet.
Johannes Jais

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Gefälligkeitsatteste? Kripo durchsucht Kauferinger Arztpraxis
Corona-Gefälligkeitsatteste? Kripo durchsucht Kauferinger Arztpraxis
Landkreis Landsberg: Wenn Künstler arbeitslos werden
Landkreis Landsberg: Wenn Künstler arbeitslos werden
Wenn der Tanklaster das Trinkwasser ins Kloster bringt
Wenn der Tanklaster das Trinkwasser ins Kloster bringt

Kommentare