Wer räumt was weg?

Die weißen und braunen Haufen Apfeldorfs

Mann schaufelt Schnee Cartoon
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Haufen ist eben nicht gleich Haufen...
  • vonKlaus Mergel
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Apfeldorf – Haufen verschiedener Herkunft und Konsis­tenz haben es den Apfeldorfer Ratsmitgliedern offensicht­lich angetan. Vor Jahren beschäftigten sie sich mit den Hinterlassenschaften des Milchviehs auf gemeindlichen Straßen, dann wiederum debattierten sie über Hundedreck auf Grün­flächen und Weideland und jüngst ging es um Vergängliches: Schneehaufen. Nachdem eine Gemeinde im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau über zehn Jahre lang übersehen hatte, die Verordnung zum Schneeräumen zu erneuern, horchten auch die Räte im Lechrain auf. Und sorgten sich gleich um weitere Einzelheiten beim Schneeschaufeln.

Dass das Schneeräumen eine wichtige Sache ist, sah man zuletzt an den großen Haufen im ganzen Dorf. Dass es nicht nur eine Sache des Bürgers ist, sondern auch der Gemeinde, war am Beispiel im Nachbarlandkreis zu sehen. Bürgermeister Gerhard Schmid wies seine Ratsmitglieder auf den Fall hin: Dort hatte man 2011 vergessen, das Regelwerk zu erneuern, das nur 20 Jahre gültig ist.

Zum 1. Januar 2021 kam die Neuauflage der „Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen und die Sicherung der Gehbahnen im Winter“, wie diese offiziell heißt. „Aber ich kann euch beruhigen“, so Schmid, „es steht nichts Neues drin – mit Ausnahme der Straßen, die es damals noch nicht gab.“ Diese wurden nun im aktualisierten Apfeldorfer Verzeichnis miterfasst.

Ein verwaltungstechnischer Akt, den man als Gremiumsmit­glied nur allzu gerne überfliegt bei all dem Papierkram, den man so auf den Tisch bekommt. Nicht so Rita Christoph. Die Gemeinderätin hatte offensichtlich das Viereinhalb-Seiten-Regelwerk genau gelesen – was ja durchaus löblich ist. Und meldete sich kurz vor der Absegnung der Schneeräumverordnung zu Wort: Was denn mit der „Sicherungsfläche“ sei, bei jenen schmalen Straßen, wo es keinen Gehweg gebe? Hier gelte es ja ebenso einen begehbaren Streifen zu räumen. Und nach §2b sehe die Verordnung einen „ein Meter breiten Streifen“ vor.

Das irritierte auch die Kollegen sichtlich. Denn bekanntlich schiebt der Schneepflug die weiße Pracht auf einen – meist großen – Haufen am Straßenrand zusammen. Und den solle man dann wegräumen? Einen Meter breit? Schmid hielt dagegen: „Keiner kommt auf die Idee, den Haufen wegzuräumen!“ Und in Schmidscher Lässigkeit: „Das hat jetzt 40 Jahre funktioniert, und das wird auch weitere 40 Jahre funktionieren.“

Doch träge sickerte das Gift des Zweifels in die Geister der Sitzung. „Die Rita hat Recht“, tönte jemand im Mehrzwecksaal, wo sich das Gremium jetzt zu Coronazeiten trifft. Vor allem: Diese Verordnung wird gerade in diesen Tagen von allen bayerischen Gemeinden beschlossen – und kann am Ende vom Bürger kaum erfüllt werden! Man stelle sich vor: Täglich einen Schnee- und Eishaufen von einem Meter Breite wegräumen. Und vor allem: Wohin denn mit dem Schnee?

Erstmal beschließen

„Wir können das sicher klären, aber dann ist es März“, raunte Schmid. „Mein Vorschlag: Wir beschließen das jetzt. Und dann stellen wir eine Anfrage an den Bayerischen Gemeindetag. Und du schreibst das dann, Rita“, gewandt an Christoph. Und so geschah es: Mit 12:1 ging er durch. Dass sich die Apfeldorfer Bürger zu Tode schaufeln müssen, ist jedenfalls nicht zu befürchten. Zumindest nicht mehr diesen Winter.
Klaus Mergel

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