"Die Zeit ist jetzt reif!"

Die „Zeit ist reif“ für Erneuerbare Energien und somit auch für Windkraftanlagen. Vier entsprechende Anträge liegen im Landsberger Landratsamt derzeit vor. Foto: RTE

Seit dem Atomunglück im japanischen Fukushima vor wenigen Wochen gewinnen die Erneuerbaren Energien zu­nehmend an Bedeutung. Kein Wunder also, dass der Bayerische Bauernverband (bbv) sowie die Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis mit ihrem Vortragsabend „Zukunftsinvestition Erneuerbare Energien – Windkraftanlagen“ im Weiler Gasthaus Probst den Nerv der Zeit getroffen haben: Über 250 geladene Zuhörer interessierten sich für das zukunftsweisende Thema.

Schon im vergangenen Jahr, als die Veranstalter das Thema Biogasanlagen gewählt hatten, war die Nachfrage groß. Doch angesichts der jüngsten Entwicklungen haben sie mit den Windkraftanlagen „ins Volle getroffen“, wie Klaus Schmalholz, Kreisverbandsvorsitzender der Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis Landsberg, erklärte. Und auch Landrat Walter Eichner, der das Thema aus Sicht des Landratsamtes als Genehmigungsbehörde schilderte, bestätigte, dass derzeit schon vier Anfragen für den Bau von Windkraftanlagen vorlägen. Einen größtmöglichen Überblick über Technik, Standortprüfung, Wirtschaftlichkeitsberechnung, baurechtliche Anfor­- derungen und öffentliche Belange verschaffte der erste Referent des Abends, Ulrich Hintermair von der bbv-Landsied­- lung. „Die Standortprüfung ist erfolgsentscheidend“, sagte er. So benötige man zunächst ein so genanntes Windgutachten, welches eine Mindestwindgeschwindigkeit von 5,5 Meter pro Sekunde nachweisen müsse. „Damit steht und fällt der Erfolg einer solchen Anlage.“ Doch auch ein aufnahmefähiges Stromnetz, entsprechende Straßen und Wege für den Schwertransport sowie eine freie Windanströmung seien notwendig. „Ein Riesenthema“, so Hintermair, seien aber auch die Grenzwerte für Schall und Schatten, die eingehalten werden müssten. So dürfte beispielsweise der Schatten der Rotorblätter nicht länger als 30 Minuten am Tag und maximal 30 Stunden im Jahr auf ein Haus fallen. Die Rentabilität einer Windkraftanlage zeigte Hintermair anhand einer Wirtschaftlichkeitsberechnung von zwei Windrädern mit einer Nabenhöhe von jeweils 138 Metern, einer Leistung von je 2000 Kilowatt, einer Ertragsprognose von 8,62 Mio. Kilowattstunden jährlich, Investitionskosten einschließlich aller Nebenkosten für Planung, Gutachten, Rückbau oder Straßenbau in Höhe von 6,14 Mio. Euro und einer zugrunde gelegten aktuellen Einspeisevergütung von 9,02 Cent pro Kilowattstunde. Bei einer Beteiligung in Höhe von 10000 Euro läge der Ertrag für den Investor zwischen 700 und 900 Euro jährlich. Nicht auf jedem Hügel Für die Errichtung einer Windkraftanlage bedarf es aber auch einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung durch das Landratsamt. Landrat Walter Eichner (CSU): „Wir sind grundsätzlich keine Verhinderungsbehörde, sofern die erforderlichen Voraussetzungen eingehalten werden.“ Ein k.o.-Kriterium seien jedoch Standorte in Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten. Eichner wünschte sich eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit auch mit den Kommunen. „Denn es macht keinen Sinn, auf jedem Hügel im Landkreis eine Windkraftanlage zu errichten. Da spielt die Ästhetik auch noch eine Rolle.“ Mindestens 30 Prozent Über die Vorteile und Nachteile der verschiedenen Rechtsformen wie Kapitalgesellschaften (GmbH, Genossenschaft) und Personengesellschaften (GbR, GmbH & Co. KG) sowie die steuerlichen Möglichkeiten informierte Helmut Scherz, Steuerberater beim bbv. Welche Voraussetzungen zur Finanzierung von Windkraftanlagen notwendig sind, erklärte Ralph Stolz, Geschäftskundenbetreuer der Landsberg-Ammerseebank. So sollten mindestens 30 Prozent der Investitionssumme an Eigenkapital vorhanden sein. Des Weiteren benötige die Bank zwei unabhängige Windgutachten für den Standort, eine belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnung sowie einen detaillierten Investitionsplan. „Natürlich muss auch eine sofortige Rücklage für Reparaturkosten und den Rückbau gebildet werden“, so Stolz. Er gab zudem einen Überblick über die möglichen Finanzierungswege, die Konditionsgestaltung sowie die Absicherung. Ein Beispiel aus der Praxis lieferte LAB-Vorstand Stefan Jörg. Er hatte in Mittelfranken zwei Energiegenossenschaften gegründet. „Die Genossenschaft ist für mich die einzige Unternehmensform, die sich hervorragend für Windkraftanlagen eignet.“ Die Vorteile lägen auf der Hand: die Beteiligung von Bürgern, die selbst nicht über einen geeigneten Standort verfügen, aber in regenerative Energien investieren wollen, ein nachhaltiges Investment auch mit kleinen Beträgen, die Unterstützung einer autarken Energieversorgung der Region, die einfache Abwicklung und sehr gute Renditen zwischen fünf und sechs Prozent. „Die Genossenschaft steht für Gemeinschaft, demokratische Struktur, Sicherheit und Stabilität – und für den wirtschaftlichen Erfolg der Mitglieder.“ Auch angesichts des Klimawandels sei „die Zeit jetzt reif.“

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