Diebestour im Schrebergarten

Eine Diebestour durch die Schre­ber­gartenanlage in der Nähe des Kauferinger Heizkraftwerks hat einen 21-Jährigen aus dem westlichen Landkreis und seinen doppelt so alten Ex-Stiefvater vor das Landsberger Jugendschöffengericht gebracht. Beide erhielten Bewährungsstrafen. Der 21-Jährige bekannte sich offen zu den Taten und brachte damit auch seinen ehemaligen Stiefvater dazu, ein Geständnis abzulegen. Ursprünglich hatte dieser seine Be­teiligung geleugnet.

Gegen 2 Uhr in einer Dezembernacht im Jahr 2008 war der damals 20-Jährige Tim B. (Name geändert) mit einem Freund auf dem Fahrrad in Kaufering unterwegs. Da kam die Idee auf, in die Schrebergartenanlage zu fahren. „Wir wollten nur mal gucken, was da ist und was wir gebrauchen können“, berichtete der Angeklagte beinahe treuherzig. In dieser und der folgenden Nacht brachen die beiden etliche Gartenhäuschen auf und ließen unter anderem einen Sat-Receiver, ein Autoradio, zwei kleine Heizöfen, Campingleuchten und diverse Werkzeuge mitgehen. In der zweiten Nacht habe zufällig der Ex-Freund seiner Mutter auf seinem Handy angerufen, berichtete Tim B., der unter einer Lernbehinderung leidet und damals arbeitslos war. Prompt gesellte sich der 42-Jäh­rige zu dem Diebes-Duo, half beim Abtransport der gestohlenen Gegenstände und behielt einen der Gasöfen für sich. Damit überschritt er die Grenze von der Beihilfe zur Mittäterschaft. Mit einem späten Geständnis – ursprünglich hatte er ein Alibi angegeben, das allerdings die Tatzeit gar nicht abdeckte – rettete sich der Berufskraftfahrer vor ernsteren Konse­- quenzen. Richter Alexander Kessler verurteilte den einmal Vorbestraften zu einer Bewäh­rungsstrafe von zehn Monaten. Tim B. brachte eine längere Liste von Voreintragungen mit, darunter auch einige Verurteilungen wegen Diebstahls. Zwei­mal war gegen ihn bereits Jugendarrest verhängt worden. Der 21-Jährige hat keinen Schulabschluss und übt derzeit einen Ein-Euro-Job aus. Vom Jugendamt wurden ihm zwei Betreuer an die Seite gestellt. Der junge Mann neige dazu, sich einfache Wege zu suchen und die Konsequenzen seines Handelns nicht zu überblicken, hieß es im Bericht der Jugendgerichtshilfe. Umso höher werteten Richter Kessler und die Schöffen das Geständnis des jungen Mannes, zumal er sich damit der Autori­tät seines ehemaligen Stiefvaters widersetzt hatte. „Dieses Mal haben Sie nicht die einfache Variante gewählt, aber da­für die richtige“, lobte Kessler. „Wir haben den Eindruck, dass sich bei Ihnen im Hirnkastl was tut.“ Deshalb setzte das Gericht eine 18-monatige Haftstrafe zur Bewährung aus. Der dritte Mittäter sitzt bereits wegen anderer Delikte für dreieinhalb Jahre in Haft.

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