Langfinger vor dem Richter

Gern in offene Umkleiden

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Vor allem auf Bargeld hatten es die Langfinger abgesehen, die sich jetzt vor dem Jugendschöffengericht Landsberg verantworten mussten.

Landsberg – Eine monatelange Serie von Diebstählen hat vergangene Woche vor dem Jugendschöffengericht ihr juristisches Nachspiel gehabt. Zwischen Herbst 2013 und Mai 2014 waren immer wieder aus den Umkleideräumen von Sportanlagen und Schulturnhallen in Landsberg Geld und Wertgegenstände entwendet worden. Außerdem ging es um Einbrüche in eine Autowaschanlage und ins Magnusheim von Regens Wagner Holzhausen. Insgesamt listete Staatsanwältin Kerstin Schrom 26 Fälle auf.

Auf der Anklagebank: vier junge Männer, die unterschiedlich stark in die Straftaten verstrickt waren. Haupttäter war ein heute 19-Jähriger aus der Nähe von Landsberg. Vor ihm war kaum eine Sporthalle sicher: Ob städtisches Sportzentrum, Isidor-Hipper-Halle oder die Turnhallen von Dominikus-Zimmermann-Gymnasium, Johann-Winklhofer-Realschule, Ignaz-Kögler-Gymnasium, Fritz-Beck-Mittelschule, Waldorf-oder Berufsschule – überall marschierte der Angeklagte nachmittags bei laufendem Trainingsbetrieb hinein und bediente sich aus Jackentaschen und Rucksäcken. „Offene Umkleiden gibt’s überall“, sagte er in seinem Geständnis. Nachdem die ersten Male alles gut gegangen war, seien die Diebstähle für ihn „fast normal“ geworden.

Das Geld habe er gebraucht, um seine Spielsucht zu finanzieren. Wenn er beim Abtasten von Jacken auf Autoschlüssel stieß, durchsuchte er die dazugehörigen Autos nach Wertgegenständen und ließ die Schlüssel auf dem Beifahrersitz liegen. Das erbeutete Bargeld bewegte sich meist im zweistelligen Bereich.

Die anderen Angeklagten – heute 17, 19 und 23 Jahre alt, alle aus benachbarten Dörfern in der Umgebung von Landsberg – waren lediglich an wenigen Taten beteiligt. Den Ein- bruch in Holzhausen begingen die beiden 19-Jährigen und der 23-Jährige im Januar 2014. Einer der 19-Jährigen war damals Schüler bei Regens Wagner und wusste, wo das Geld für die Erstattung von Fahrtkosten aufbewahrt wurde. Per „Räuberleiter“ und Brecheisen verschafften die Drei sich Zugang zu dem fraglichen Büro. Dort waren jedoch alle Schränke versperrt, so dass sie mit leeren Händen wieder abzogen, aber 1000 Euro Sachschaden hinterließen.

Insider-Wissen führte auch zu dem Einbruch in eine Landsberger Autowaschanlage. Der 23-Jährige hatte dort gearbeitet. Mit einem Gasbrenner schnitten er und der 19-jährige Haupttäter ein Loch in eine Plexiglastür. Sie fanden 320 Euro Bargeld und richteten 400 Euro Sachschaden an. Zweimal stahlen die beiden außerdem in Geltendorf leere Bierfässer, um das Pfand dafür zu kassieren – 25 Euro pro Fass.

Geschnappt wurde der 19-Jährige schließlich auf frischer Tat, weil die Polizei begonnen hatte, die Landsberger Sporthallen zu observieren. Davor sei es nur ein einziges Mal „knapp geworden“, so der Haupttäter vor Gericht. Er sei mit dem 17-Jährigen ins Sportzentrum gegangen, um zu stehlen. Als ein Trainer auftauchte, habe der 17-Jährige diesen zur Ablenkung in ein Gespräch über American Football verwickelt. Der angebliche Mittäter bestritt das – er habe sich tatsächlich für ein Probetraining interessiert und nicht gewusst, dass sein Kumpel in der Zeit auf Beutezug im Umkleideraum war. Das Gericht glaubte ihm und stellte das Verfahren gegen ihn ein.

Die drei anderen wurden verurteilt – der Haupttäter zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie zu 80 Sozialstunden und zehn Suchtberatungsgesprächen. Der 23-Jährige erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie eine Geldstrafe von 1300 Euro, der 19-Jährige kam mit zwei Wochenendarresten davon.

Ulrike Osman

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