Kooperation statt Konfrontation

Dießen: Auch Hanni Baur will Kirsch-Nachfolgerin werden

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Nur per Bild, gehalten von Ehemann Richard, war SPD-Bürgermeisterkandidatin Hannelore Baur bei der Nominierung dabei. Daumen drückten ihr Markus Wassele (links), Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Landsberg, und der neue Ortsvorsitzende Patrik Beausencourt (rechts).

Dießen – Das gab es noch nie bei einer Aufstellungsversammlung für den Posten des Dießener Bürgermeisters: Hannelore Baur (SPD) wurde in Abwesenheit nominiert und steigt nun nach Sandra Perzul (Dießener Bürger), Florian Zarbo (Freie Wähler) und Marianne Scharr (parteilos) als vierte Kandidatin in den Ring. Drei Tage vor dem Termin in der Sportgaststätte „Veranda“ hatte sich Hanni Baur bei einem Sturz die Schulter gebrochen und musste operiert werden. Im Landsberger Klinikum nahm sie telefonisch die Glückwünsche zur Nominierung entgegen.

Für die einen war diese Wahl eine faustdicke Überraschung, für andere eine Selbstverständlichkeit und logische Folge von Baurs langjähriger kommunalpolitischer Erfahrung. Seit zwölf Jahren sitzt sie im Dießener Marktgemeinderat, ist Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses, Mitglied im Finanzausschuss und Tourismusreferentin. Dem Kreistag gehört sie seit 2008 an. Ihr Kreistagskollege Dr. Albert Thurner, SPD-Bürgermeister von Vilgertshofen und Gast bei der Versammlung, bescheinigte Baur eine enorme politische Kompetenz, Fleiß, Ausdauer und Menschlichkeit. Sie sei ein Glücksfall für Dießen sowie für die örtliche SPD seit Jahrzehnten Herz und Seele.

Hannelore Baur, Jahrgang 1959, stammt aus Reichling und lebt mit ihrem Mann Richard im Dießener Ortsteil Pitzeshofen. Sie hat zwei erwachsene Töchter und einen Sohn. Auch beruflich ist sie eng mit der SPD verbandelt und arbeitet im SPD-Landesverband Bayern, zuständig für Landsberg, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen. Gelernt hat Hannelore Baur nach der Realschule Buchhalterin und war vor dem Wechsel zum SPD-Landesverband in der Musikschule Dießen und im Autohaus Hart tätig. Jetzt, als Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn, strebt sie nach dem Chefsessel im Dießener Rathaus. Den verlässt 2020 Bürgermeister Herbert Kirsch nach 24 Jahren. Auch er war Gast bei der Nominierungsversammlung und äußerte sich sehr löblich über die langjährige Zusammenarbeit mit Hanni Baur, die sich stets ideenreich, konstruktiv und loyal erwies.

Vor der Nominierung stand die Neuwahl der Dießener SPD-Vorstandschaft auf dem Programm, geleitet von Markus Wasserle, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Landsberg. Hannelore Baur hatte im Vorfeld bereits ihren Rücktritt bekundet und ihren Stellvertreter Patrik Beausencourt als Nachfolger empfohlen. Der 41-jährige Rechtsanwalt wurde einstimmig gewählt, ebenso wie sein Stellvertreter Werner Hauk. Schriftführerin wurde Gemeinderätin Kathrin Brachner-Kubat und Schatzmeisterin Hanni Baur. Damit bleibt sie der Vorstandschaft erhalten, wenn auch im zweiten Glied.

Gemeinderat Erich Schöpflin sprach die Hoffnung aus, dass Bürgermeister und Marktgemeinderat im letzten Jahr ihrer Amtszeit nicht nach dem „Lame Duck“-Prinzip arbeiten und die aktuellen Probleme noch vehement anpacken. Als Beispiel nannte er die Auswertung der umfangreichen Verkehrsumfrage, um die Probleme in Dießen wenigstens zu lindern, nachdem es wohl keine „große Lösung“ gebe. Hier hakte auch Patrik Beausencourt ein, der im Auftrag von Hanni Baur einige ihrer Schwerpunktthemen als eventuelle Bürgermeisterin bekannt gab. So wie einen Personennahverkehr von Dießen nach Herrsching, den die Bevölkerung seit vielen Jahren fordere. Dießen solle auch für junge Menschen wieder attraktiv werden, wozu bezahlbarer Wohnraum gehöre. Das von der Marktgemeinde gekaufte Anwesen „Drei Rosen“ sei dafür prädestiniert. Der Ausbau der Seeanlagen dürfe nur mit „vertretbaren Kosten“ realisiert werden. Vereine und Ehrenämter bräuchten mehr Wertschätzung und Unterstützung.

Auf den kommenden Wahlkampf bezogen ließ Hanni Baur ausrichten, sie strebe im Sinne einer künftigen gedeihlichen Zusammenarbeit nach „Kooperation, nicht nach Konfrontation.“

Dieter Roettig

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