Der Jugend eine offizielle Stimme geben

Dießen bekommt einen Jugendbeirat

Jugendbeirat in Dießen
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Wollen in Dießen einen Jugendbeirat ins Leben rufen: Lorenz Leitner, Ella Streefkerk, Lea Schürer, Stefanie Sanktjohanser und David Hemsing (von links) vor dem Jugendzentrum in der Johannisstraße.

Dießen – Die Jugend der Marktgemeinde möchte künftig ein Wörtchen mitreden bei den sie betreffenden kommunalpolitischen Prozessen. Dazu soll zeitnah ein Jugendbeirat ins Leben gerufen werden, der in die lokale Politik mit einbezogen wird. Diese gewählte Vertretung will mit ihrem Antragsrecht die Möglichkeit zur Mitsprache und Gestaltung wahrnehmen.

Der erste Schritt zur Gründung eines Jugendbeirats wurde bei der jüngsten Gemeinderatssitzung vollzogen. Einstimmig befürwortete das Gremium die Einrichtung eines Jugendbeirats und beauftragte die Verwaltung, gemeinsam mit den Initiatorinnen „einen tragfähigen Satzungsentwurf vorzubereiten und dem Marktgemeinderat zur Beschlussfassung vorzulegen.“

Die beiden Initiatorinnen, die sich mit ihrem Anliegen direkt an Bürgermeisterin Sandra Perzul gewandt hatten, sind die Studentin Lea Schürer (20) und die Abiturientin Ella Streefkerk (20). Unterstützung für ihr Anliegen bekamen sie von Jugendreferent Frank Fastl (Freie Wähler) und Simon Brieger, dem Leiter des Jugendzentrums „Juz“ in der Johannisstraße.

In das Juz luden Lea Schürer und Ella Streefkerk jetzt zu einem Pressegespräch, um ihre Motivation für den Jugendbeirat nochmals ausführlich zu erläutern. Dabei auch ihre Mitstreiter der ersten Stunde: Tätowiererin Stefanie Sanktjohanser (26), Abiturient David Hemsing (21) und Mechatroniker Lorenz Leitner (27).

Angeregt zur Gründung eines Jugendbeirats wurde Dießens Jugend bereits vor den Kommunalwahlen 2020, als alle sieben Bürgermeisterkandidaten im Juz Rede und Antwort standen. Besonders Gabriele Übler (Grüne) plädierte für diese Art der Mitbestimmung. Ernst wurde es schließlich damit im Spätherbst mit dem aus Sicherheitsgründen bedingtem Abbau der Skateranlage auf dem Gelände des MTV, wobei sich die Jugend übergangen fühlte. Dass ihr beliebter Treffpunkt quasi über Nacht verschwunden ist, wollten sie nicht so einfach hinnehmen. Mit massivem Protest in den sozialen Medien und vielköpfigem Besuch der das Thema behandelnden Gemeinderatssitzung wurde erreicht, dass die Rampen nach einer Reparatur durch den Bauhof wieder aufgestellt wurden. Zudem erhöhte der Gemeinderat das Budget für Sanierung und Erweiterung des Skateranlage auf 60.000 Euro.

Dieses Ergebnis habe Lorenz Leitner gezeigt, dass man trotz Gegenwind mitwirken und etwas bewegen kann. Man habe dadurch die kommunalen Strukturen und die richtigen Ansprechpartner kennengelernt. Lea Schürer fand es gut, dass wegen des Skater-Themas „eine tolle Kommunikation innerhalb der Jugend aus den verschiedensten Bereichen entstanden ist.“ Und es habe die Kompromissbereitschaft der Marktgemeinde gezeigt, zusammen mit der Jugend eine Lösung zu finden. Das möchte auch David Hemsing in Bezug auf den Basketballplatz erreichen, der ebenfalls auf eine Aufhübschung wartet.

Nicht nur meckern

Mit einem Jugendbeirat könnte man konkrete Vorschläge einbringen und die verschiedenen Interessen der diversen Altersgruppen zusammenführen. Lea Schürer: „Wir wollen nicht nur meckern, sondern was tun. Nicht zwingend fordern, sondern sich einbringen!“ Das Areal um die Skateranlage soll ein Treffpunkt und eine Begegnungsstätte der Dießener Jugend werden, vielleicht sogar mit einem Grillplatz („Wir kümmern uns auch um den Müll“). Veranstaltungen wie ein Open-Air-Kino und vieles mehr werden bereits angedacht. Man wolle „die Jugend aufwecken und den Jugendbeirat für die nächste Generation aufbauen.“

Jetzt muss aber zuerst der Jugendbeirat offiziell gewählt werden. Die Initiatoren stellen sich eine Jungbürgerversammlung mit Aufstellung und Wahlen vor. Wenn das Corona-bedingt nicht möglich ist, sei die Briefwahl eine Alternative. Bis dahin muss die Verwaltung noch die Satzung ausarbeiten. Diskussionsbedarf besteht bei der Altershöchstgrenze von 27 oder 29 Jahren. Klar ist bereits, dass die Jugendbeiräte ehrenamtlich tätig sind und wie die Seniorenbeiräte keine Aufwandsentschädigung erhalten.

Die Initiatoren würden sich freuen, wenn sich möglichst viele Jugendliche und junge Erwachsene beim Jugendbeirat engagieren. Wer interessiert ist, kann sich über die Mailadresse jugendinitiative-diessen@web.de melden.
Dieter Roettig

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