Schöner Parken am See

Dießen: Entlastungsparkplatz für knapp zwei Millionen Euro

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Eine matschige Angelegenheit ist der Entlastungsparkplatz nördlich der Dießener Markthalle. Er wird jetzt für fast zwei Millionen Euro ausgebaut, wobei 850.000 Euro für die Altlastenbeseitigung eingeplant sind.

Dießen – Parken kann man schon immer nördlich der Markthalle, wenn die befestigten Stellplätze zwischen der Halle und dem Gleisübergang zum See belegt sind. Bei schlechtem Wetter allerdings ist der glitschige Untergrund eine Zumutung beim Weg vom Auto zur Windermere-Straße. „Hier müsste die Gemeinde eigentlich einen Schuhputzautomat aufstellen“, meinte kürzlich entnervt ein fein gewandetes Paar, das zu einer Hochzeitsfeier am Untermüllerplatz wollte. Der Platz sei kein Renommee für einen Fremdenverkehrs- und Luftkurort.

Dem Paar und auch den vielen Dießen-Besuchern zum Beispiel beim Töpfermarkt wird jetzt geholfen. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten für den Ausbau des Entlastungsparkplatzes beginnen. Das beschloss der Marktgemeinderat mehrheitlich trotz der enorm gestiegenen Kosten.

Für die 93 befestigten Stellplätze waren ursprünglich 1,14 Millionen Euro vorgesehen. Da das 4.000 Quadratmeter große Gelände von der Markthalle bis zu den Wohnmobil-Stellplätzen aber durch Mineralöl- und Teerreste belastet ist, kommen für die Beprobung und fachgerechte Entsorgung nochmals geschätzte 850.000 Euro dazu.

Schuld ist die jahrzehntelange sorglose Nutzung als Bahngelände, Schrottplatz und sogar teilweise als Heizöl-Depot. Das so kontaminierte Erdreich wird aus Umweltgründen und wegen des hohen Grundwasserspiegels in Seenähe bis zu einer Tiefe von 1,20 Metern entnommen, fachgerecht beprobt und entsorgt.

Ein geeigneter Platz zur Lagerung des kontaminierten Erdreichs für die Beprobung macht den Planern noch Kopfzerbrechen. Man benötigt eine umzäunte Fläche von rund 3.000 Quadratmetern, die auf Anweisung des Wasserwirtschaftsamtes mit einer Folie ausgelegt werden muss.

Eine Beprobung direkt vor Ort auf der künftigen Parkfläche sei laut Planer Christoph Wohlfahrt unrealistisch, da es damit zu monatelangen Bauverzögerungen kommen werde. Die Beprobung müsse laut Bürgermeister Herbert Kirsch leider sein, da Deponien kein unbeprobtes Erdreich aufnehmen.

Davon kann die Gemeinde Schondorf ein leidvolles Lied singen. Bevor sie das Prix-Gelände an den Investor Wüstenrot zur Bebauung verkaufen konnte, musste sie den kontaminierten Grund ebenfalls für eine horrende Summe beproben und entsorgen lassen.

Schildbürgerstreich?

Die Wertstoffsammelstelle für Glas und Kleidung am Rand des künftigen Parkplatzes wird bleiben, allerdings verlegt und mit einem Sichtschutz versehen. Ebenso soll ein Teil der Fläche hinter der Markthalle für den Bauhof erhalten bleiben. Die Marktgemeinde will sehr zeitnah mit den Ausschreibungen beginnen und hofft auf einen möglichen Baubeginn noch in diesem Jahr.

Während der Marktgemeinderat überparteilich mehrheitlich für den Ausbau des Entlastungsparkplatzes stimmte, sprach Gemeinderat Michael Hofmann (Bayernpartei) von einem „sehr teuren Schildbürgerstreich“. Es mache keinen Sinn, eventuelle oder wahrscheinliche Altlasten auszugraben, sie auf einem zu schaffenden und später wieder zu renaturierenden Platz zwischenzulagern, um sie dann woanders wieder zu vergraben. Seiner Meinung nach würde eine Aufkiesung für den Entlastungsparkplatz reichen.
Dieter Roettig

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