Höhere Gebühren für Wohnmobile

Dießens »Anschlag auf den Tourismus« am See

Wohnmobile an der Windemerestraße in Dießen
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Die Tagesgebühr der Wohnmobilplätze an der Dießener Windermere-Straße wird auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen von acht auf zwölf Euro angehoben.
  • Dieter Roettig
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Dießen – Wortgewaltig ist es vergangene Woche im Marktgemeinderat zugegangen, als um die Erhöhung der Gebühren für die Wohnmobile an der Windermere-Straße gefeilscht wurde. Den Antrag der Grünen um die Anhebung von acht auf zwölf Euro pro Tag nannte Michael Hofmann (BP) einen „unglaublichen Anschlag auf den Tourismus.“ Man schade damit der heimischen Wirtschaft, weil die Gäste vielleicht weniger Geld im Ort ausgäben.

Die Befürchtung, dass wegen „des Gegenwertes einer Halben Bier“ (Hanni Baur, SPD) weniger Wohnmobile die Stellplätze in unmittelbarer Seenähe ansteuern werden, teilte die Mehrheit der Gemeinderäte nicht. Die attraktive Lage garantiere auch trotz erhöhter Gebühren eine Auslastung wie bisher. Zumal „Urlaub dahoam“ immer trendiger werde. Somit fiel die Abstimmung mit 14:10 zugunsten der Erhöhung aus.

Je nach Größe der Gefährte können nahe der Markthalle 15 bis 18 Wohnmobile eine Zwischenstation von bis zu drei Tagen einlegen. Bislang verlangt die Gemeinde eine Parkgebühr von acht Euro für 24 Stunden, zu entrichten über einen Automaten. Die Stromversorgung für vier Stunden kostet einen Euro, ebenso wie für 70 Liter Trinkwasser. Auch die Abwasserentsorgung inklusive Fäkalien beträgt einen Euro. Auf diese Weise landen pro Jahr immerhin rund 20.000 Euro an Einnahmen im Gemeindesäckel.

Dass mit der Gebührenerhöhung die schon lange geforderte Ertüchtigung der Versorgungseinrichtungen einher gehen müsse, räumten Thomas Hackl und Thomas Höring (beide FW) ein. Laut Volker Bippus (UBV) würden vereinzelte Gäste über die Anlage schimpfen und auch in diversen Führern spreche man von einem mangelhaften hygieni­schen Standard. Wie Bürgermeisterin Sandra Perzul ausführte, wurden Entscheidungen hinsichtlich einer Verbesserung der Ver- und Entsorgungsstationen an der Windermere-Straße bislang noch nicht getroffen, da dazu laut Auskunft der Bauabteilung grundsätzliche Untersuchungen erforderlich seien.

Ursprünglich hatte man angedacht, die Ertüchtigung oder vielleicht auch eine Erweiterung der Wohnmobilstellplätze zusammen mit dem Parkplatzaus­bau nördlich der Markthalle auszuführen. Für die Befestigung der 93 Stellplätze waren zunächst 1,14 Millionen Euro vorgesehen. Da das 4.000 Quadratmeter große Gelände von der Markthalle bis zu den Wohnmobilplätzen aber durch Mineralöl- und Teerreste belastet ist, kämen für die Beprobung und fachgerechte Entsorgung nochmals geschätzte 850.000 Euro dazu. Schuld ist die jahrzehntelange sorglose Nutzung als Bahngelände, Schrottplatz und sogar teilweise als Heizöldepot. Das so kontaminierte Erdreich müsste aus Umweltgründen und wegen des hohen Grundwasserspiegels in Seenähe bis zu einer Tiefe von 1,20 Metern entnommen, fachgerecht beprobt und entsorgt werden.

Ein Termin für das überteure Projekt steht noch nicht fest und damit verschiebe sich laut Gemeinderat Johann Vetterl (FW) auch „die Ertüchtigung des Wohnmobilareals bis zum Sankt-Nimmerleinstag.“ Als Kompromiss schlug Franz Sanktjohanser (Dießener Bürger) die Erhöhung der Tagesgebühr auf zehn Euro für die nächsten zehn Jahre vor, was aber kein Gehör fand.

Die finale Abstimmung zugunsten der Erhöhung um 50 Prozent ohne Ertüchtigung bezeichnete der bekennende „Wohnmobilist“ Michael Hofmann als Abzocke. Seinem ausgemachten Widersacher Dr. Holger Kramer (Grünen) warf er vor, diese Art von Tourismus in Dießen nicht zu wollen. Kramer widersprach und konterte, dass die Gebühr seit Fertigstellung der Plätze im Jahr 2012 nicht erhöht wurde. Die Anhebung würde die Attraktivität keinesfalls schmälern und die Gemeinde hätte mehr Einnahmen.

Das von den Grünen anvisierte Inkrafttreten zum 1. März kann laut Geschäftsleiter Karl Heinz Springer aber nicht eingehalten werden. Erst müsse man die Beschilderung und die Parkgebührenverordnung anpassen und den Automat umprogrammieren.
Dieter Roettig

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